Neuland konnte man mit Scores für Western seit Ende der 70er nicht mehr betreten. Der Treck von Komponisten, die das Thema meist mehrfach beackert haben, vor allem Bernstein und Fielding, hat den Pfad schlammig und kaum begehbar gemacht. Im Grunde kann man nur variieren, was die verstorbenen Meister vorexerziert haben. Doch kann man es auf höchstem Niveau tun oder wie Lennie Niehaus. Bruce Broughton jedenfalls hat damals erneut (nach dem eher verspielten "Silverado" und einigen TV-Arbeiten im Americana-Modus) bewiesen, dass man mit feiner Orchestration, großartigen melodischen Eingebungen und dem Verzicht auf allzuviel Westernhaftigkeit den vielleicht besten Western-Score seit 1980 basteln kann. Zum einen verzichtet er auf das allzu typische Musikvokabular und Instrumente, die man bei einem solchen Stoff vermutet. Zum anderen nimmt er sich den Jerry Goldsmith der 60er zum Vorbild (dem er übrigens im Booklet dankt). Stellenweise ist er sehr zupackend, roh fast, wenn die "bösen Cowboys" musikalisch begleitet werden. Zuweilen tönt es wie Neue Musik für den Konzertsaal. Aber keine Bange, "Tombstone" wird durch zwei großartige Themen getragen, wobei das Familienthema erst im über achtminütigen End Title vollends ausformuliert wird. Dieses letzte Stück dürfte zu den besten von Bruce Broughton gehören, vielleicht ist es einer der besten End Credits überhaupt - sogar ein Wiener Walzer konnte er einbauen. Ein paar Längen gibt es trotzdem, vor allem in den Siebenminütern (sich dehnende Spannungsmusik, die ohne besonderen Glanz ist), das gibt Punktabzug. Leute wie Marco Beltrami, die heutzutage engagiert werden, sollten sich an BB oder dem frühen JG orientieren, dann käme Erbaulicheres zustande. Warum BB kaum noch engagiert wird, bleibt das sahnige Geheimnis der Hollywood-Idiotie.