Aus der Amazon.de Redaktion
Natürlich ist auch Simon Wests Lara Croft: Tomb Raider, die Kinoversion des berühmten Videogames, kein interaktiver Film. Doch das vergisst man sehr schnell. Denn Simon West und seinen Drehbuchautoren ist es gelungen, klassische Spielsituationen in atemberaubende Action- und Special-Effects-Sequenzen zu verwandeln, die alleine schon den Verlust des Interaktiven aufwiegen. Man fiebert einfach so mit der Archäologin und Grabräuberin Lara Croft mit (Angelina Jolie), dass man fast das Gefühl hat, ihre Geschicke mit dem Joystick selbst zu beeinflussen. Die Geschichte von Tomb Raider ist zwar äußerst simpel -- Lara muss verhindern, dass der Geheimbund der Illuminaten in den Besitz des Dreiecks des Lichts kommt, mit dessen Hilfe der Mensch bei einer bestimmten Konstellation der Planeten unseres Sonnensystems die Zeit beherrschen kann --, aber gerade in dieser Einfachheit liegt seine eigentliche Stärke.
Wie die alten Serials und Abenteuerfilme der 30er- und 40er-Jahre, deren Zauber schon Steven Spielberg zu seinen Indiana Jones-Geschichten inspiriert hat, ist auch Simon Wests Videogame-Adaption reines Kino, schnell, aufregend und in den entscheidenden Momenten melodramatisch. Auch wenn die Tricks heute fast alle aus dem Computer kommen, besitzen die großen Action-Momente des Films eine Unschuld und eine Magie, die Hollywood eigentlich nur in seiner golden Zeit besaß, als das Abenteuer-Kino noch wilden Kinderträumen glich.
Mit Angelina Jolie hat Tomb Raider zudem noch die ideale Lara-Croft-Darstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin kann hier ihre wilde Seite ausleben. Lara Croft mag von Geburt eine "Lady" -- eine englische Aristokratin -- sein, in ihrem Herzen ist sie eine wahre Abenteuerin, die sich nur in der Gefahr wohlfühlt. Wenn sie in Aktion ist, scheint Angelina Jolie vor Energie fast zu zerbersten. Wie sie läuft, kämpft und schießt, davon könnten die meisten männlichen Actionstars noch einiges lernen. Und in den Szenen mit ihrem Vater John Voight, der Laras zu früh verstorbenen Vater Lord Croft spielt, verleiht sie der Grabräuberin die tragische Dimension, die aus der Action-Heroine erst eine wahre Heldin macht. --Sascha Westphal
Video Jakob Kurzinhalt
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Es sieht ganz nach einem Spruce-Encoding aus, das in diesem Fall nicht alle Möglichkeiten einer optimalen Ausnutzung des MPEG-Codierens ausnutzt. Ein Sony-Board hätte hier mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr herausgeholt, sogar bei gleicher Datenrate. Akustisch sollte der obere Bass um 100hz herum für die Verkaufsfassung deutlich abgesenkt werden. Eine spürbar bessere Räumlichkeit wäre der Dank. Die Verleihversion bietet aber auch einen erstaunlich fruchtbaren Audiokommentar des Regisseurs Simon West an, der - ungewöhnlich und teuer für ein Independentlabel - sogar Deutsch untertitelbar ist (optional). Beim skippen wird noch eine englische Untertitelspur angeboten, die allerdings textlos ist. Die bloße Angabe der Tonformate kann den Laien etwas verwirren. Im Menü sollte man ruhig Zusätze wie Surround oder Multikanal verwenden. Oder sagt Ihnen DTMF-Nachwahl an ihrem Telefon etwas?
Bild: Die etwas knapp bemessene Datenrate von durchschnittlich unter 5 MBit/S sorgt für einen permanenten, wenn auch leichten Mattscheibeneffekt, der wie Staub auf dem sichtbaren Bereich liegt und sanft ruckelt. Dies wird vor allem in den Szenen sichtbar, in denen Nebel umherwabert (00.03.28, 01.05.20). Und davon gibt es jede Menge (warum auch immer es in Filmtempeln Nebel geben muß...). Der mageren Datenrate muß man es auch anlasten, wenn Laras hübsches Gesichtskonturen in Bewegungen aufweichen. Die "figurbetonten" Hüllen sind farblich wohlgesättigt, werden aber ein wenig durch die etwas zu hoch gewählte Grundhelligkeit überstrahlt. Der Kontrastumfang zeigt innerhalb der vielen Tempelszenen noch gute Konturenschatten, mal abgesehen von Aufnahmen im Inneren, mit Gegenlichtblick nach Außen. Da sehen natürlich alle Darsteller aus, wie 4 Wochen alte Bananen. Für eine DVD ist das Erbegnis gut, für einen hochaktuellen Film, der optimal gelagert wurde, könnten die Bildwerte aber ein wenig höher liegen. Sicher hat die Speicherplatzberechnung die knappe Datenrate vorgegeben, aber man hätte durchaus auch auf eine oder gar beide DD 2.0-Spuren verzichten können. Das hätte vielleicht ausreichend mehr Daten freigegeben, um die Bilder von den Kompressionsrückständen zu befreien. Schließlich kann man 5.1-Ton auch als heruntergerechneten 2.0-Ton angemessen hören. Die Decodierchips an Bord des Player sind dazu nämlich längst in der Lage, dies störungsfrei zu bewältigen.
