Eines muß vorweg gesagt werden: Die Originalausgabe stammt von 1995, das Buch beschreibt also nur Tony Blairs weg bis an die Spitze der Labour Party, der Wahlkampf und seine ersten beiden Jahre als Premier sind nicht berücksichtigt. Aber das Buch bemüht sich ohnehin weniger um die minutiöse Darstellung einer Biographie vom ersten Atemzug bis heute, vielmehr geht es dem Autor darum, die Entwicklung von Blairs politischer Philosophie zu beschreiben. Blair, der der Mittelklasse entstammt und neben einer Privatschule auch die Universität Oxford besucht hat, ist nach seiner Studienzeit politisch aktiv geworden, als er bereits als Anwalt arbeitete. Aber in Oxford hatte er Menschen kennengelernt, die wie er eine Mischung aus christlichen Werten und Sozialismus zu einem kommunitaristischen Cocktail vermengten. Neben diesen Hintergründen erfährt man im Buch auch sehr viel über seine engen freundschaftlichen Beziehungen mit verschiedenen politischen Mitstreitern, die nicht erst seit seinem Amtsantritt eine Schlüsselrolle spielen - etwa Peter Mandelson oder Gordon Brown. Neben der Perspektive auf den politischen Werdegang Blairs liefert das Buch auch Hintergründe zur Philosophie des dritten Weges, die ja seit dem Schröder-Blair-Papier auch hierzulande in den Medien geführt wird. Und es zeigt sich, daß vieles nicht so leicht von den britischen Verhältnissen auf Deutschland zu übertragen ist und daß Labour Party und SPD auch nur entfernt vergleichbar sind. Das alles ist sehr gut lesbar zusammengefaßt, klar strukturiert und auch ohne große Vorkenntnisse über britische Politik zu verstehen. Sehr gelungen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)