Das Horror-Genre ist nicht gerade das Vorzeigegenre des Nintendo DS. Wer sich gerne gruselt, griff hier zu Titeln wie "Resident Evil: Deadly Silence" (einem Remake des PlayStation-Klassikers), "Touch The Dead" oder "Dementium: The Ward". Letzteres bekommt nun einen Nachfolger spendiert, der den überraschenden Namen "Dementium II" trägt. Trotz der zahlreichen guten Kritiken wurde am ersten Teil vieles bemängelt, was den Entwicklern von Renegade Kid die Möglichkeit gab, diesmal alles richtig zu machen.
Die Geschichte setzt einige Zeit nach den Geschehnissen des Vorgängers ein. Ihr schlüpft erneut in die Rolle von William Redmoor, der in einem Krankenzimmer aufwacht und erzählt bekommt, dass er einer Gehirnoperation unterzogen wurde. Danach wird er in seine Zelle gebracht, wo das Grauen wieder seinen Lauf nimmt. Alles wird weiß und plötzlich sind die Gänge der Heilanstalt "Bright Dawn" voll mit blutigen Leichen, kranken Folterapparaturen und gefährlichen Monstern. Die Alpträume aus Teil 1 nehmen also erneut ihren Lauf, und mit einem verrückten Doktor steht man einem unberechenbaren Kontrahenten gegenüber.
Die Höllendimensionen sind allerdings nicht nur gruseliges Beiwerk. Oft sind sie ein entscheidender Teil der Spielwelt, da sich ihre Umgebung immer leicht von der Realität unterscheidet. Wird ein Weg z.B. von einem verschlossenen Tor versperrt, ist dieses Tor in der Parallelwelt geöffnet. Entkommen kann man ihr nur nur, wenn man alle dort befindlichen Monster erledigt. Designtechnisch gibt es an beiden Welten nicht viel auszusetzen. Etwas auffällig ist aber, dass der Weg trotz vieler Abzweigung exakt vorgegeben ist, sodass die Levels doch etwas schlauchig wirken.
Grafisch ist das Spiel mit alten PlayStation-Titeln zu vergleichen. Alles ist etwas pixelig, die Texturen sind sehr grob und Lichteffekte o.Ä. sucht man vergebens. Für den DS ist das Ganze aber dennoch sehr schön und stimmig, mal ganz davon abgesehen, dass die Grafik auch wieder einen gewissen Charme hat. Der Sound ist ebenfalls zufriedenstellend, allerdings nicht mehr. Teilweise wirken die simplen Melodien etwas cheesy, wodurch sie auch gerne mal nerven. Insgesamt wird eine schaurige Atmosphäre geschaffen, die durch unregelmäßige Schockmomente perfekt unterstrichen wird.
Besonders schaurig wird es im Dunkeln, wo nur eine kleine Taschenlampe etwas Licht spendet. Diese ist aber natürlich nicht der einzige Gegenstand, den man auf seinem Weg findet. Im Laufe des Spiels werden zahlreiche Waffen zum Inventar hinzugefügt, wie z.B. ein Messer, ein Revolver, eine Schrotflinte oder auch ein selbstgebastelter Flammenwerfer, bestehend aus einem Feuerzeug und einer Spraydose. Darüber hinaus gibt es einige Items, wie Gesundheitspillen, Medipaks oder Adrenalinspritzen (verbessernvorübergehend motorische Fähigkeiten), die die beschwerliche Reise erleichtern. Ist allerdings einmal Schluss mit der Reise, muss man vom letzten Speicherpunkt aus wieder anfangen. Die Speicherpunkte sind in Form von roten Spiegeln an bestimmten Stellen der Spielwelt verteilt, wo man diesmal (anders als im ersten Teil) manuell speichern kann.
Wie die meisten sicher schon bemerkt haben, spielt "Dementium II" in der Ego-Perspektive. Da stellt sich natürlich die Frage, wie gut es sich auf dem Nintendo DS steuern lässt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Spiel die wohl beste Ego-Shooter-Steuerung für den DS hat. Man läuft mit dem Steuerkreuz, schießt mit der L-Taste und bewegt mit dem Touchpen das Sichtfeld. Die Tasten für das Ducken und Springen sind ebenfalls auf dem Touchscreen zu finden, genauso wie das Inventar. Doch obwohl die Steuerung sehr gut umgesetzt wurde, ist es auf Dauer ein ziemlicher Krampf, große Gegnerhorden zu bekämpfen. Dann fühlt es sich schnell so an, als würde man die Waffen auf die eigenen Hände richten, weshalb man nie viel länger als eine Stunde am Stück spielen kann. Das ist aber vielleicht gar nicht mal so schlecht, da die geringe Gesamtspielzeit einer der größten Kritikpunkte des Spiels ist. Nach rund fünf Stunden hat man den Endboss erledigt, und aufgrund des niedrigen Wiederspielwerts bleibt dann eigentlich nur noch der Survival-Modus übrig.
Fazit: Die Liste der kleinen Mankos des ersten Dementiums ist lang, doch die Entwickler haben es geschafft nahezu alles Negative zu entfernen. Wer mit der Ego-Perspektive kein Problem hat, bekommt ein hervorragendes Horrorspiel geboten, das besonders in Sachen Atmosphäre kaum Konkurrenz auf dem Nintendo DS hat. Zwar ist die Spielzeit mit knapp 5 Stunden nicht sehr lang, doch 5 Stunden Spannung sind mir deutlich lieber als 20 Stunden Langeweile.