Ton: Wer die fabelhafte US-DVD gehört hat, wird sich wundernd die Ohren reiben. Hier hat Meister Tonmischer es mit dem Bass etwas zu gut gemeint. Der actionbetonte Film bietet eine Reihe interessanter, sehr tieffrequenter Gelegenheiten, doch die Dominanz des Basslevels von mehr als 3dB zwischen 60 und 100 hz führt zu einem wüsten allzeit anwesendem Gedröhne, das nahezu jeden Ansatz von Raumeffekten unhörbar werden läßt. So bietet die wilde Schießerei selbst auf der (kaum dröhnenden) Videocassette klar ortbare Links/Rechts-Effekte im vorderen Stereobereich, die auf der DVD nur mit Konzentration stereophon wahrnehmbar werden. Nach einer Abregelung um 4dB entstand tatsächlich ein besseres Raumgefüge, allerdings aufkosten des sonst vorhandenen Bassfundaments. Schade, daß man dies entweder beim Check nicht bemerkt hat, oder, was allerdings schlimm wäre, gewollt so betrieben hat. Die Stimmwiedergabe leidet obendrein auch ein wenig in seiner Verständlichkeit, die deutschen Spuren hier mehr, als die kraftvolleren Stimmen der englischen Fassungen. Die DTS-Variante kann leichte Vorteile für sich einfahren, wenn es um die exakte Platzierung von Effekten in den rückwärtigen Kanälen geht. Hier sind die so genannten Split-Effects einen Tick klarer zu hören und zuzuordnen. --movieman.de
VideoMarkt
Video.de
Blickpunkt:
Machoactionspezialist Simon West ('Con Air', 'Wehrlos - Die Tochter des Generals') hatte das Vergnügen, mit einem Drehbuch zu arbeiten, zu dem insgesamt elf Autoren beigetragen haben sollen. Ihre kombinierte Schlagkraft ergab eine traditionelle Gut-gegen-Böse-Story, die erwartungsgemäße Elemente wie Machtgier, Mord, Mythologie, Konspiration und Weltuntergang aufreiht und sie an exotischen Schauplätzen rund um den Globus geschehen lässt. Dabei geht es in bester Game-Tradition vor allem darum, eine möglichst aufregende Actionsequenz auf die nächste folgen zu lassen, ohne besonders viel Wert auf Charakterzeichnung oder -motivation zu legen. Wenn der Titelheld aber wie Jolie mit der entsprechenden Oberweite ausgestattet wird, ist dies wohl auch nicht von Nöten. Als problematischer erweist sich die Entscheidung, so viel Powerfrau keinen adäquaten (menschlichen) Opponenten gegenüberzustellen: Die Spannung befindet sich allzu oft in einem ähnlich luft- und lebensleeren Raum wie auch die Rudimente, die West als Geschichte gestaltet hat. Die Schauwerte beschränken sich somit auf Actionakrobatik und Ansehnlichkeit der unverwüstlichen Protagonistin, die atemberaubenden Locations und das aufwändige Produktionsdesign.
Gleich zu Beginn wird Lady Lara Croft, bekleidet in ihrer Trademark-Uniform - hautenges Tanktop, superkurze Shorts und doppelseitiges Hüftholster - als agil-athletische Kampfmaschine eingeführt, die zum Training im Handumdrehen einen gigantischen Killerroboter außer Gefecht setzt. Willkommen im Hightech-Palast der Crofts, wo Lara unter den Treppen eine von ihrem verstorbenen Vater (Jolies tatsächlicher Daddy Jon Voight) versteckte Uhr entdeckt. Darin befindet sich ein 'allsehendes Auge', mit dem zwei Hälften einer geheimnisvollen, dreieckigen Tafel in Besitz genommen werden können. Die beiden Hälften wurden an entfernten Punkten der Erde versteckt - in den traumhaften Tempelruinen in Angkor Wat und einer Eishöhle in der Antarktis: Wenn sie zum Zeitpunkt der alle 5000 Jahre stattfindenden Planetenübereinstimmung wieder zusammengefügt werden, verleihen sie Kontrolle über die Zeit. Auf diesen beeindruckenden Hokuspokus hat es der Geheimorden der Illuminaten abgesehen. In ihrem Auftrag agieren der unangenehme Anwalt Powell (Iain Glenn) und Laras Kollege, Erzrivale und angedeuteter Love Interest Alex West (Daniel Graf).
Das erste große Shootout vollzieht sich in Laras weitläufigen Eingangsfoyer, wo sie an Bungeeseilen befestigt, ästhestische Luftgymnastik hinlegt, die in einen Peking-Oper-inspirierten Seilakt mündet, mit dem sie einen ganzen Trupp Bösewichte lahmlegt. In den wunderschönen, aber nicht allzu aufregend von West gefilmten Tempelruinen von Angkor Wat kämpft Lara gegen eine zehn Meter hohe achtarmige Götterfigur, die Ray Harryhausen vor 40 Jahren nicht hätte schöner animieren können, und ebenfalls zum Leben erwachte Steinaffen, die dem 'Zauberer von Oz' entflogen sein könnten. Der Showdown findet schließlich vor einem uhrwerkartigen Riesenmodell des Universums statt, wo Lara Gelegenheit geboten wird, ihre Faustkampffähigkeiten unter Beweis zu stellen. Jolie macht bei den zum Großteil von ihr selbst durchgeführten Stunts eine mehr als gute Figur. Besonders diese wird denn auch von West stets ins rechte Licht gerückt, so dass sie für maximale visuelle Wirkung selbst in bitterster Kälte leichtgeschürzt herumturnt. Akustisch unterlegt wird die Kick-Ass-Östro-Action mit einem beständig dudelnden und nicht immer elegant eingesetzten Elektronika-Soundtrack, zu dem die Chemical Brothers, U2 und Nine Inch Nails Songs besteuerten. Aber Eleganz, Stil oder womöglich gar Sinn und Verstand sucht man vergebens in diesem seelenlosen, aber sehr funktionalen Unterfangen. Laras Song heißt Kommerz, und alles andere wurde diesem Bestreben untergeordnet. ara.