Ich wollte völlig neu in die Welt der Navis einsteigen. Da in Zukunft doch die eine oder andere längere Strecke ansteht, machte das Sinn. Also hab ich mich umgeschaut, Rezensionen gelesen, Testberichte durchgestöbert usw.
Kaum ein anderes Feld in der Elektronik ist so umstritten und unterschiedlich rezensiert wie die Navis (insbesondere hier bei Amazon).
Zunächst bin ich beim Navigon 40 Easy hängengeblieben. Die grafische Darstellung gefällt mir auch immer noch besser als die der TomToms. Aber nach gehäuften Meinungen zum Thema schlechter Support und hohe Ausfallquote habe ich mich dann für den Marktführer entschieden.
Meine Kriterien waren:
- preiswert
- nicht unbedingt das kleinste Display
- Fahrspurassistent
- leichte und intuitive Bedienung
Ich hatte mehrere Navis in Elektronik-Märkten selbst begrabbelt und das hatte meinen Entschluss, TomTom zu nehmen, noch bekräftigt. Die Eingaben sind sehr sauber und direkt. Bei den Navigons haut man schonmal aus Versehen in die falsche Zeile, wenn man z.B. eine Stadt auswählen möchte. Ich bin wahrlich kein Grobmotoriker und hab auch Erfahrung mit diversen Touchscreen-Geräten wie Handys und PDAs (vielleicht war das Navigon vor Ort auch schon runtergedaddelt?).
Speziell das Start XL ist es aus mehreren Gründen geworden: Zum einen hat es das mittelgroße Display mit 4,3 Zoll. Den Unterschied zu 3,5 Zoll sieht man deutlich! Und selbst 4,3 Zoll ist nicht die Offenbarung (zumindest, wenn man schon einmal ein fest eingebautes Navi gesehen hat), aber doch nicht ganz so winzig. Der Preis war auch attraktiv und die durchschnittliche Bewertung hier bei Amazon von 4,5 Sternen muss ein Navi erstmal erhalten bei den Kritikern, die hier so rumschwirren.
Erfahrungsbericht:
Lieferumfang:
- TomTom Start XL
- USB-Kabel für den PC
- Kabel für den Zigarettenanzünder
- Mini-Anleitung
- Saugnapf-Befestigung (ab Werk bereits am Gerät aufgesteckt)
Design:
Das Start XL kommt in einem schnörkellosen, klassischen Schwarz daher und überzeugt durch eine relativ schlanke Form und wenig Gewicht. Der On/Off-Schalter ist die einzige Hardware-Taste am Gerät. Diese ist oben rechts auf dem Rand angebracht und fügt sich nahtlos in das Design ein. Hinten befindet sich der Speaker für die Ansagen. Dieser ist m.E. erstaunlich groß. Das macht sich dann auch direkt bemerkbar. Die Sprachausgabe ist selbst auf 100% Lautstärke immer noch klar und deutlich. Da scheppert und klirrt nichts. Hinter dem Lautsprecher befindet sich die Halterung mit dem Saugnapf für die Scheibe. Zusammengeklappt verdeckt diese Scheibe den Speaker, da man das Navi in diesem Zustand eh meist nicht nutzt. Da hat einer mitgedacht.
Display und Bedienung:
Das Display ist nicht kapazitiv, reagiert dafür aber erstaunlich direkt. Fehleingaben sind die Ausnahme und Befehle werden ohne großen Kraftaufwand umgesetzt. So sollte es sein. Der Ablesewinkel ist nicht besonders großzügig. Ist aber bei einem Navi m.E. auch egal, da man es eh so installiert, dass man direkt und gerade draufschauen kann. Ich konnte es heute gleich bei gleisendem Sonnenschein testen und war doch positiv überrascht, wie gut es ablesbar war. Klar, ein wenig undeutlicher wird das Display dabei schon, aber man erkennt noch alles Wesentliche. Die Symbole sind großzügig dimensioniert, mich erschlagen sie schon fast.
Firmware:
Alles drin, alles dran. Es wirkt wie aus einem Guss. Alle Funktionen sind relativ schnell erreichbar. Kleines Manko: Die Routenplanung vom vordefinierten Heimatpunkt ist im Hauptmenü auf Seite eins, die Routenplanung zwischen zwei zu wählenden Zielen aber erst auf der zweiten Seite. Wieso?!? Die hätte direkt daneben hingehört. Ein wenig schade ist auch, dass man in den Menüs immer nur die Möglichkeit hat, eine Seite vorzublättern. Ein kleiner Pfeil links unten hätte sicher den Programmierern nicht wehgetan, den Autofahrern aber gut. So muss man sich in den Einstellungen schon mal durch alle sechs Seiten blättern, um wieder an den Anfang zu kommen. Bei bestimmten Einstellungen kommt es auch vor, dass man nach dem Anwählen eines Punktes automatisch wieder auf der Karte landet (z.B. beim Ein-/Ausschalten des Fahrspurassistenten). Warum? Vielleicht wollte ich in den Optionen noch mehr einstellen? Was mir nicht so richtig gefällt, sind die vorinstallierten Farbschemata. Bei den meisten ist die Fahrtroute rot. Ich weiß, das ist Kümmelspalterei. Aber hey, Rot ist nunmal eine Signalfarbe und suggeriert mir immer irgendwie unbewusst, dass ich falsch fahre oder irgendwas nicht richtig ist. Daher bevorzuge ich einfach grün. Außerdem könnten die Farbschemata in sich auch ein wenig deutlicher differenziert sein. Manche wirken recht einheitlich, ich möchte aber auf den ersten Blick erkennen können, was genau die Route ist und was nebensächlich. Die Farben für den Nachtmodus sind zwar nur vier verschiedene, aber deutlich unterschiedlich. Eines emfand ich als zu dezent, zwei als zu knallig (Neon-grün wie auf einem James Bond-Radar) und eines hat mir spontan gefallen. Für alle Zweifler, die ihre Farben auch gerne perfekt haben wollen: Man kann sich Unmengen weitere Farbschemata per Software aus dem Internet nachrüsten, kostenlos!
