Dass Bowie nach dem - ohnehin schon songwriterisch schwächelnden - Album ,Let's Dance' bereits 1 Jahr später das nächste Album veröffentlichte, ist sicher dem Druck seines damaligen Labels anzulasten, dass den Aufstieg vom Kult- zum Superstar kommerziell voll ausnützen wollte. Die Kuh sollte gemolken werden, solange Sie Milch gibt, und dass Bowie unter Druck nur mäßige songs gelangen, beweist Tonight. Offensichtlich aber war ihm das damals durchaus bewusst, was eine Erklärung dafür wäre, warum er hier zu großen Teilen auf Fremd- bzw. alte - für und mit Iggy Pop geschriebene - Eigenkompositionen zurückgriff.
,Tonight' wird erst in dieser aalglatten Bramble/Padgham Produktion als äußerst schwacher song demaskiert, denn auf dem von Bowie selbst produzierten Original von Iggy klingt das noch durchaus ansprechend; die gepresste Stimme von Tina Turner tut dann ihr übriges um das Lied vollends zu ruinieren, aber das Duett war offensichtlich auch so ein glorreicher Einfall des Labels. ,Neighborhood Threat' hingegen ist zwar glatter als bei Pop, rockt dafür aber als einziger Track auf diesem Album wirklich. Die von Pop komponierte und in Reggae gewandete Ballade ,Don't Look Down' ist zumindest stilsicher arrangiert und hat einen gewissen Charme. ,Tumble & Twirl' und ,Dancing with The Big Boys' hingegen sind Totalausfälle und gehören zu den langweiligsten songs die Bowie je aufgenommen hat - und Alomars Gitarre nervt bei letzterem extrem. Die zwei Klassiker ,I Keep Forgettin' und ,God Only Knows' werden opulent mit Bläsern bzw. Streichern in Szene gesetzt und verkitscht.
Bleiben noch die beiden Bowie solo Kompositionen ,Loving The Alien' und ,Blue Jean' und die sind nicht nur songwritersich die besten auf diesem Album, es sind auch jene die am besten produziert und arrangiert wurden. Zudem beweist vor allem ,Alien', dass Bowie auch in dieser Schreibkrise noch ab und zu zu Glanzleistungen fähig war (siehe auch die dem Album nachfolgenden singles ,This Is Not America', ,When The Wind Blows' und ,Absolute Beginners').
Das Klangbild ist für ein Bowie Album natürlich viel zu glattpoliert, man muß diesem Album aber zu Gute halten, dass es weit besser gealtert ist, als vieles andere aus dieser Zeit, und typischen 80er Jahre Soundmüll hört man nur durch das - gottseidank - hier selten eingesetzte elektronische Schlagzeug.
Knappe 3 Sterne für ein Album, das eigentlich eine patchwork Arbeit war, um das Label zufriedenzustellen, und weil wenigstens 4 der 9 songs gelungen sind; zudem ist ,Alien' ein echter Geniestreich.
Hätte man ihm mehr Zeit und einen anderen Produzenten gegeben und statt ,Tumble', ,Boys' und ,Tonight' die 3 darauffolgenden singles auf das Album gepackt, es hätte Let's Dance qualitativ um Längen schlagen können.