Diese Rezension bezieht sich lediglich auf die Einzelspieler-Kampagne!
Wer den ersten Teil gespielt hat und gut fand, braucht nicht unbedingt weiterzulesen; er (oder sie) kann das Spiel bedenkenlos kaufen. Für die Übrigen:
Wer Tom Clancy-Spiele kennt, wird von der Hintergrundgeschichte von GRAW2 nicht sonderlich überrascht sein. Sie ist einerseits nicht einfallsreich, sondern gewohnt klischéehaft, andererseits aber so gut umgesetzt, dass sie als verbindendes Element der Level und bei mehr oder weniger überraschenden Wendungen innerhalb der Level gute Dienste leistet.
Jede Mission beginnt mit einem "Briefing", das endlich mal diesem Begriff auch gerecht wird. Man erfährt viel über das Setting, die Ziele, den Absetzpunkt des Teams usw. Anschließend kann man sein Team zusammenstellen. Meistens sind es drei Begleiter, die man mitnehmen kann, man kann sie aber auch abwählen bzw. austauschen. Deren Waffen und natürlich die eigenen sucht man hier ebenfalls aus. Das Spiel schlägt dabei bestimmte Konfigurationen vor, die zwar sinnvoll, aber durchaus verbesserungsfähig sind.
Im Spiel kann man seine Kameraden sowohl in der Ego-Sicht, als auch über die taktische Karte steuern. Man kann ihr Verhalten zwischen offensiv und defensiv wählen und ihnen einzelne Befehle wie angreifen, decken, bewegen erteilen. Da man dies auch als Befehlskette und für alle drei gleichzeitig in der taktischen Karte festlegen und dann zeitgleich ausführen lassen kann (nicht muss!), ergeben sich sehr komplexe taktische Möglichkeiten. Allerdings ist stets eine gründliche Aufklärung der Örtlichkeit anzuraten, sonst gehen auch scheinbar klug geplante Manöver in die Hose!
Die KI der Mitstreiter schwankt dabei. Einerseits sind sie durchaus in der Lage, einem den Rücken frei zu halten, wenn man sie denn entsprechend positioniert, andererseits verlassen sie zuweilen ohne erkennbaren Grund ihre zugewiesene Position um ein paar Meter und geraten dann unter Feindbeschuss, dem sie nicht ausweichen, sondern ihn bis zum eigenen Tod erwidern. Bei Kommentaren wie "Captain, stehe unter Feindbeschuss!" fallen einem dann doch ein, zwei sarkastische Antworten ein.
Die Gegner-KI ist durchaus fordernd, aber leider nicht immer fair. Durch geschickte Skripte und gedeckte Positionierung der Gegner (z. B. unter überstehenden Dächern) wird das Spiel noch um einiges schwerer.
Á propos: Den Schwierigkeitsgrad kann man bei Beginn der Kampagne einstellen. Der höchste ("Hardcore") macht richtig Spaß, besonders wenn man den Service des Spiels, entdeckte Gegner durch rosa Rauten anzuzeigen, in den Optionen auch noch ausschaltet. Dann sollte man sehr, sehr vorsichtig zu Werke gehen.
Freies Speichern ist leider nicht möglich. Es gibt bestimmte Speicherpunkte, deren Lage bzw. Voraussetzungen einem jeweils nicht bekannt sind. Das ätzt, trägt aber natürlich sehr zur Spannung bei.
Insgesamt einer des besten Team-Shooter, der - zumindest bei hoher Schwierigkeitsstufe - sehr sorgfältiges taktisches Vorgehen erfordert.