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Tokio Girl: Roman
 
 
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Tokio Girl: Roman [Taschenbuch]

Rika Yokomori , Nora Bierich
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (9. November 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442459974
  • ISBN-13: 978-3442459971
  • Originaltitel: Bogichin
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 730.169 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Rika Yokomori
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Erstmals auf Deutsch

Saya ist neunzehn Jahre alt und studiert an einer renommierten Universität in Tokio. Sie ist getrieben von einer unersättlichen Gier nach Leben, und so stürzt sie sich in wechselnde Liebesbeziehungen, verbringt ihre Nächte in Kneipen und auf Partys, in Spielhöllen und im Kino. Eines Tages macht sie die Bekanntschaft mit dem charismatischen Takeshi und verliebt sich leidenschaftlich in ihn. Die Welt scheint ihr zu Füßen zu liegen, und Saya ist überzeugt, den Mann ihres Lebens gefunden zu haben. Doch Takeshi ist ein notorischer Spieler und Womanizer, ein Mann, dem kein Abgrund fremd ist – und Saya erkennt, dass sie aufwachen muss, wenn sie ihre Seele retten will …

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Fang nie was mit einem Spieler an. Vielleicht macht er das große Geld, aber er verspielt sein ganzes Glück. Das Leben ist lang. Menschen sterben nicht so leicht. Wirklich gewinnen tut, wer ein anspruchsloses und bescheidenes Leben lebt."
Das waren die Worte meiner Mutter, als die Geschichte mit Bogey begann.
Bogey war der Kosename, den ich ihm gab, als wir zum ersten Mal aus waren und er mir in dem dämmrigen Kerzenlicht einer Bar gegenübersaß und aus irgendeinem Grund eine Szene aus Casablanca vorspielte:
"Gestern Abend? Das ist so lang her, das hab ich vergessen", sagte er und blies den Rauch seiner Zigarette in zwei Schwaden durch seine beiden Nasenlöcher.
"Nennen Sie mich einfach Bogart", sagte er scherzhaft, und so war sein Name entstanden.
Hat der große Nasenlöcher, dachte ich, und dann fiel mir dieser Spruch ein: Männer mit großen Nasenlöchern sind Geldverschwender. Genau, dachte ich.
Aber er sieht gut aus, und irgendwie ist er lustig und süß, dachte ich weiter, und da platzte es unwillkürlich aus mir heraus:
"Mm! Bogey würde besser zu Ihnen passen, finden Sie nicht?"
"Bogey, meinen Sie?" Er lachte. "Das ist witzig."
Bogey und ich passten von Anfang an zueinander, wir waren ein Paar, das "emotional übereinstimmte", wie er sagte.
Für mich war Bogey das Gleiche wie für Linus bei den Peanuts die Schmusedecke: das Liebste auf der Welt, dessen Fehlen mich unruhig werden ließ, etwas, das mich wärmte, von dem ich mich nur schwer trennen konnte und das ich am liebsten überall mit hin mitschleppte. Meine Kuscheldecke Bogey, das schönste Gefühl auf meiner Haut. Der Name traf meine nur schwer zu beschreibende Liebe perfekt.
Dass sich diese Decke später einmal wie ein nasser Sack anfühlen würde, hätte ich mir damals nicht vorstellen können. Ich war erst neunzehn, Bogey fast vierzig. Und er war ein großer Spieler.

