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Der Professor reagiert abweisend und ist erbost über die aufdringlichen Besuche der jungen Frau. Sie bleibt jedoch hartnäckig und richtet sich auf einen längeren Aufenthalt in der fremden Stadt Tokio ein. Kurz entschlossen quartiert sich die mittellose Grey bei einem amerikanischen Studenten ein, der zusammen mit zwei Russinnen in einem verfallenen Palast wohnt. Svetlana und Irina arbeiten als Geishas in einem exklusiven Nachtclub mit illustrem Publikum. Auf deren Vermittlung hin nimmt sie dort einen lukrativen Job an.
Im Nachtclub begegnet sie einem geheimnisvollen alten Mann, dem Mafia-Boss Fuyuki, der die Gesellschaft Greys bald schätzen lernt. Eher durch Zufall erfährt Professor Shi Chongming von Greys Tätigkeit als Geisha und ihrer Bekanntschaft mit dem Yakuza Fuyuki. Nach der Erwähnung Fuyukis zeigt er sich plötzlich an der jungen Studentin interessiert und macht ihr ein Angebot: Sie soll für ihn den Yakuza beobachten, wofür er ihr als Gegenleistung schrittweise Zugang zu dem geheimen Filmmaterial gewähren wird.
Nach ihren beiden reißerischen Psychothrillern Der Vogelmann und Die Behandlung überrascht die englische Autorin Mo Hayder mit einem tiefgründigen und erschütternden Roman über die japanischen Kriegsverbrechen in China. Zwar löst sich Hayder nicht ganz von ihren bisher typischen Erzählmustern, die Sex, Gewalt und Tod sehr brutal, ekelerregend bis hin zur Obszönität darstellten. Doch vor dem Hintergrund der japanischen Kriegsgräuel vor und während des 2. Weltkrieges machen solche schonungslosen Schilderungen sogar durchaus Sinn.
Die Massenverbrechen der japanischen Armee stellen in Japan nach wie ein Tabu-Thema dar. Um diese prekären Spannungen im ungelösten Verhältnis zwischen Chinesen und Japanern darzustellen, bettet Mo Hayder ihre Handlung geschickt in zwei Zeit- und Erzählebenen ein: hier die mysteriösen Selbstfindungsversuche der jungen Studentin Grey im Sommer 1990, dort die schrecklichen Erinnerungen eines zunächst anonymen Tagebuchschreibers im Jahre 1937.
In Tokio ist es Mo Hayder eindrucksvoll gelungen, den lebensnotwendigen Sinn und die Bedeutung von Vergangenheitsbewältigung drastisch zu schildern. Denn ihren tragischen Protagonisten bleibt verwehrt, was Bernhard Schlink einmal für die deutschen Verhältnisse formulierte, nämlich das Vergangene so in Ordnung zu bringen, dass seine Erinnerung nicht mehr auf der Gegenwart lastet. --Christian Koch -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Starker Tobak,
Von aladdin_sane (Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Tokio: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mo Hayders Biografie in Buchangaben und auf ihrer Homepage ließ schon beinahe ahnen, dass sie eines Tages über Japan schreiben wird - das Land, in dem sie (den Angaben zufolge) eine Art Selbstfindung durchlebt hat. Nun ist dieses Buch, auf das ich sehr neugierig war, erschienen.Gleich im Vorab: „Tokio" ist an sich kein Buch für die schnelle Unterhaltung - an einigen Stellen musste ich mit dem Lesen pausieren, um das Erfahrene zu „verdauen". Aufgrund seiner schockierenden Thematik wird mich der Roman noch eine Weile verfolgen, und es sei betont: Ich bin an sich kein „Sensibelchen". Der Inhalt in drei Sätzen: Die Prämisse könnte lauten: „Es macht keinen Sinn, vor der Vergangenheit zu fliehen, sie holt dich immer wieder ein." Und das gilt für die meisten Figuren des Romans. „Tokio" ist nicht nur im Hinblick auf die Leitthematik (Kriegsverbrechen durch japanische Soldaten) eine Vergangenheitsbewältigung: Auch Mo Hayder hat, wie ihre Protagonistin „Grey", in einem Nachtclub als Hostess gearbeitet. Dies trägt sehr zur Authentizität des Romans bei. Nach „Der Vogelmann" und „Die Behandlung" hat die Autorin nun ihr bisheriges Genre verlassen. Ein großer Anteil von "Tokio" beruht immerhin auf tatsächlichen Geschehnissen, deren Grausamkeit die fiktiven Fälle des Inspectors Jack Caffery ein wenig verblassen lassen. Und im Gegensatz zu einigen meiner Vorrezensenten finde ich, dass ihr auch dieser Roman hinsichtlich Spannung und Tiefgang gelungen ist. Das Buch liest sich flüssig und das ist auch notwendig, schließlich will man ja wissen, was denn da auf diesem ominösen Stück Film tatsächlich zu sehen ist. Abgesehen davon, sooo weit ist Frau Hayder auch nicht von ihrem Weg abgekommen. Auch diese Geschichte ist eine Konfrontation mit den Abgründen und Perversionen der menschlichen Seele - in diesem Fall zusätzlich gemischt mit einer für uns Europäer fremdartigen Kultur. So bin ich als Leser schnell in diese fremde Welt hineingerissen worden und war, wie die Hauptfigur (die diesmal in Ich-Form erzählt), zunächst ein wenig orientierungslos, dann neugierig und schließlich angewidert von dem, was es da ans Tageslicht kam. Letzteres veranlasst mich jedoch zu einem Punktabzug, da ich denke, Mo Hayder hat diesmal den Bogen ein wenig überspannt. Wir alle kennen freilich den menschlich-morbiden Voyeurismus z. B. bei einem schlimmen Autounfall, und natürlich sind die Ereignisse von Nanking (und des zweiten Weltkriegs im Gesamten) eine schier endlose