Produktinformation
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Die Live-Aufnahmen vom 30. Mai 1983 aus der Offenbacher Stadthalle sind nicht immer perfekt -- die Bühne ist größtenteils ziemlich dunkel ausgeleuchtet, und der Ton weist einige kleinere Schwankungen auf --, aber diese leichten Unsauberkeiten machen Land in Sicht nur noch authentischer und sympathischer. Rio Reiser besticht mit hundertprozentigem emotionalem Einsatz, und seine Hinterleute beweisen, dass die Scherben immer deutlich mehr waren, als eine Band mit Lagerfeuer-Protestsong-Flair. Da wird hart gerockt, satt gegroovt, und die originellen, komplexen Arrangements heben sich meilenweit von Politpunk-, Deutschrock- und NDW-Klischees ab.
106 Minuten lang wird schön erdig Vollgas gegeben, wobei sämtliche großen Hits wie "Der Traum ist aus", "Halt dich an deiner Liebe fest", "Mein Name ist Mensch", "Allein machen sie dich ein", "Keine Macht für niemand", "Wir müssen hier raus!" und natürlich der "Rauch-Haus-Song" in überzeugenden Versionen zum Zuge kommen. --Michael Rensen
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Er kann herzzerreissend die ersten Sekunden beim Intro gebückt vor sich hinjammern, ohrenbetäubend mit seiner verkratzten Stimme einen Presslufthammer vor Neid erblassen lassen, alles hat er intus, was nicht fehlen darf, ist die von den Fans so heiss umjubelte Soloeinlage am Piano. Virtuos fürwahr.
In gleichem Atemzug können wir uns auf der DVD, die übrigens gut gelungen ist, Interviewsequenzen zu Gemüte führen, die einen bei weitem anderen Rio Reiser zeigen, der nicht aggressiv um sich brüllt. Im Gegenteil sitzt er unrasiert vor einem Aschenbecher, raucht eine Zigarette nach der anderen, hält sich an dieser fest und philosophiert nachdenklich über Sinnhaftigkeiten wie Liebe und Reinkarnation, und das erstaunlich offenherzig, wenn auch nicht für jedermann verständlich.
In jener Sequenz, in der während eines Performances die dreisten Punks auf die Bühne stürmen, ist Rio Reiser wieder ein anderer - er wirkt friedensstiftend und lieb in seiner weissen Engelsrobe gepaart mit Hilflosigkeit, hört irgendwann mit dem Schlichtungsversuch auf und stimmt die nächste Nummer an, während auf der anderen Seite die Ranglereien weitergehen. Hier werden die Scherben bös beschimpft, ihre Musik mit Exkrementworten bestückt - wer hätte sich gedacht, dass es Menschen einer Subkultur geben könnte, die einen dekadenten Reiser zu wenig "hart" finden könnten...
Hier erleben wir unzählige Seiten des Showbiz, positive wie auch negative, wir erleben einen Rio Reiser, der nicht nur idealisiert und glorifiziert wird, wie es seit seinem Ableben geschieht. Auf der einen Seite Derwisch in roter Jacke, auf der anderen Seite sensibler Junge mit einem Hang zu depressiver Sentimentalität. Diese Mischung macht einen Rio Reiser unvergessen und unvergleichlich.
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