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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fesselnd, spannend, sehr lesenswert, 11. April 2008
Es gibt Bücher, da fragt man sich: Weshalb habe ich das nicht schon viel eher gelesen? Jacques Mesrine's Buch "Der Todestrieb" gehört zweifelsfrei dazu. Der Autor gibt seine Biographie in Romanform wieder. Und sein Leben verlief alles andere als langweilig. Bankräuber, Mörder, Gewaltverbrecher, Zuchthäusler, Bestsellerautor. Hier schrieb keiner, der sich Krimi-Geschichten in seinem stillen Kämmerlein ausgedacht hat, sondern einer, der sie erlebt hat. Fesselnd, spannend, sehr lesenswert.
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kriminalgeschichte aus der Sicht des Täters, 9. September 2005
Dies ist die Autobiographie eines Gewaltverbrechers, den die französische Presse teilweise zu einem romantischen Spitzbuben erhob. Es handelt sich hier um Kriminalgeschichte, geschildert aus der Sicht des Täters. Alles ist so geschehen. Keine Fiktion. Das Blut der Opfer, die Gewalt und das damit verbundene Leid in den Seiten ist authentisch. Es ist kein Roman, und je nach Position des Lesers wird man dieses Buch mit Abscheu oder Respekt lesen. Es lässt niemanden unberührt, soviel ist klar. Dieses Buch, dass in Summe ein Trip durch eine Abwärtsspirale von Gewalt und Verbrechen ist, findet seinen zeitlichen Platz nach Henri Charrieres (französischer Gefängnisausbrecher und Autor) „Papillion" und vor dem fiktivem neunziger Jahre- Bestsellerroman „Baise-Moi" von Virginie Despentes. Beeinflusst vom „Todestrieb" war auch die französische Musikszene. Zwei Songs, Instinct de Mort und Le Mitard (auf dem Album „Repression"), der populären französischen Hardrock- Band namens Trust basieren auf Jacques Mesrine. Während einer seiner zahlreichen Gefängnisaufenthalte schrieb Mesrine 1977 die vorliegende Biographie. Als es an die Veröffentlichung seiner Biographie ging, erließ das französische Parlament noch im selben Jahr das so genannte "Loi Mesrine": es darf niemand mehr Gewinn mit der Veröffentlichung seiner Verbrechen machen. Mesrine begann seine Verbrecherkarriere 1961. In einem detailverliebten und spannenden Erzählstil, der dem Henri Charrieres in weiten Passagen auffallend ähnelt, folgt der Leser Mesrine dem Weg vom rebellischem Kind zum Schulversager und anschließend zu dem Menschen, der dem bürgerlichen Teil der französischen und kanadischen Gesellschaft den Krieg erklärt. Banküberfälle, Kidnapping, Einbrüche, Gefängnisausbrüche, Morde und sogar ein Angriff auf einen Hochsicherheitstrakt sind an der Tagesordnung. An einer Stelle bekennt sich der Autor fast schon süffisant offen zu angeblichen 39 Morden. Ob dies nur Übertreibung war, überlässt Mesrine dem Leser. Er stellt sich als Mann ohne Angst dar, denn „das Leben endet immer mit dem Tod, darauf muss man vorbereitet sein". Er beschreibt sein Leben mal mit nüchternen, mal mit reißerischen Worten, die dem Leser einen Einblick in sein Leben als Gesetzloser aus Leidenschaft und Ausweglosigkeit vermitteln sollen. Er vergisst nicht auf seine Beziehungen zu Frauen einzugehen und seine Rolle als Familienvater zu beleuchten. Im Mittelpunkt stehen aber natürlich seine Verbrechen, für die Mesrine immer eine Rechtfertigung parat hat, gemessen an seinen eigenen Moralvorstellungen. Die Ursachen für seine Lebenshaltung findet Mesrine zum einen in der Gesellschaft, die aus langweiligen „Jedermännern" besteht. Ein anders Mal bekennt er sich offen zu seiner Faulheit und Unlust mit „bürgerlicher" Arbeit Geld zu verdienen. Für ihn ist es viel aufregender und einfacher mit Verbrechen sich einen teils verschwenderischen Lebensstandard zu schaffen. Parallel kommt seine Gewissenlosigkeit hinzu, die es ihm scheinbar erst ermöglicht, Verbrechen in dieser hohen Zahl und Dreistigkeit zu begehen. Nach seiner Philosophie zahlt sich für Mesrine das Verbrechen aus. Nicht nur materiell, sondern auch in seinen Rachegelüsten gegen bestimmte Personen, aber vor allem gegen die von ihm empfundene Ungerechtigkeit der normalen Gesellschaft. Besonders die Gesetzeshüter, die ihm seine Freiheit streitig machen