In Neopolis leben Superhelden, Roboter und Fabelwesen Tür an Tür und das nicht unbedingt immer friedlich. Genau aus diesem Grund existiert Top 10, das örtliche Polizeirevier, unter dessen Dach sich ein nicht minder schräger Haufen versammelt hat, um in der überquellenden Metropole für Recht und Ordnung zu Sorgen.
Und es scheint sich auch einiges anzusammeln, geschehen doch drei Morde in kurzer Zeit, von denen einer einen besonders alten, sogar mythologischen Hintergrund hat.
,,Top 10'', von keinem anderen geschrieben als Comicgott Alan Moore, erzählt im Verlauf seiner ersten ,,Staffel'' mehrere kleinere Geschichten, die wie Folgen einer Polizeiserie aufgebaut sind. Daraus zieht die Serie, neben ihren Konzept dass alle Polizisten wie ihre Schutzbefohlenen ebenfalls Superhelden sind ( darunter eine Frau namens Irma, ein Panzer auf zwei Beinen, die mit ihrem Kampfpanzer tatsächlich atomare Sprengköpfe abschießen kann), ihren größten Reiz, unter anderem da man als Leser auf Grund der großen Auswahl an Charakteren, sich einen ganz persönlichen Liebling rausziehen und mit ihm oder ihr mitfiebern kann.
Ein weiterer Plus ist der abgefahrene Humor, der vor allem in diesem Sammelband die eine oder andere Lachträne hervorrufen wird. Größtenteils wird sich hier natürlich über das Superheldengenre lustig gemacht, aber auch Nichtkennern wird hier einiges geboten, wenn zum Beispiel Mäuse mit Superkräften die Wohnung der Mutter eines Hauptcharakters in Beschlag nehmen und dort einen Konflikt (mikro-)kosmischen Ausmaßen austragen.
Auch in den ( wirklich großartigen) Zeichnungen Gene Has, sind viele Hintergrundgags versteckt, wenn man nur genau hinsieht (so bestehlen Zigarre rauchende Schlümpfe den Türsteher einer Bar, in der die Götter aus allen möglichen Pantheons aus und eingehen, um einen der weniger subtilen Witze zu erwähnen. Die Bar selbst ist übrigens der Schauplatz einer der drei weiter oben erwähnten Morde) und auch sonst ist der Band eine bunte und detailreiche Augenweide. Jeder der Charaktere hat tatsächlich seinen individuellen Stil, keiner sieht dem anderen ähnlich (etwas, was bei weitem nicht jeder Zeichner hinbekommt) und Neopolis selbst ist eine farbenprächtige Kulisse, voller Wunder und düsterer Orte, wodurch was die Serie zu einer der schönsten Serien aller Zeiten macht.
Der erste Band der englischen Ausgabe vereint die ersten sieben Hefte, in der deutschen Ausgabe wurde das siebte Heft und (vermutlich) dem zweiten Band hinzugefügt. Die deutsche Übersetzung ist mehr als gelungen. Sie ist flott geschrieben und der Humor der Serie bleibt erhalten, mehr kann man wohl kaum erwarten.
Der erste Band der Serie ist ein sehr guter Einstieg, in eine spaßig lockere Serie, die ihre Qualität hoffentlich auch im zweiten Band beibehält.