Es gibt zwei Dinge, die Elizabeth Lipp (hinreißend und augenzwinkernd zugleich: Melina Mercouri) alles andere vergessen lassen: Männer und -- Diamanten. Das neuste Objekt ihrer Begierde ist der weltberühmte juwelenbesetzte Dolch des Maharadscha im Istanbuler Topkapi-Museum. Der ist freilich scharf bewacht, und sein Diebstahl will gut geplant sein. Also werden die entsprechenden Fachleute angeheuert: Der Schweizer Meisterdieb und Meister-Organisator Walter Harper (Maximilian Schell), der exzentrische, bis ins Mark englische Tüftler Cedric (very british: Robert Morley), und zwei Zirkusakrobaten: einen Muskelmann und einen Akrobaten. Ein genialer Plan soll die gesamte türkische Polizei und notfalls auch die Armee außer Gefecht setzen; wie der Plan genau aussieht, erfährt allerdings auch der Zuschauer erst während des Coups. Verraten werden soll hier nichts, außer dass der Plan tatsächlich genial und eines Gentleman würdig ist -- und dass der Regisseur Jules Dassin hier seinen eigenen Film "Rififi" (1955) hemmungslos auf die Schippe nimmt...
Nun muss nur noch ein Dummer gefunden werden, der die für den Plan unentbehrlich scheinenden Blendgranaten ahnungslos in die Türkei schmuggelt -- Walters Wahl fällt auf einen Hansdampf in allen Gassen, den zwielichtigen "shmock" und Schlemihl Arthur Simpson (zum Schreien komisch: Peter Ustinov), und das entpuppt sich als weniger gute Idee, denn der türkische Zoll wird misstrauisch, entdeckt das Waffenarsenal im Auto und macht Simpson kurzerhand zum Geheimdienstagenten. Dies wiederum ist ebenfalls keine gute Idee, denn nach einer Panne muss Walter den Einbruchsplan ändern und Simpson einweihen, und wie könnte der dem Charme der schönen Mrs. Lipp widerstehen? -- Ein turbulentes Schelmenstück nimmt seinen Lauf, und zwar vor der Kulisse Istanbuls, das hier viel mehr als nur Kulisse ist.
Ein herrlicher Ganovenfilm mit bestmöglicher Besetzung; man merkt, wie sehr den Schauspielern das Ganze Spaß gemacht haben muss. Der Film ist leichtfüßig, übermütig, herrlich schräg und spannend zugleich, mit leichter Hand inszeniert, auch die kleinste Nebenrolle wurde perfekt besetzt. Dazu kommen das stimmungsvolle Lokalkolorit vom Istanbul der 60er Jahre und die Musik von Manos Hadjidakis, die beide die quirlige Handlung exakt widerspiegeln. Und die Grundidee des Films -- Gentleman-Ganoven geben sich geistreich die Ehre -- wurde seither oft kopiert und nie erreicht.
Wer den Film bisher nur auf Deutsch kannte und Sinn hat für Sprachwitz, den erwartet bei der Originalfassung noch ein weiteres Zuckerli, nach dem Motto "Most Englishes spoken": Man hört im ganzen Film kein Standardenglisch! Statt dessen aber Schwyzer Englisch von Maximilian Schell, absolut authentisches Griechenenglisch von Melina Mercouri, Robert Morley brilliert wieder mal mit einem verschärften Queen's English, und was Peter Ustinov da lustvoll und mit Wonne zusammenfaselt, spottet jeder Beschreibung und ist allein schon den Oscar wert, den er hier für die beste Nebenrolle bekam.