ich kannte no-man lange vor porcupine tree, obwohl beide acts ca. gleich alt sind. damals war das projekt von tim bowness und steven wilson noch schwer dancebeat-orientiert. 1992 präsentierten sie sich live als vorgruppe von ultravox. dabei wurden sie von den ex-japan-mitgliedern jansen/barbieri/karn unterstützt. von daher rührt auch richard barbieris teilnahme an porcupine tree. im lauf der jahre entstanden unter dem projekttitel no-man vielseitige, unheimlich schöne, stets unberechenbare alben und outtake-sampler, von denen die meisten nicht mehr erhältlich sind, weil die popwelt verschlafen hat, was sich da zwischen massive attack, dem besten von depeche mode, radiohead der späten 90er, david sylvian etc.pp.. so abgespielt hat. die musikalische tendenz ging ähnlich wie bei talk talk 10 jahre zuvor in richtung ruhigen, ambientesken prog-pop. mit dem werk von 2003 haben sie dieser entwicklung die (hoffentlich nur vorläufige) krone aufgesetzt. rhythmik dient hier in 1. hinsicht dem spannungsaufbau und weniger der songstruktur. war das letzte werk 'returning jesus' schon slowcore, so ist '..we're stranger' no more mit tragfähigen drums bestückt, bloß weil die ja irgendwie zu amtlichen balladen gehören. das album steuert denn auch seine fett dramatischen höhepunkte (tracks 2, 5..) mittels verwobener, multiinstrumentaler atmosphären an. dieses machwerk ist DER knaller für die introvertierten, empfindsamen seelen unter euch. der verletzliche schmelz von mr. bowness' stimme mag gewöhnungsbedürftig sein (zumindest spaltet er meinen freundeskreis), kann aber ozeane von sehnsucht und zärtlichkeit erschließen. gar nicht dazu passen wollen seine oft finsteren lyrics, bei denen erlösung und hoffnung bloß zuckerguß für die ursächliche wehmut und den zynismus des seins sind. sperrt die ohren auf! sinkt tief! steven wilson hat viele akustische ebenen hintereinander geschaltet. ein paar geräusche erinnern mich an die minimalistischen highlights aus vangelis' bladerunner-soundtrack von 1980, soll nicht heißen daß das retro klingt. die vordergründig harmonische soundkulisse zirpt und sägt in den hinterzimmern der lautsprecher, daß ich mich frage, was noch dazu gehört oder was eigentlich bei mir im mietshaus so los ist. das duo laviert die tracks irgendwie um gewohntes songformat herum, so daß eine art hörspiel entsteht. hin und wieder macht sich ein refrain bemerkbar, magnetische melodien mit suchtfaktor 3000. ich habe gewiß den schrank voll sterbensmelancholischer musik, aber das hier schlägt dem faß den boden aus. abgründe.. abfahrten.. wir sehen uns im paradies, ich wünsche allen geneigten zuhörern einen goldenen trip in die wahrhaftigkeit einsamer stunden!