Kurzbeschreibung
Klappentext
In diesen berühmten dreißig aus überschäumender Lebenslust und gallischem Leichtsinn gegenüber allem Spießertum erschaffenen Geschichten erhebt sich Balzac zum größten Humoristen des neueren Frankreich. Er schrieb sie, um sich zu erholen, neben seinen großen Romanen, und es gibt wohl kein Werk von ihm, in dem seine unerschöpfliche Phantasie und Erfindungsgabe so schlackenlose erzählerische Meisterschaft erreicht hat wie in diesem fröhlichen Buch der Geschichten außer Rand und Band.
»Und was für eine Welt ist das! Was für ein Panorama von Leidenschaften!« Oscar Wilde
»Bei Balzac hat, kurz gesagt, jeder Mensch Genie, sogar die Concierge.« Charles Baudelaire
»Shakespeare, Balzac, Tolstoi - das sind für mich drei Monumente, die die Menschheit sich selbst errichtet hat.« Maxim Gorki -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Autorenporträt
Auszug
Der Erzbischof von Bordeaux hatte, als er sich zum Konzil von Konstanz begab, in sein Gefolge einen ausnehmend hübschen, jungen Priester aus der Touraine aufgenommen, dessen Benehmen und Redeweise überaus fein waren; er galt ja auch als ein Sohn der Soldee und des königlichen Statthalters. Gern hatte ihn der Erzbischof von Tours seinem Amtsbruder bei seiner Durchreise durch diese Stadt überlassen - Geschenke solcher Art sind unter Erzbischöfen üblich, da sie wissen, wie theologische Fragen die Seele plagen können. So kam also der junge Priester zum Konzil und wurde im Hause seines Prälaten untergebracht, der ein Mann von guten Sitten und großer Gelehrsamkeit war.
Philipp von Mala - so hieß der Priester - war entschlossen, sich gut zu führen und seinem Herrn, wie es sich gebührte, zu dienen; aber auf diesem hochheiligen Konzil sah er eine Menge Leute, die ein lockeres Leben führten und dabei nicht weniger, sondern noch mehr an Ablässen, Goldtalern und Pfründen gewannen als alle die anderen, die fromm und sittsam blieben. Nun, während einer Nacht, in der seine Tugend argen Anfechtungen ausgesetzt war, blies ihm der Teufel in Ohr und Hirn, er solle sich doch auch seinen Anteil am Wohlleben sichern, da ja jeder sich aus dem Schoße unserer heiligen Mutter Kirche das Seine hole, ohne daß er sich dadurch ausschöpfen ließe, was gewiß ein Wunder sei und das Vorhandensein Gottes beweise. Und der Priester aus der Touraine hörte auf den Teufel. Er nahm sich vor, zu schmausen und sich den Leib mit deutschen Braten samt Saucen vollzuschlagen, solange es ihn nichts kostete, denn er war arm wie eine Kirchenmaus. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .