Dass ein Spielfilm in einer Länge von 90 Minuten natürlich nicht die gleiche Detailgenauigkeit widerspiegeln kann, wie eine Produktion von 219 Minuten, sollte man voraussetzen, wenn man sich diese Version anschaut. So beschränkten sich die Produzenten bei dieser Verfilmung nur auf das Wesentliche, wobei es ihnen dabei gelang die Gewaltszenen, dieser literarisch erschütternden Novelle von Thomas Hughes, wesentlich authentischer und erschütternder wirken zu lassen, als auf der Theater-Niveau-liegenden Version von 1971.
Tom Brown, wird in einem Eliteinternat, indem großteils der Rohrstock das Sagen hat, der den Kindern nicht nur das Böse aus dem Leib prügelt, sondern auch den Gehorsam zu Gott hineinprügelt, von "Flashman", einem hochangesehenen Aristokratensohn, bis weit über die Schmerzgrenze hinaus gepeinigt und gedemütigt. Aber nicht nur er ist Opfer dieser schweren körperlichen Misshandlungen, sondern auch seine gleichaltrigen Freunde East und Hall.
Auf ganz drastische Art und Weise zeigt dieser Film, welche abscheulichen Misshandlungen hinter den verschlossenen Türen einer christlichen Anstalt tagtäglich passieren, und zu welchen schrecklichen Züchtigungsmethoden die Erzieher dabei greifen. Die Würde des Menschen (des Kindes) verbleicht unmittelbar, als der durchaus sympathische, aber überzogen strenge Rektor Dr. Thomas Arnold, den kleinen Hall zu Unrecht mit harten Stockhieben die Hände blutig schlägt, weil dieser es wagte, ihm als Erwachsener zu widersprechen, und ihn in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam machte, dass der Lehrer ihm eine andere Stelle des Buches zum Lesen als Hausaufgabe gegeben hätte.
Auch "Flashman" lässt sich immer wieder neue Grausamkeiten einfallen, um seine Macht gegenüber den Jüngeren zu demonstrieren. Hier schreckt er auch nicht vor Folter, Brandmarkung und versuchten Mordanschlägen zurück. "Doing By Seeing! oder Learning By Doing" Kaum ein anderer Film dieses Genres zeigt die Folgen des Rohrstocks, bzw. die Folgen einer solchen Antierziehung so detailgetreu, wie Tom Brown's Schooldays.
Gerade in einer Zeit, in der Verantwortliche in England wieder darüber nachdenken, den erst 2003 abgeschafften Rohrstocks wiedereinzuführen, muss man sich schon als normaler Mensch, und vor allem als Sozialpädagoge, die berechtigte Frage stellen, ob die Englische Gesellschaft überhaupt etwas aus ihrer Geschichte und vor allem aus ihrer schöngeistigen Literatur gelernt hat. Dem Anschein nach nicht. "Wo bleibt denn eigentlich bitteschön der Rohrstock für erziehungsunfähige und erziehungsresistente Eltern und Lehrer?"
PS. Da der Film mal wieder etwas zeigt, was die Deutsche Gesellschaft nicht sehen möchte, bzw. sehr unangenehme Themen anspricht, die bei uns schon seit Jahren schön säuberlich unter den Teppich gekehrt werden, gibt es diesen Film natürlich weder in einer deutschen Synchronisation noch mit einer deutschen Untertitelspur.