Navigation:
Die geht zuverlässig. Nach dem ersten Einschalten dauert es mehrere Minuten, bis die Satelliten gefunden sind. Aber danach ist das Signal sofort nach dem Einschalten da und das Navi bereit. Insgesamt ist es wirklich schnell. Sowohl die Routenberechnung, als auch die Reaktionszeiten im Menü gehen relativ zügig von der Hand. Ich meine hier keine Instant-Berechnungen und natürlich ist die Berechnungsdauer auch von der Strecke abhängig. Aber eine Route von über 500km dauerte ziemlich genau 30 Sekunden. Wer hat bei einer solchen Strecke nicht so viel Zeit?!? Die Menübedienung hakt geringfügig nach, wird aber doch immer ausgeführt und vor allem trifft man auch das, was man antippt. Man hat die Wahl zwischen verschiedenen Routenoptionen (schnellste, kürzeste, ohne Autobahn, als Fußgänger, Radfahrer, usw.). Alternativrouten werden sehr schnell berechnet (innerhalb von etwa 5 Sekunden). Ich konnte das testen, indem ich absichtlich falsch gefahren bin. Das Kartenmaterial scheint aber trotz des Updates, welches ich gleich heute gemacht habe, nicht ganz aktuell zu sein. Ein Kreisverkehr, der seit mehreren Jahren existiert, war nicht verzeichnet. Die Ansage ist dabei immer klar und deutlich, je nach dem, welche Stimme man auswählt. Es stehen zwei Frauen- und zwei Männerstimmen als Standard zur Verfügung. Jeweils eine Frau/ein Mann beherrscht dabei auch die Ansage der Straßennamen. Leider lispelt die Frau mit den Straßennamen (Katrin) etwas und spricht nicht so deutlich. Daher habe ich dann eine Männerstimme gewählt, die nochmal deutlicher ist. Der Speaker gibt alles sauber wieder, könnte aber insgesamt für meinen Geschmack ein wenig lauter sein. Ich habe ihn auf 100% und verstehe ihn so deutlich. Wenn man nebenher ein wenig das Radio dudeln lässt und höhere Geschwindigkeiten auf der Autobahn fährt, könnte das grenzwertig werden. Das TMC wird sofort erkannt, wenn man per Kabel das Navi mit dem Zigarettenanzünder verbindet. Soweit also alles so, wie es sein soll. Der Fahrspurassistent funktioniert auch tadellos. Auch das konnte ich schon testen. Leider habe ich ein wenig zu spät gelesen, dass dieser wohl leider nicht oder kaum in Städten mit mehrspurigen Schnellstraßen funktioniert, sondern wirklich nur an Autobahnkreuzen oder komplizierteren Auf-/Abfahrten. Schade. Ich dachte, wenn schon, dann immer. Ist aber letztlich mein Fehler. Richtig lesen hilft weiter. ;)
Erweiterbarkeit:
Und hier merkt man deutlich, dass man es mit einer Firma zu tun hat, die seit Jahren erfolgreich Navis baut und vertreibt. Man kann die Start- und Beenden-Screens ändern, neue Stimmen herunterladen, ein eigenes Symbol für das Fahrzeug installieren (nahezu jeder Autotyp vertreten, sogar mein Chevy Lacetti, der ja wahrlich nicht oft rumfährt). Es gibt einen Haufen zusätzlicher POI-Sammlungen anderer User. Das Map-Sharing funktioniert tadellos. Ich habe das Update gemacht und es war in Windeseile fertig (den fehlenden Kreisverkehr habe ich natürlich auch schon eingefügt, damit sich andere nicht wundern). Das geht wirklich schnell. Und natürlich erstmal alles kostenlos. Es gibt aber noch diverse Inhalte, die man kostenpflichtig erwerben kann. Außerdem gibt es massig Zubhör von TomTom und auch anderen Herstellern, z.B. andere Halterungen etc. Ich habe mir gleich die TomTom-Halterung für die Lüftungsschlitze dazubestellt. Auch, wenn der neue Mechanismus mit dem Saugnapf und der Drehscheibe sicher halten soll, ich mage es einfach nicht. Meine Scheibe bleibt frei und vor allem ist das Navi so wesentlich näher an mir dran. Ich bediene es nicht während der Fahrt, aber es ist doch entspannter, wenn man einfach kurz vom Lenkrad aus nach rechts schaut und es gleich vor sich hat (außerdem wirkt die Darstellung dadurch nochmal ein klein wenig größer).
PC-Software:
Auch diese ist vorbildlich. Eine CD liegt im Lieferumfang nicht bei. Man muss sich das Programm von der TomTom-Seite laden und installieren. Das stört mich nicht, da ich davon ausgehe, dass jemand, der sich gezielt solche Technik kauft, auch zu Hause einen PC stehen hat mit Internet-Anschluss.
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