Meine Mutter stammte aus einer einst wohlhabenden Bauunternehmerfamilie, in der es auch mal unlauter zugegangen war, deshalb kannte sie sich in solchen Dingen aus. Mein Großvater muss eine respektable Figur gewesen sein; er hatte sein Unternehmen von null an aufgebaut, doch seine Söhne - also meine Onkel - waren, wie oft bei Kindern aus reichem Elternhaus, entsetzliche Tunichtgute, die ein ausschweifendes Leben führten und das ganze Geld verprassten.
In einer Zeit, in der Luxus als verwerflich galt, amüsierten sie sich mit Geishas, zeugten uneheliche Kinder und spielten um Geld. Sie führten das Leben von
Dandys, liebten gutes Essen und besaßen eine der drei in Japan existierenden Harley Davidsons, sie tranken, nahmen Drogen, hatten Geschlechtskrankheiten und waren wegen einer Liebesaffäre sogar in einen Mordversuch verwickelt. ... Sie taten all das, was seriösen Menschen fremd ist.
Mein Großvater starb, und mein Onkel Keizö, der ihn im Unternehmen ablöste und eine prächtige Tätowierung auf dem Rücken trug, brachte mit seiner Spielsucht das gesamte Vermögen meiner Großeltern durch.
"Wegen Keizös Spielschulden ist dann alles beschlagnahmt worden, die Fabrik und unser Elternhaus. Deswegen war ich in meiner Jugend auch so arm. Selbst die Steine und Pflanzen im Garten haben sie nach und nach weggetragen, und auch die Kimonos meiner Großmutter wanderten zum Pfandleiher. Als ich mit zwanzig bei uns zu Hause anrief, war jemand anderes am Telefon. Hallo, hier Mikawaya, meldete sich eine Stimme. Ich dachte zuerst, ich hätte mich verwählt, und habe es immer wieder probiert, aber... Da kommt man doch nicht drauf, dass sie sogar den Telefonanschluss verkaufen, oder?!"
Da meine Mutter zu Zeiten des Untergangs dieses Hauses groß geworden war, war sie fest entschlossen, selbst ein ordentliches Leben zu führen. Sie wollte unabhängig sein, damit sie sich niemals, was auch passieren mochte, um Geld zu sorgen brauchte. Damals gehörte es sich einfach nicht für eine Frau zu arbeiten, und da sie nicht studiert hatte, war sie in ihrer Auswahl der Jobs beschränkt.
"Ich wäre gern Anwältin geworden, weißt du. Ich habe Onkel Keizö gebeten, studieren zu dürfen, aber er fand, es reichte, wenn Frauen in der Küche Kartoffeln schälten ."
Meine Mutter hatte resigniert und sich eine Anstellung gesucht und war schließlich Außendienstmitarbeiterin bei einer führenden Versicherungsfirma geworden. Ihre Devise lautete: Führe ein ordentliches und kultiviertes Leben, mache auf keinen Fall Schulden und bekomme niemals etwas mit der Polizei zu tun.
Obwohl mein Charakter in seinen Anlagen zutiefst verdorben war, wuchs ich also notgedrungen zu einem braven Mädchen heran.
Ich lernte Klavier spielen, Englisch und Ölmalerei, alles Dinge, die ich nicht lange fortführen würde, und ich beherrschte nichts von dem, worin meine eigentliche Stärke lag, all diese aufregenden Dinge, die man als Übergangsriten frühreifer Kinder bezeichnen kann: Ladendiebstahl, heimlich rauchen, Alkohol, Männer, Lösungsmittel schnüffeln oder bei einer Motorradgang mitmachen. Ich wuchs zu einem Kind heran, das weder lügen noch schummeln konnte. Wenn ich etwas anstellte, reagierte mein Vater weich wie immer, während meine Mutter mich schlug und so streng war, dass sie mich zur Strafe auch an ein Pferd gebunden und durch die Wüste hätte schleifen lassen.
Und dann, in meiner Mittelschulzeit, verschwand mein zärtlicher Vater plötzlich.
Er war in einer Firma angestellt und hatte keine großen Aufstiegschancen, und während meine Mutter als Kundenwerberin in der Versicherungsgesellschaft erstklassige Leistungen erbrachte und schnell viel Geld verdiente, wurde mein Vater zusehends jämmerlicher. Zu Hause stand er unter dem Pantoffel seiner Frau und seiner ihr darin absolut ähnlichen vorlauten Tochter. Er begann eine ausweglose Liaison mit der Mama-san seines Stammlokals, die ihrerseits wohl einen Zuhälter hatte, und schließlich machten sich die beiden nach langem Hin und Her aus dem Staub.
Ich hätte es schick gefunden, wenn sie nach Südamerika abgehauen wären, aber wie mir zugetragen wurde, halten sie sich noch immer in der Präfektur Köchi versteckt. Meine Mutter hat ihnen nicht nachgespürt.
"Besser so, ohne deinen Vater. Dann leben wir beide eben zusammen."
Meine Mutter konnte gut verzichten. Manchmal hatte ich das Gefühl, als hätte ich einen Schwulen zur Mutter.
Damals war ich noch zu jung und verstand nicht richtig, was vor sich ging.


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von FolkZeQuè TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Die neunzehnjährige Saya irrt etwas desorientiert durchs Leben. Zwischen Alkohol und wechselnden Liebesbeziehungen trifft sie schließlich auf den rund zwanzig Jahre älteren Bogey und verliebt sich in ihn. Sie ist Literatur-Studentin und arbeitet nebenher als Hostess, er liebt das Glücksspiel und begibt sich, um das nötige Geld zu verdienen, immer wieder in eine gesetzliche Grauzone.

Das in etwa ist der grobe Rahmen des Romans. Für meinen Geschmack fehlte der Geschichte eine klare Handlung ... denn sie plätschert ohne große Höhepunkte oder gravierende Ereignisse so vor sich hin. Vielmehr wird die Entwicklung der Liebesbeziehung zwischen den beiden geschildert, bei der man der Ich-Erzählerin Saya zwar gut folgen kann, die ohne viel Handlung auf Dauer aber ermüdend ist. Höhen wechseln sich ab mit Tiefen, teils bedeutend, teils banal. Aber Spannung kommt nicht wirklich auf. Hin und wieder empfand ich Sayas Entwicklung als nicht schlüssig; so erzählt sie auf der einen Seite, dass sie kaum eine freie Minute habe, bloß um auf der nächsten zu sagen, sie habe überhaupt nichts zu tun - ohne, dass dazwischen etwas passiert ist. Im Großen und Ganzen ist Saya aber eine in sich durchaus schlüssige Figur.
Die Sprache des Buches ist sehr einfach, direkt, schnörkellos (»Um die Leere in mir zu stopfen, stopfte ich das Loch zwischen meinen Schenkeln«) und lässt sich gut und flüssig lesen.

Wer nach einem Buch mit gelungenem und ausgefeiltem Plot sucht, sollte von »Tokio Girl« Abstand nehmen. Wer dagegen mehr die Entwicklung einer ziellosen Protagonistin, die ihren vermeintlichen Traummann gefunden hat, verfolgen und eher mit dem Innenleben der Erzählerin Vorlieb nehmen will, der darf sich durchaus mal an das Buch wagen. Für einen Entwicklungs-Roman ist der Prozess, den Saya durchmacht, allerdings nicht tiefschürfend genug ausgearbeitet.

Fazit: Kein besonders großartiger Roman, aber es gibt sehr viele schlechtere.
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