Lisa lebt alleine in Frankfurt; alleine mit ihrem Leben, ihrer Arbeit und ' ihren Ängsten. Sie leidet unter einer multiplen Angsterkrankung, die ihr den Alltag erschwert bis zu dem Punkt, wo es für sie fast unmöglich wird, ein normales gesellschaftliches Leben zu führen. Von leichten Befindlichkeitsstörungen und Zwängen über Hypochondrien und psychosomatische Notfälle bis hin zur extremen Zwangserkrankung und multiplen Angstzuständen entwickelt sich ihr Leiden im Verlauf des Buches, bis sie zum Schluss ein Ventil findet, welches einen Lichtstreif am Horizont bedeuten könnte.
Die Autorin beschreibt in ihrem Erstlingswerk sehr eindrucksvoll die typischen Empfindungen einer Person, die durch Ängste, Zwänge und Depressionen gebeutelt wird. In Tagebuchform zeichnet Lisa minutiös ihre Lebenssituation, Gedanken und Angstmomente auf. Die Beschreibungen des Letztgenannten scheinen dabei sehr authentisch und spiegeln gut die Denkstrukturen und Verhaltensmechanismen innerhalb einer Angsterkrankung wider. Das Erlebte erscheint dem Leser so bildlich und nachvollziehbar, dass andere Angstbetroffene sich durchaus darin wiedererkennen können.
Die Schwierigkeit, sein Leid so mitzuteilen, dass es verstanden wird, (Betroffene wissen oftmals selbst nicht, was mit ihnen los ist, wie sollen sie es da verständlich machen?) und die daraus erfolgenden typischen Therapieodysseen werden ebenfalls in diesem Buch sehr deutlich.
Das Buch ist keineswegs in einer frustrierenden Stimmung gehalten, wenngleich die Lektüre das Thema sehr ernst angeht, was ja auch gut so ist. Mit einer gewissen Portion Galgenhumor allerdings versteht es Lisa, ihrem Schicksal immer noch lebensbejahend entgegen zu sehen. Es ist weder ein psychologisches Fachbuch, noch ein Ratgeber, als vielmehr eine Momentaufnahme einer betroffenen Person, die deswegen so wertvoll ist, weil sie die Problematik aus einem realen Patientenerleben und nicht aus der Sicht eines Fachmannes beschreibt. Dies geht auch aus dem Schreibstil, welcher die Zerfahrenheit der Gedanken manchmal widerspiegelt, hervor; aber nicht in negativer Form. Im Gegenteil, er unterstützt die Glaubwürdigkeit des Textes.
Fazit: Eine Lektüre, die ich allen empfehlen kann, die das Thema aus dieser Sicht interessiert und jenen, die vielleicht selbst Betroffene sind und sich einmal die Empfindungen ihrer Leidensgenossin zu Gemüte führen wollen.