Tja, fangen wir mal mit dem positiven an, und da hätten wir gleich mal den wirklich genial gemachten Vorspann. Musik, Schnitt und Szenenwahl stimmen hervorragend auf den selbstverschuldeten Untergang der Menschheit ein und sorgen für ein authentisches Endzeit-Feeling. Das mal wieder nur das Erdöl schuld ist, stört auch nicht weiter. Das ist man als Endzeitfan ja gewohnt.
Allerdings scheint dieser Film von drastischen Budgetbeschränkungen belegt worden zu sein, denn gefühlte 90% spielen in derselben Etage eines verlassenen Krankenhauses, wo sich eine Handvoll Überlebender mit Rot-Kreuz-Notnahrungen über Wasser hält. Das zeigt auch, dass der Untergang noch nicht lange her sein kann.
Ab hier macht der Film oder bzw. die Figuren des Films leider alles falsch, was man in einer postapokalyptischen Welt falsch machen kann:
- sie denken gar nicht daran, die Großstadt zu verlassen, obwohl Ballungszentren in jedem Krisengebiet in dem Anarchie herrscht schnell zur Todesfalle werden
- sie werden von einem Theoretiker und Wissenschaftler, dem "Professor", angeführt, was ziemlicher Blödsinn ist, da in einer Endzeitwelt nur mit militärischer Effizienz oder archaisch-brutaler Psychose eine Überlebenschance besteht, Pazifisten sind in so einer Welt nur Opferlämmer
- sie nehmen eine Fremde völlig gedankenlos in ihrer Mitte auf, ohne auch nur die geringste Wachsamkeit walten zu lassen
- sie denken permanent über die Trennung voneinander nach und ziehen das im Laufe des Films auch durch, während in einer postapokalyptischen Welt nur zahlenmäßige Überlegenheit oder zumindest Teamgeist eine Überlebenschance bietet
- nur ganz am Anfang des Films sieht man sie auf einem kurzen Erkundungsgang zur Materialbeschaffung, den Rest über hat man das Gefühl, als würden sie seit Wochen/Monaten nur im Krankenhaus herumsitzen
- sie haben sich keinerlei Waffen zur Verteidigung gebaut, reden zwar von "Befestigungen", die bekommt man aber nie zu Gesicht
- der Zutritt zur bewohnten Etage ist nicht mal mit einem Fahrradschloss gesichert, es steht alles offen
- sie verfügen über einen Bogen mit ein paar lustigen grünen Pfeilen, die aber nie wieder eingesammelt werden
- es gibt keine Verteidigungsstrategie, obwohl schon vor dem Auftauchen der "Bösewichter" über die Wichtigkeit der Defensive philosophiert wird
- keiner von ihnen scheint über medizinische Kenntnisse zu verfügen, wenngleich das Krankenhaus relativ gut bestückt ist, trotzdem hat sich wohl nirgendwo ein medizinisches Lexikon o.ä. angefunden, obwohl sowas neben Waffen und Munition immer oberste Priorität hat
- sich selbst die Zähne mit einer Holzfeile spitz zu schleifen ist auch ein Brüller, mal davon abgesehen, dass das enorm schmerzen würde (dauerhaft, weil Schmelz weg), wären die Zähne nach ein paar Wochen durch Karies zerfressen und böten im spitzen Zustand auch keinerlei Vorteile beim Kannibalismus, Raubtiere haben generell nur 4 Fangzähne, der Rest ist zum Schneiden da
Die Liste könnte man sicherlich noch lange fortsetzen, aber das sollte erstmal genügen, um die Unlogik des Films offenzulegen. Trotzdem bietet der Streifen 90 Minuten blutige Unterhaltung und zeigt auf beeindruckende Weise, warum Nietzsche mit seiner "Might Makes Right"-Philosophie eben doch Recht hatte, denn erst, nach dem die Überlebenden ihre Waffen auch benutzen und strategisch vorgehen, wendet sich das Blatt. Der Film vermittelt trotz allem Trash eine ernste Botschaft, nämlich, dass sehr viele Menschen ohne Einschränkungen durch Staatsorgane oder eine stabile Gesellschaftsordnung sehr schnell in derart tiefe Abgründe sinken, die sie sich vorher selbst nicht hätten vorstellen können. Da braucht man gar nicht erst an die anarchistischen Zustände auf Sri Lanka nach dem Erdbeben oder die Wasserkriege in Afrika zu denken, ein Blick in manche deutsche Fußballstadien reicht völlig aus.
Ach ja, der Metal-Faktor. Die Bösewichter sehen irgendwie alle aus, als wären sie direkt auf dem letzten Wacken-Konzert gecastet worden. Das hat mir persönlich aber nichts ausgemacht und bietet eher einen hervorragenden Kontrast zu ihren pazifistischen Opfern.
Generell können Endzeitfans bedenkenlos zugreifen. Filme wie 28 Days/Weeks Later bieten aber ein realistischeres Umfeld, von den Zombies mal abgesehen, die aber im Grunde genommen auch nichts anderes als psychopatische Gangs sind.