Aneinanderreihung von Grausamkeiten, aber an einigen Stellen hatte ich schon fast den Eindruck, die Autorin würde der makabren Faszination erliegen, sich in den ekelhaften Details zu ergehen. Damit meine ich nicht nur Mo Hayders Tendenz, in jedem ihrer Bücher Kinder leiden oder gar töten zu lassen (in einer Szene erreicht sie diesmal ihren vorläufigen "Höhepunkt", so finde ich). Manche Formulierungen, auch wenn es sich dabei um Aussagen der Romanfigur handelt, scheinen mir in dieser Vermutung Recht zu geben. Sicher, man könnte jetzt sagen, die Autorin berichtet über jene Ereignisse, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Aber seien wir doch mal ehrlich: wenn wir die zerfetzten Eingeweide eines Menschen in schneeverhangenen Bäumen hängen sehen, finden wir das dann tatsächlich „hübsch"? Ich finde, hier wäre weniger mehr gewesen, vor allem, weil Mo Hayders Erzählkunst es auch ohne diese Details erreichen würde, meine Phantasie anzuregen und mir eine Gänsehaut zu verpassen. Die dadurch gewonnenen Seiten hätten ein paar wichtigen Nebenfiguren helfen können, mehr Tiefe zu erlangen. Grundsätzlich stelle ich mir bei Romanen wie „Tokio" die Frage, wo die Darstellung von Grausamkeiten in BÜCHERN enden sollte. Würde es sich um einen Film handeln, würde man ihn, überspitzt gesagt, in Deutschland auf eine 10-minütige FSK 16-Version zusammenkürzen müssen. Sobald es jedoch ein Autor versteht, seinen Horror in eine gute Sprache zu kleiden, scheint es keine Grenzen zu geben. Mein Fazit: Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
52 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr gutes Buch mit einem interessanten historischen Rahmen,
Rezension bezieht sich auf: Tokio: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mir vorgestern die englische Taschenbuchausgabe von Mo Hayder's neuem Roman "Tokyo" gekauft und bin heute fertig geworden. (Über etwaige überraschende Wendungen oder Anworten am Ende des Buches wird hier nichts verraten !!!) Ich habe ihre ersten beiden Bücher( "Der Vogelmann" & "Die Behandlung" ) gelesen und fand beide sehr gelungen und spannend. Vielleicht sollte hier nochmal erwähnt werden, daß die Geschichte um den Polizisten Caffrey und seinen verschwundenen Bruder mit ihrem letzten Buch "Die Behandlung" abgeschlossen wurde. Mit Tokyo bewegt sich Mo Hayder in eine andere Richtung. Mo lässt den Leser in eine andere Kultur "reinschnuppern". Wer von uns hat schon viel Ahnung von der Geschichte Chinas und Japans. Das fand ich sehr interessant etwas darüber zu erfahren. Mich würde sehr interessieren, wie das Buch im asiatischen Raum aufgenommen wird, da das Nanking Massaker sehr kontrovers diskutiert wurde/wird und japanische Kinder erst heute darüber etwas in der Schule erfahren. Diese Brisanz des Themas wird uns hier in Deutschland natürlich etwas verschlossen bleiben. Trotzdem hat der Roman einen sehr interessanten historischen Rahmen. Das Buch liest sich sehr flüssig und ist eigentlich durchgehend spannend. Hayder gelingt es sehr gut interessante Charaktere zu entwickeln die sehr lebendig wirken und mit denen der Leser mitfühlt. Da Mo Hayder selbst in einem Hostessen Club in Tokyo gearbeitet hat fällt es ihr leicht diese Welt glaubhaft zu vermitteln. Es ist überhaupt eine Stärke des Buches wie uns ein Einblick in die asiatische Welt gewährt wird. Viele Leser fanden Vogelmann oder Die Behandlung zu brutal oder schlicht ekelhaft. Man muß sicherlich sagen, daß Mo Hayder in ihren Büchern gerne die dunklen Seiten des Menschen untersucht. Und diese bringen eben erschütternde und manchmal auch ekelhafte Dinge ans Tageslicht. Während dies jedoch bei Vogelmann und Die Behandlung fiktiver Art ist, hat es das Nanking Massaker wirklich gegeben. Das gibt dem Buch manchmal eine bedrückende Schwere und es ist erschreckend was sich Menschen gegenseitig antuen können. Insgesamt würde ich das Buch aber weniger "extrem" als die Vorgänger einstufen. Dafür schwingt zeitweise eine gehörige Portion Trauer, Wehmut und Melancholie mit. Die Meinung über das Buch eines jeden einzelnen wird aber wohl mit dem Finale stehen und fallen. Es wird durchgehend Spannung aufgebaut. Ob diese am Ende für den Leser befriedigend aufgelöst wird muß jeder für sich selbst entscheiden :-) Fazit: 5/5 Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
total irre geschrieben,
Von sonnenschein "pbqa02" (geesthacht) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Tokio: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch mit zwei Geschichten von denen jede so spannend und fesselnd ist. Hier laufen alle Schrecklichkeiten zusammen, Völkermord, Angst, Vergewaltigung, Freaks, Absurditäten und Perversionen. Ich habe das Buch sehr gebannt gelesen und konnte mich kaum losreißen. Der Schluss hat mich doch ganz schön mitgenommen, dass es ssolche Geschmacklosigkeiten gibt, kaum vorstellbar.Wer mal etwas anderes lesen möchte, aber Spannung liebt und dabei von nicht zu vielen Personen verwirrt werden will, macht mit diesem Buch eine tolle Erfahrung. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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