Herzlichen Glückwunsch Sean Paul, du bist endgültig im Mainstream-Pool angekommen. Ich hatte trotz der letzten Features und Veröffentlichungen noch die Hoffnung, dass sich ein Künstler wie er wenigstens halbwegs treu bleibt und sich dem Einheitsbrei entzieht, zu mal ich mit "Got 2 Luv U" noch recht gut leben konnte. Es ist beileibe nicht so, dass ich Musik schlecht finde, nur weil sie massenkompatibel ist. Für mich schließen sich Mainstream und Qualität auf keinen Fall aus. Allerdings musste ich beim Hören dieses Albums mehrmals überlegen, wessen Werk meine Ohren eigentlich gerade beschallen. Pitbull? Taio Cruz? Flo Rida? Snoop Dogg? Usher? Oder war es doch Sean Paul, der ehemalig großartige Dancehall-Künstler, der genau damit immer eine Lücke füllte, die der breiten Öffentlichkeit meist verwehrt blieb? Um es abzukürzen: Wenn nicht Sean Paul auf dem Cover gestanden hätte, hätte ich die Frage nicht beantworten können. Diese CD hört sich nämlich von Anfang bis Ende an wie mittlerweile jedes zweite Lied, welches in den Clubs gespielt wird. Einheitsbeats, Autotune und Gute-Laune-Lyrics sorgen bei mir nach 5 Minuten für eine Reizüberflutung des Ohres. Erfolgreich mag es sein, das bestätigen ja auch die aktuellen Chart-Positionen der Singles.
Für meinen Geschmack fehlt diesem Album aber jegliche Einzigartigkeit und Klasse - von Abwechselung ganz zu schweigen. Ich möchte niemande zu nahe treten, aber ich verbinde mit dieser Musik in erster Linie ein Zielgruppe unter 20 Jahren, die diese Musik bei ihren ersten Disco-Besuchen hört und dabei denkt, sie sei der Nabel der Welt. Fast schon verwunderlich, dass die Feature-Liste so dünn besetzt ist - ein paar Kollaborationen mit den oben genannten Protagonisten - allen voran natürlich David Guetta - hätten die Massentauglichkeit doch sicher noch gesteigert.
So bleibt also ein Werk, an das sich in 2 Jahren vermutlich niemand mehr erinnern wird. Schade, Sean Paul.