Spezialeinheiten. Die Kriegerelite unserer Zeit. Echte Männer. Männer, die nur mit einem Kampfmesser zwischen den Zähnen den Kalten Krieg im Alleingang gewonnen haben. Männer, für die ein glatter Lungendurchschuss nur eine Fleischwunde ist. Männer, die keine Zeit zum Bluten haben. Männer, die feindlichen Widerstand nur mit "Reibung" beschreiben, weil die Möglichkeit aufgehalten zu werden in ihrem Vokabular gar nicht erst vorkommt.
Männer'
Noch da? Wer bis hierhin bereits ausgestiegen ist, sollte vielleicht ohnehin einen kleinen Bogen um den neuesten Teil der beliebten Ghost Recon -Reihe machen. Denn plattes Spec Ops Pathos gemischt mit einer Prise "America, F**ck Yeah" gibt es hier wirklich in rauen Mengen zu finden.
Wo das fast zeitgleich erschienene Spec Ops - The Line einen extrem kritischen, konfrontativen Unterton zelebriert, gefällt sich Future Soldier voll und ganz im Rahmen der gängigen Klischees.
Und die Sache, erwarteten Feindkontakt nicht etwa "resistance" sondern "friction" zu nennen, jep, das habe ich nicht erfunden, so sprechen die Protagonisten im Spiel wirklich.
Ein klein wenig Resistenz gegen Zaunpfähle mit der großlettrigen Aufschrift "badarse" ist also zweifelsfrei auf jeden Fall gefragt, wenn man mit Future Soldier Spaß haben will.
Aber auch auf andere Aspekte muss sich der geneigte Military-Shooter Spieler unter Garantie erst einmal einlassen.
Wir erinnern uns: Wie grundsätzlich auch in der Realität gibt es im von diversen Spiele-Franchises erweiterten Clancy Universum drei Arten von Spezialeinheiten: Urbane Polizeieinheiten (Rainbow Six), Infiltratoren (Splinter Cell, bzw. Third Echolon) und Militäreinheiten (Ghost Recon).
Im Bereich der Videospiele waren die letzten beiden Szenarien meist die beliebtesten, egal ob nun taktisch oder eher als Hollywood Action. Ghost Recon stand dabei stets fest im Territorium der Militär-Spezialeinheiten mit Fokus auf langsames taktisch authentisches Vorgehen.
Diesen Eckpunkt verfrachten wir nun kurz in unseren Hinterkopf. Denn er hat einigen Wert als Kontrastfolie.
Kontrast zu was? Um das herauszufinden, muss man genau genommen kaum mehr als ein eine halbe Stunde des Spiel spielen. Denn da wird einem so einiges sehr sehr bekannt vorkommen.
Eine dünne Geschichte um ein vierköpfiges Team aus wandelnden Stereotypen, das den Anschlag auf Kollegen rächen will und dabei in Verwicklungen um einen innernationalen Konflikt in Russland stolpert, dient als Vorwand, die Hightech Spezialtruppe rund um den Globus zu schicken, um allerlei ebenso stereotype Bösewichte zu jagen.
Die Schauplätze zeigen dabei von einem Flüchtlingslager in Afrika über arktische Geheimbasen bis hin zu einem Zivilflughafen in Russland eine willkommene Varietät und tatsächlich soetwas wie ernsthaften Einfallsreichtum. Die meisten Szenarien würde man nicht unbedingt als typisch für einen Militärtaktikshooter beschreiben' klingt doch irgendwie eher nach Splinter Cell. Oder?
Klingt nicht nur so. bereits die ersten Spielminuten offenbaren noch so manches mehr. Die Egoperspektive ist nun auch auf dem PC der Third Person-Ansicht gewichen. Statt diffizilem Positions- und Ziebereichsschach gibt es nun ein dynamisch fließendes Deckungssystem, das direkt aus Splinter Cell - Conviction übernommen wurde.
Die Ghosts haben nun eine optische Tarnung zur Verfügung, die sie mit oder ohne Schatten auf Entfernungen von über 30m nahezu unsichtbar macht und jedes Gefecht teilt sich auf in Recon- Phase und Kampfphase. Wobei in ersterer das "mark and execute" Feature aus SC - Conviction wieder auftaucht. Pro Ghost kann ein Gegner markiert werden. Die so Markierten werden dann mit synchronen Schüssen aller maximal vier Ghosts ausgeschaltet.
