Sammy Barlach, der Ich-Erzähler des Buches, ist eigentlich ein netter Kerl, der nur Freunde sucht und seinen Platz im Leben. Doch mit einem Gesicht, das nicht nur jedem Polizisten, sondern auch jedem Supermarktverkäufer signalisiert, dieser Typ müsse auf Ärger aus sein, hat Sammy es nicht leicht. Dazu kommt eine Vorliebe für Alkohol und andere Drogen, und so ist es nicht verwunderlich, dass der Leser ihn bei einem Einbruchsversuch kennenlernt, zu dem ihn neue "Freunde" überredet haben. Die Freunde sind schnell verschwunden, aber Sammy zieht den Einbruch dickköpfig durch, bis er im Haus Jamalee und Jason begegnet, die er für die Hausbesitzer hält.
Doch Jamalee mit den tomatenroten Haaren aus dem Buchtitel und Jason, der "hübscheste Mensch in der Stadt", sind selbst Einbrecher. Sie halten sich in leerstehenden Häusern auf, wenn deren wohlhabende Besitzer verreist sind, um für das bessere Leben zu üben, dass sie zumindest nach Jamalees Überzeugung erwartet. Jamalee träumt nicht nur, sie hat auch einen Plan, der auf dem Aussehen ihres erst 17jährigen Bruders beruht. Jason soll den schönen Damen der Gesellschaft zur Verfügung stehen, um diese daraufhin durch Jamalee und den als Leibwächter rekrutierten Sammy zu erpressen. Der erste Versuch in diese Richtung geht gründlich daneben, nicht nur wegen Jasons Unerfahrenheit, sondern auch wegen dessen Interesse nicht nur am weiblichen Geschlecht, doch Jamalee lässt sich nicht beirren. Dann jedoch geschieht etwas, was die Ausführung des Plans unmöglich macht und die Protagonisten des Buches zunächst in tiefe Depression fallen lässt und schließlich in Gewissenskonflikte bringt. Wieder ist es Jamalee, die sich als erste daraus befreien kann, wobei erst jetzt klar wird, was sie auf ihrem Weg zu einem besseren Leben bereit ist, zu opfern.
"Tomato Red" war nach "The Death Of Sweet Mister" (bisher nicht auf Deutsch erschienen) mein zweites Buch von Daniel Woodrell. Wieder geht es um Menschen am Rande der Gesellschaft, die ab Geburt dazu verurteilt zu sein scheinen, nie mehr als einen halben Fuß auf den Boden zu bekommen. Nachdem ich "The Death Of Sweet Mister" auf Englisch gelesen habe, war ich skeptisch, wie Slang und Ausdrucksweise der amerikanischen Unterschicht sich ins Deutsche übersetzen lassen. Überraschend gut, muss ich sagen, wenn auch einiges an Fremdheit sicherlich in der Übersetzung verloren gegangen ist. Die Düsternis und Hoffnungslosigkeit im Leben von Sammy, Jamalee und Jason, die so verzweifelt versuchen, ihre Lebensumstände zu verbessern jedenfalls, kann auch im englischen Original nicht eindringlicher geschildert werden.