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Hört oder denkt man an e.s.t., fährt einem wie selbstverständlich der Name Svensson zuerst durch den Kopf und man sieht den Mann sich ins Piano versenken. Seltsam. Ja, denn waren doch seine Mitstreiter, Bassrocker Berglund und Drummer Öström, über knapp zwei Jahrzehnte hinweg fest verwachsener, aber ganauso solistisch mitbestimmender wie vorantreibender Bestandteil des blind miteinander könnenden Trios.
Svenssons tödlicher Unfall im Sommer 2008 stieß alles über den Haufen, was - vielleicht - mit dem letzten Album Leucocyte hätte anders werden können oder sollen. Leere. Ratlosigkeit. Nur die einzigen Vorstellung, man könne als Taurus II zusammen weiter machen, ohne je andere die schmerzlich klaffende Lücke "E" besetzen zu lassen. Ausgeschlossen. Herz auf dem Cover - herausgerissen ...
Zeiten ändern sich. Hintergründe sind mir nicht bekannt, warum das Sternzeichen Taurus II nicht funkelt. Vielleicht mal irgendwann doch? Egal im Moment. Blick nach vorn, auch wenn man zurück nichts vergisst.
Etwas Neues ist entstanden, mit Berglund vornweg an der elektonischen Effekt-Bass-Front. Etwas, das nicht nur in instrumentaler Besetzung über ein übliches Jazz-Trio, sondern ebenso über das eigentlich eh schon weit verzweigte Genre Jazz hinaus geht - ohne Vorbehalt bedient man sich queer durch die Genres - rückwärts wie vorwärts.
In der Besetzung finden sich neben Dan Berglund / double bass weiterhin
Johan Lindström / guitars, lap- and pedalsteel, piano
Martin Hederos / piano, pump organ, violin, keyboards, accordion
Andreas Werliin / drums, percussion
- alle aus den unterschiedlichsten musikalischen Ecken kommend, gestandene Musiker, die ihr Können in anderen schwedischen Bands erbrobt haben und ihr Fach seit langem bestens verstehen.
Berglund greift in die Kiste mit einigen seiner Lieblingtöne wie die von Radiohead, Röyksopp oder Wilco u. ä. - und wirft sie locker in die experimentier- und improvisationsfreudige Runde zwecks in jeder Hinsicht gemeinschaftlichen Arrangements. Im Grunde ist nur der Titel Sister Sad von ihm selbst. Wolverine Hoods entstand mit Hederos, Song for E und Cool Blooded Music mit Lindström, der auch alle übrigen Kompositionen beisteuerte. Im Zusammenspiel werden mit ungewöhnlichen, originellen Klangfarben, auf- und abschwellenden Harmonien und marmorierten Strukturen bunt schillernde Klangnetze in eine seltsam erscheinende Atmosphäre gewebt, in die man sich fallen lassen und in denen man sich schnell verfangen kann. Neues eben, das dem (e.s.t.-)Jazz-Gewohnten ein Stück Umdenken und Umfühlen abverlangen könnte. Abschied vom klassisch orientierten Piano halt - ein wunderbar nachgespürter Song bleibt nahe: Song for E.
Das Herz schlägt, in einem anderen Körper und unter einem anderen Geist. Seinen Schlag, den durch Aorta und Kapillaren gepumpten Blutstrom spürt man in jedem Stück - von sensibel, melancholisch dunkel, durchs Sphärische und Psychedelische driftend und bis zum lebensnahen und kraftvollen Pochen reichend.
Die Kritikergilde und Fangemeinde ist gespalten - besonders in Schweden. Mir hat die CD auf Anhieb gefallen und ich bin gespannt auf die hoffentlich weitere Entwicklung dieser Collaboration. Ausführliche Produktbeschreibung bei actmusic.com.