Tom Gates - Wo ich bin, ist Chaos...
lockte mich zum Bestellen, wegen des knallbunten Covers, der Bezeichnung Comic-Roman - und Chaos in einem Kinderbuch verspricht kurzweiligen Lesespaß.
Was ich dann in Händen hielt war dann, auf billigem "Löschpapier" gedruckt, weit weniger bunt, chaotisch, als erwartet und schon gar kein Comic.
Illustration
Unter einem Comic verstehe ich eine Bildabfolge, die den Text zu großen Teilen ersetzt und die Story erzählt. Hier nehmen die Zeichnungen diese Funktion nur ausnahmsweise wahr. Sie können schon mal eine Seite einnehmen, sind aber meistens in den Text eingestreut und haben die Funktion von Illustrationen. Liz Pichon, Autorin und Illustratiorin in Einem, beweist hier gute Beobachtungsgabe und Witz.
Oft sind Wörter besonders groß, dick oder räumlich gezeichnet und verziert, so wie man das aus Schulheften kennt.
Handlung
Obwohl als Band 1 bezeichnet, ist die Handlung abgeschlossen.
Die Story beginnt mit dem ersten Schultag nach den Ferien und plätschert in der Folge angenehm lesbar dahin.
Man hat Zeit die Hauptpersonen etwas näher kennen zulernen. Sie bleiben jedoch blass und einseitig.
Tom Gates ist ein Normalo mit den typischen Eigenschaften, der gerade der Grundschule entronnenen Altersklasse: ein bisschen faul, ein bisschen frech, ein bisschen verträumt und pendelnd zwischen pubertärem Getue und Kindheit.Einen Tom Gates gibt es also überall und so wird sich der Großteil der Zielgruppe hier auch wiederfinden.
Derek ist sein Kumpel; Amy sein Schwarm, für den er sogar in den Schulchor eintritt; Mr. Fullerman sein eher langmüter Lehrer ...
Toms Familie ist ebenfalls recht normal und farblos, wenn auch ein paar Eigenheiten anklingen. Delia, die große Schwester, ist natürlich nur doof.
Dazu kommen noch jede Menge andere Personen wie Schulkameraden und Verwandte.
Chaos? Weit und breit Fehlanzeige, stattdessen ein paar harmlose Streiche. Ein ganz klein wenig Chaos verursacht aber immerhin Norman, der scheinbar etwas hyperaktive Mitschüler in seinen seltenen Auftritten im Buch.
Spannender wird es erst im letzten Drittel, als das Konzert der Lieblingsband von Tom Gates ansteht.
Fazit:
Leicht lesbare Lektüre, die Erwachsene ab und zu sicher amüsiert schmunzeln lässt.
Für die eigentliche Zielgruppe passiert zu wenig in dem Buch, inbesondere wenn beabsichtigt ist, durch die vielen Zeichnungen, Lesemuffel zum Lesen zu kriegen. Das Buch wird wahrscheinlich weggelegt, bevor die Handlung beginnt interessanter zu werden.
Ein Minus für den Verlag, für die Qualität des Papiers.
Insgesamt aber guter Durchschnitt und gute drei Sterne.