Wird einer der Ghosts dabei entdeckt, schlägt das Geschehen ad hoc in eine Kampfphase um, in der man die Tarnanzüge nur noch zum Flankieren nutzen kann und das Markieren der Gegner nur noch zum Setzen von Prioritätszielen genutzt werden kann.
In beiden Phasen ist, auch aufgrund der enormen Gegnermengen, Information alles. Mit Sensorgranaten und Flugdronen können Feindpositionen laufend enthüllt werden.
All dies ist fulminant inszeniert, die Kampfsituationen ändern sich oft, die Schleichphasen und Gefechte sind enorm dynamisch, ab und an wird mit, an ein modernes "300" erinnernden, großartig choreographierten Railshooter-Sequenzen aufgelockert.
Klingt jetzt alles wirklich stark nach SC - Conviction? Yep. Selbst die Animationen der Ghosts sind zu nicht geringen Teilen dem letzten Abenteuer des alten Infiltrations-Haudegen Fisher entliehen.
Ghost Recon - Future Soldier rutscht damit aus dem ursprünglichen Bereich der Militartaktik heraus und hinein die den Bereich der Infiltratoren-Szenarien, besonders in der aggressiven Ausprägung des letzten Splinter Cell.
Ist Future Soldier also nur SC - Conviction mit einem anderen Szenario und etwas mehr Kawumms und plattem Spec Ops Pathos? Erst einmal: Ja. Kein Abstimmen der Teamausrüstung, kein Zuweisen von Positionen und Deckungsbereichen. Die Teammitglieder sind nur Assets, zusätzliche Waffen für Synchshots. Nur der umfangreiche Waffeneditor erinnert blass an alte Tage.
ABER (und dieses "aber" ist in der Tat ein großes): Das gilt nur für den Singleplayer Modus.
Skurriler Weise tauchen all diese Features im Koop Modus wieder auf. Hier kann die gesamte Kampagne mit bis zu drei weiteren Mitspielern bestritten werden.
Und mit einem Mal sind all die taktischen Überlegungen wieder da. Jeder bestimmt sein Equipment. Da ist sie wieder, die Frage, wer das Mg mitnimmt, oder ob nicht lieber alle schallgedämpfte Waffen tragen sollen, wer Scharfschütze sein soll und wer Nahkämpfer ob man auf Flexibilität setzen soll oder ob die Distanzschützen ruhig etwas träger sein dürfen.
Da sind in den Missionen wieder die Überlegungen, wer welchen Bereich decken soll, wer wo stehen soll, wer wann schießen soll. Denn anders als im Singleplayer-Modus kann nun jedes Teammitglied entdeckt werden und muss sich entsprechend vorsichtig positionieren und Sichtbereiche absprechen.
All die Elemente, die man von Ghost Recon erwarten würden, die der Singleplayer Modus nicht bietet, die Ausrüstungsplanung, die Teamtaktik, sind im Koop-Modus wieder da.
Dadurch wird das Spiel zwar auch nicht wieder so semi-realistisch wie die Vorgänger und die Betonung bleibt auf Stealth und Infiltration' und doch ist Ghost Recon - Future Soldier im Koop Modus dann doch wieder eher Militärtaktik.
Und so bleibt auch das Fazit gespalten. Alteingesessene Fans der Ghost Recon -Reihe werden mit der Neuausrichtung so oder so ihre Probleme haben. Wer dennoch einsteigt muss Haufenweise Spec Ops Pathos verkraften können und sich darauf einlassen können, im SP-Modus agressives temporeiches Stealth im Stile von Splinter Cell - Conviction zu bekommen und im Koop Modus langsame Militärtaktik, jedoch ohne wirklichen Realismusanspruch.
Nicht zuletzt, da das Hybriddasein des Spieles auch Probleme wie zu viele Gegner mit schwer einschätzbaren Sichtlinien mitbringt, wo Ausrichtung auf Stealth und Gefechtstaktik sich gegenseitig ins Blech rauschen.
Wer jedoch Splinter Cell - Conviction nicht abgeneigt war, gern etwas Taktik hat und eine Schwäche für cool in Szene gesetzte Spec Ops Action hat, der sollte sich dieses Spiel ruhig mal genauer anschauen.
Aber VORSICHT:
Die PC-Fassung ist ein miserabler Konsolenport. Inkompatibilitäten selbst bei Standard Steuerungsgeräten und unerklärliche Abstürze sind bei vielen Käufern an der Tagesordnung.
Diejenigen, bei denen es halbwegs läuft, haben aktuell selbst auf Highend Rechnern mit extrem schlechter Performance zu kämpfen.