John Rain: halb Japaner, halb Amerikaner, Vietnamveteran (mit sehr schlechtem Gewissen), Söldner, Judoka mit schwarzem Gürtel, treuer Samurai und gleichzeitig herrenloser Ronin, Auftragskiller und bekannt für Morde, die als natürliche Todesfälle anerkannt werden.
In Tokio dient er mehr Herren, als er ahnt: korrupten Politikern, dem CIA, der Tokioer Polizei, den Yakuza, und alle sind sie plötzlich hinter ihm her, weil er die Tochter seines letzten Mordopfers, eine - natürlich! - schöne Jazzpianistin, schützen will.
Autor Barry Eisler, der Jahre in Tokio verbrachte, perfekt Japanisch spricht und selbst den schwarzen Judoka-Gürtel besitzt, ist ein Geschenk an alle Thrillerfreunde. Reichlich absolut glaubwürdige Action, politische Aktualität, der notwendige Schuss Sex, ein "Held", der gleichzeitig finster und sympathisch ist, plus eine Umgebung, die thrillermäßig noch nicht so abgegrast wurde wie LA oder New York - das alles summiert sich zu großem Lesevergnügen. Dass die Übersetzung ins Deutsche holperig ausgefallen ist, vergisst man nach der dritten Seite und verzeiht es: Der Inhalt von "Tokio Killer" entschädigt daür.
Übrigens: Wer die Edinburgh-Romane von Jan Rankin gern liest, wird auch "Tokio Killer" verschlingen: Barry Eisler und der Schotte schreiben gleich intelligent, spannend, melancholisch, mitleidlos und nüchtern. Thrillers at their best.