Jedenfalls scheint es bei den Eels auf ihrem dritten Album in etwas mehr als einem Jahr Programm zu sein. Wobei es schon schwer fällt die Eels noch als Band zu betrachten, wo es sich doch allgemein um den Output von Mark Oliver Everett aka E handelt.
Nach dem ziellosen Umherstreifen als Wolfmensch auf Hombre Lobo und den zur musikalischen Verzweiflungstat verdichteten Endzeiten, wendet sich für den Macher der Eels schließlich wieder alles zum Guten. Fast mag man dem Frieden nicht trauen. Wie lange mag dieses Hochgefühl wohl anhalten ? E sagt, er habe Tomorrow Morning bewusst als Titel gewählt, um ein deutliches Signal zu setzen: auch nach all dem Elend des davor gibt es ein Morgen, ja mehr noch, dieses Morgen fängt auch mit dem (frühen?) Morgen an.
E wird sogar fast übermütig, denn der erste Titel ist einfach ein kurzes, vor Synthesizergeräuschen vibrirendes Stück, das schon den Tag vor dem Abend lobt (was man bekanntermassen nicht tun sollte...): In Gratitude For This Magnificent Day.
Ein elektronisches Album wollte er machen und demonstrieren, dass man positive Stimmung und wieder entdeckte Lebensfreude auch mit kalter Elektronik darstellen kann. So wurde Everett jedenfalls vor der Veröffentlichung von Tomorrow Morning zitiert.
Im ersten richtigen Song, I'm A Hummingbird, kommt dieses Konzept zunächst nicht zum Tragen. Orchestermusik begleitet E, der uns wohl sagen möchte, dass alles letztendlich irgendwie Sinn bekommt, wenn es da heisst:
all the seconds and the minutes
and the hours and the days
and the weeks and the months
and the years of my life
it was all worth it
to be here now
Dann wird die Musik tatsächlich elektronisch. The Morning, Baby Loves Me und Spectacular Girl sind mit Synthesizern arrangierte Songs, aber von unterschiedlicher Stimmung. Hört man diese drei Lieder nacheinander an, kann man erkennen, was auch mit solchen Stilmitteln möglich ist. Das finde ich absolut interessant.
What I Have To Offer ist dann der erste Song, in dem auch mal eine Gitarre vorkommt und dabei ein wenig an Railroad Man erinnert. This Is Where It Gets Good verbindet dann wieder elektronische Beats mit Streichern und Synthieklängen. After The Earthquake folgt als das zweite Instrumental, das auch schon auf das Blinking Lights...Album gepasst hätte. Oh So Lonely wiegt sich im 3/4tel Takt und gleich wieder der Kontrast, wenn Drums und Bass dominierend das nächste Lied, The Man, eröffnen, in dessen Verlauf auch wieder elektronische Klänge und Glockenspiel zum Einsatz kommen.
Sogar zum Gospel lässt E sich auf Looking Up hinreissen. Die nach meinem Eindruck schönsten Lieder kommen zum Schluss: That's Not The Way mit Orgelklängen instrumentiert, das herrliche, nur mit Akustikgitarre und Bass begleitete I Like The Way This Is Going und last but not least erklärt uns E im letzten Song dieses Albums sein Mystery Of Life.
Ich war nach der Ankündigung, dass auf Hombre Lobo und End Times als Abschluss dieser Phase ein elektronisches Album folgen sollte, zunächst etwas skeptisch. Aber nach mehren Tagen mit diesem Album, komme ich zu dem Schluss, dass die Eels hier einen eingeschlagenen Weg konsequent zu Ende gehen.
Wenn man etwas kritisieren wollte, dann, dass einiges auf dieser Platte wohl bekannt vorzukommen scheint. Viele Soundeffekte sind schon verwendet worden, hier lugt ein bisschen Susan's House durch, dort mal ein Stückchen Cancer For The Cure oder Teile aus Blinking Lights And Other Revelations.
Insgesamt ein abwechslungsreiches Album mit philosophischen Texten, das mich bis jetzt kein Stück gelangweilt hat. Nachdem ich mir alle drei CDs im Zusammenhang durchgehört habe, bin ich gespannt, wie die Entwicklung weiter geht und was uns noch alles erwarten wird, mit Mark Oliver Everett und seinen Eels.
Wer auf diesem Album die Gitarrenklänge doch zu sehr vermissen sollte, dem empfehle ich diese Limited Edition. Auf der Bonus EP bekommt man vier weitere Songs, die auf die Elektronik des eigentlichen Albums ganz verzichten: 1.Swimming Lesson, 2.St.Elisabeth Story, 3.Let's Ruin Julie's Birthday und 4.For You.