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Schulbücher & Lernhilfen
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Es handelt sich jedoch keineswegs um eine trockene, wissenschaftliche Abhandlung. Carter wendet sich an alle Leser Tolkiens, die mehr über seine Einflüsse und die Traditionen, die ihn geprägt haben, erfahren wollen. Dabei ist ihm eine höchst unterhaltsam geschriebene und aufschlussreiche Studie über Tolkiens literarische Quellen sowie der Sagen und Mythen gelungen, derer er sich für sein Werk bediente. Nach einer kurzen Einführung in Tolkiens Leben und Werk folgt eine kurzweilige Zusammenfassung von Der kleine Hobbit und Der Herr der Ringe, was den Vorteil hat, dass man Carters Buch auch genießen kann, ohne sich vorher eingehend mit Tolkien beschäftigt haben zu müssen.
Carter diskutiert verschiedene Ansätze, ob Tolkiens Trilogie als Satire oder Allegorie zu verstehen ist, und beschäftigt sich eingehend mit Tolkiens Märchentheorie, die dieser in dem Aufsatz "Über Märchen" (veröffentlicht in Baum und Blatt) dargelegt hat. Er bezeichnet Der Herr der Ringe als epische Fantasy und setzt bei Homer und der epischen Dichtung an, um die Form und die Themen von Tolkiens Werk zu begreifen. So verfolgt Carter Tolkiens mythologische Wurzeln vom klassischen Altertum über die mittelalterliche Romanze und das klassische Heldenlied bis hin zu den Begründern der modernen Fantasy. Dabei klebt er durchaus nicht sklavisch an Tolkien, sondern lässt dem Leser genügend Freiraum, Gemeinsamkeiten zu entdecken sowie einen interessanten Überblick über die Entstehung und Entwicklung der fantastischen Literatur als eigenständiges Genre zu gewinnen.
Richtig spannend wird es, wenn sich Carter Tolkiens Hauptquellen zuwendet: den nordischen Mythen und Legenden wie der Edda oder der Nibelungensage. Tolkien hat nicht nur einzelne Namen wie Gandalf oder Thorin direkt daraus übernommen, sondern sich auch vieler Handlungsstränge und erzählerischer Motive bedient. Es macht wahrhaft großen Spaß, Carters detektivischem Spürsinn auf seinen literarischen Entdeckungen zu folgen. Vor allem macht es auch Lust, selbst diese Quellen zu entdecken und in den Stoffen zu schmökern, die Tolkien inspiriert und beeinflusst haben. Tolkiens Universum bietet dazu wahrlich genug Anregungen!
Es mag zunächst als ein kleiner Nachteil erscheinen, dass das Buch aus dem Jahr 1969 ist und Carter so gezwungen ist, über einiges zu spekulieren, was inzwischen durch die Veröffentlichung des Silmarillion und weiterer Werke aus dem Nachlass Tolkiens geklärt ist. Andererseits eröffnet diese erfrischende, weil zeitnahe, Herangehensweise auch ganz neue Perspektiven. Abgerundet wird das Buch außerdem durch ein Postskriptum über die Fantasy-Literatur nach Tolkien sowie eine umfangreiche Bibliografie. --Birgit Schwenger
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Die Originalausgabe des Buches erschien in den Sechzigern. Man bedenke also die Situation des Autors: Es gab noch kein "Silmarillion", keine "Nachrichten aus Mittelerde" und keine "History of Middle-Earth". Carter verfügte lediglich über den "Herrn" und den "Hobbit" mit all ihren faszinierenden, dunklen Anspielungen aus der Altvorderenzeit.
Tapfer wie Don Quixote de la Mancha machte sich der Autor dennoch auf, JRRTs Werk zu erklären und nach seinen mythologischen Wurzeln zu suchen. Dabei trat er in so ziemlich jedes Fettnäpfchen, dass sein verschlungener Weg für ihn bereithielt. Amüsant sind vor dem Hintergrund des veröffentlichen Werks sind die Vermutungen, die Carter über den Inhalt des "Silmarillion" anstellte; ebenso wie die völlig verplante Gleichsetzung Gandalfs mit Odin und die Herleitung des Namens Denethor von Thor. Richtig lachen musste ich bei dem hilflosen Versuch des literarischen Recken, Querverbindungen zwischen dem HdR und Wagners "Ring der Nibelungen" zu ziehen.
Warum also stehen im Bewertungsfeld dennoch drei Sterne? Nun, Carter vollzieht die Entwicklung phantastistischer und heroischer Literatur vom klassischen Epos über das Chanson de Geste und die Romanze des Mittelalters zu den Anfängen der Fantasy nach; und das in einer Form, die Einsteigern in die Materie sehr gelegen kommen dürfte. Der Leser wird mit Homer und Vergil ebenso bekannt gemacht wie mit "Amadis von Gallien" und Ariost. Gewürdigt werden auch die ganz Großen unter den Begründern der Fantasy: William Morris, Lord Dunsany, E.R. Eddison, Robert E. Howard, Mervyn Peake und James Branch Cabell.
Wer aber eine eingehende und fundierte Studie über die Hintergründe von Tolkiens Werk lesen möchte, dem sei Tom A. Shippeys "J.R.R. Tolkien. Autor des Jahrhunderts" ans Herz gelegt.
Da auch die Geschichte der Fantasy im Lauf der Jahrhunderte behandelt wird, findet man durchaus den einen oder anderen Lesetipp zu anderen Sagen und ihren Autoren. Gut ist auch die Übersetzung, da diese vorsichtig neuere Informationen einbindet, die Lin Carter noch nicht kannte (bzw. nicht kennen konnte). Wer Interesse am Hintergrund des Herrn der Ringe hat und sich nicht von vielen Fußnoten schrecken lässt (die trotz ihres Informationsgehalts oft den Lesefluss hemmen - aber es handelt sich eben eher um eine "wissenschaftliche" Arbeit), kann in diesem Buch viel Neues finden.
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