Das Werk "Handbuch für Tonstudiotechnik" umfasst zwei Bände. Der erste Band beschäftigt sich mit Mikrofonierung, Lautsprechern, Aufnahmetechniken und Effektgeräten. Der zweite Band hat Hörfunktechnik, analoge und digitale Aufnahmetechnik und Messtechnik zum Inhalt.
Gemäß Klappentext handelt es sich um eine "Einführung in das Thema" für Interessierte. Es sind Profis, Musiker, Hifi-Fans und Fachhändler angesprochen. Da kommen einige Käufergruppen zusammen. Man bedenke allein wie viele Musiker heutzutage semi-professionelle Aufnahmen ihrer eigenen Musik machen. Wir wollen es jedoch gleich klar stellen: Die Zielgruppe ist viel, viel zu weit gefasst. In Wirklichkeit ist die genannte Publikation eindeutig an absolute Tontechnikenthusiasten oder gar Physiker gerichtet. Zu erklären ist die in Wirklichkeit sehr kleine Zielgruppe des Buches wohl durch die Historie der Entstehung. Diese Ballung von Spezialistentum hat sich aus einem Ringordner für gewisse Rundfunkmitarbeiter entwickelt. Damals 1977 gab es nur öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Und so ähnlich wirkt das Buch auch - trocken und etwas bürokratisch.
1. Achtung: Dies ist kein Praxisbuch für Musiker. Für Musiker sind zu viele Nebensächlichkeiten vorhanden. Einige wenige interessante Stellen zu grundsätzlichen Themen kann man entdecken. Es ist aber geradezu lachhaft, das Buch reinen Musikern ohne sehr tiefgehendes technisches Interesse als Einführung anzubieten.
2. Wenn Fachhändler oder Hifi-Fans das "Handbuch für Tonstudiotechnik" wirklich läsen, würden in Geschäften wohl kaum meist seltsame Ansichten über fast mythische Themen wie die Dicke von Lautsprecherkabeln geäußert, wenn von Stereoanlagen in kleinen Wohnzimmern die Rede ist. Die Veröffentlichung von Michael Dickreiter trägt nicht gerade dazu bei, derartige Fragen zu klären. Dafür werden die Themen zu komplex behandelt.
3. Mag sein, dass angehenden Toningenieuren dieses Werk ans Herz gelegt wird. Dadurch befindet es sich wohl bereits in der sechsten Auflage. Wir können uns jedoch auch didaktisch viel besser aufgebaute Lektüre vorstellen. Es fehlt die Lesbarkeit eines Lehrbuchs. Die Ausführungen sind für sehr begeisterte Toningenieure relevant, aber für Tonassistenten bereits deutlich zu hoch gegriffen.
Das Buch enttäuscht viele Käufer. Jedoch kommen wir aufgrund der detaillierten Beschreibungen des Themas, der akkuraten Fußnoten, des sachlichen Tons, der Strukturierung und der gesamten Aufmachung eindeutig zum Schluss, dass es sich hier um eine erstklassige wissenschaftliche Abhandlung handelt. Wäre das im Klappentext oder Vorwort klar gemacht worden, hätten wir eine ganz andere und sehr positive Bewertung gegeben.