Sechs Jahre nach ihrem vorzüglichen BREAD AND CIRCUSES Album legen die Urgesteine des Jazz/Rock
ihr neues Studioalbum vor. Das Cover hat Witz. Zeigt es doch die Band durchweg im zarten Alter von 8 bis 10 Jahren.
In dieser kindlichen Besetzung waren sie sicherlich ganz schön nervig. Ein knappes halbes Jahrhundert weiter sieht die Sache da schon ganz anders aus.
TOMORROW'S BLUES so der Titel des neuen Werkes, läßt eine Bluesscheibe erwarten. Doch der Titel
hat mit dem musikalischen Inhalt nur bedingt etwas zu tun.
Lediglich die Coverversion des historischen IN THE HEAD OF THE NIGHT und NO DEMONS sind Blues in seiner reinsten Form mit jaulender Gitarre und Greenslade's fetter Hammond.
Quincy Jones IN THE HEAD OF THE NIGHT ist in der Version mit RAY CHARLES bisher unerreicht. COLOSSEUM`s dramatische Version ist dem guten RAY allerdings dicht auf den Fersen.
Der gleichnamige Titeltrack ist alles andere als klassischer Blues. Vielmehr sehr jazzig startet die
Band. Phantastisch groovend mit einer kräftigen Prise Swing und klassischem Hardbop Background..
Clem Clempson's Gitarre klingt feinsinnig wie lange nicht mehr. Sein Spiel erinnert teilweise stark an LARRY CARLTON.
Ganz anders erklingt seine Gitarre auf dem wunderbar soulrockigen HARD TIMES RISING. Kantig und derbe klingt hier seine Gibson.
Wie ein Chamäleon seine Farbe, wechselt Clempson noch mehrmals auf diesem Album seine Gitarren-Variationen.
ARENA IN THE SUN zum Beispiel ist vollgepackt mit Hardbop Versatzstücken in bester Wayne Shorter Manier. Das Piano Solo von Dave Greenslade swingt wie die Pest und braucht sich nicht vor solchen
Tasten-Ikonen wie HERBIE HANCOCK zu verstecken.ARENA IN THE SUN klingt ansatzweise wie eine relaxte Fortsetzung von Shorter's WITCH HUNT aus seinem grandiosen SPEAK NO EVIL Meisterwerk.
THIEF IN THE NIGHT zeigt Colosseum wie man sie seit Jahrzehnten kennt. Die Zeichen stehen eindeutig auf Rock bei diesem prächtigen Stück Musik. Die DAUGHTER OF TIME Zeiten erwachen zu neuem musikalischem Leben.
Clem Clempson's Gitarrensolo klingt wieder faszinierend locker und trotzdem sehr dynamisch.
TAKE THE DARK TIMES WITH THE SUN erinnert an COLOSSEUM's THEME FROM AN IMAGINARY WESTERN Zeiten Ende der 60er Jahre. Sehr schön anzuhören die zusätzlichen Bläsersätze
mit STEVE SIDWELL,SIMON GARDNER und CHRIS WHITE. Ein sehr melodischer Song.
Chris Farlowe's Stimme klingt frisch und voluminös als wäre die Zeit stehengeblieben.
Und auch Pete Brown ist als Texter wieder mit von der Partie.
THE NET MAN läßt es wieder jazzig angehen. Das feine Instrumental aus der Feder von DAVE GREENSLADE überzeugt mit tollen Hammond,Gitarren und Saxophonklängen. DICK HECKSTALL SMITH hat wharscheinlich wieder zwei Saxophone gleichzeitig im Mundwinkel.Eine gelungene Mixtur aus WEATHER REPORT und PASSPORT.
ROCK'N ROLL mit Blues in 60er Jahre Verpackung. Das ist der LEISURE COMPLEX BLUES. Übrigends neben den Instrumentals der einzige Song den nicht CHRIS FARLOW singt. Basser MARK CLARKE macht seine Sache auch nicht schlecht. Mit diesem Song entfernen sich COLOSSEUM meilenweit von ihren gewohnten Standards. Das spricht für die Vielseitigkeit dieser Band.
JON HISEMAN's Schlagzeugspiel ist wie gewohnt erstklassig.
TOMORROW's BLUES zeigt COLOSSEUM von seiner bisher jazzigsten Seite. Mit den dazu eingestreuten Rock-und Blues-Versatzstücken entstand ein äußerst abwechslungsreiches Album auf hohem musikalischen Niveau.
Klang und Produktion sind erstklassig wie das ganze Album.