wollen, sind Mesrines größte Feinde. Mehrere gescheiterte Versuche in das bürgerliche Leben zurückzukehren, rechtfertigt Mesrine damit, dass die bürgerliche Gesellschaft ihm nicht seine Vergangenheit vergeben konnte. Aus der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit, sieht er nur den Ausweg in die „Gesellschaft" zurückzukehren, in der das Recht des Stärkeren gilt, aber nicht das bürgerliche Gesetz - Sin City in Paris, gewürzt mit einer Portion Wild-West Mentalität. Mesrine war Zeit seines Lebens ein großer Selbstdarsteller. Der Höhepunkt seiner Selbstdarstellung ist sicherlich das vorliegende Buch. In Interviews versuchte er später die Öffentlichkeit von einer politischen Motivation seines Handelns zu überzeugen. Er prangerte in der Presse die Unmenschlichkeit der französischen und kanadischen Gefängnisse, insbesondere die der Hochsicherheitstrakte, an. An dieser Stelle knüpfte er offensichtlich an Charriere an, der Jahre vor ihm die Kritik am französischen Gefängnissystem in „Papillion" auf einer breiten Ebene etablierte. Mesrines Kritik war sicherlich in einigen Aspekten gerechtfertigt, aber als Rechtfertigung für seine Verbrechen kann selbst der toleranteste Leser das nicht gelten lassen. Dennoch zollte die französische Öffentlichkeit bis 1979 keinem Verbrecher mehr Aufmerksamkeit, die von einem nicht unerheblichen Anteil von Respekt geprägt war. Mesrine wurde vor allem in den Siebziger Jahren mehr und mehr zur lebenden Legende. Diese Situation war für das französische Rechtssystem nicht mehr länger tragbar. Die Folge: am 02.11.1979 wurde Mesrine von Scharfschützen mit 19 Schüssen durch die Windschutzscheibe seines Autos getötet. Es hieß, es sei Notwehr gewesen. Er hatte angeblich Handgranaten bereitgehalten. Das letzte Duell verlor Mesrine.Dem Leser bleibt es überlassen, dies als Märtyrertod zu interpretieren. Wahrscheinlich würde Selbstdarsteller Mesrine würde diese Märtyrerrolle sicherlich gefallen. Es ist allerdings wenig zweifelhaft wie die Opfer und deren Angehörigen über Mesrines Tod dachten. Dieses Buch verdient meiner Ansicht nach 5 Sterne, vor allem aufgrund seines zeitgeschichtlichen Stellenwertes und dieser einmaligen subjektiven Perspektive des Autors auf diesen Zeitabschnitt. Ob man wirklich in diese Welt des Jacques Mesrine auf literarischem Weg eintauchen will, bleibt jedem selbst überlassen. Aber der Mensch liebt seit jeher die Sensation, die Gefahr und das Verbotene - und keiner wusste das besser als Jacques Mesrine.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
erschreckend faszinierend, 8. Januar 2006
In Frankreich wurde nach der Erstveröffentlichung dieser Autobiographie ein Gesetz erlassen, welches im Volksmund den Beinamen "la loi mesrine" erhalten hat, wonach sich kein Verbrecher durch die Publizierung seiner Verbrechen bereichern darf. Das Buch war 1977 nämlich ein Renner, der Autor bekam von Teilen der Bevölkerung Kultstatus zugesprochen. Dabei ist Mesrine ein Gewaltverbrecher, der in seiner in einem französischen Gefängnis geschriebenen Biographie Bankraub mit ganz ernsthaftem Unterton als "seine Arbeit" bezeichnet und zudem zahlreiche Tötungsdelikte begangen hat, die er in dem Buch auch alle eingesteht. Seine damalige eigentümliche Popularität kann man nach der Lektüre des Buches durchaus nachvollziehen, strahlt doch die Lebensgeschichte des Gangsters und auch die Art, wie er diese beschreibt, auch heute noch etwas faszinierendes aus. Zum einen aufgrund der Dreistigkeit, mit der Mesrine der Obrigkeit die Stirn bot, aufgrund der Schläue, die ihm mehrere Ausbrüche aus sogenannten Hochsicherheitstrakten in Frankreich und auch in Kanada ermöglichte, aufgrund der fast politisch zu nennenden Agitation gegen menschenunwürdige Zustände in manchen Gefägnissen zur damaligen Zeit, zum anderen aber auch aufgrund einer gewissen pathetischen, selbstverklärenden Gangsterromantik. All dem kann man sich nur schwer entziehen, man muss sich wirklich anstrengen, nicht durchgehend und ausschließlich Partei für den Autor zu ergreifen. Und das hätte er kaum verdient, weil er nämlich bei Lichte betrachtet ein recht empatieloses, kaltes Monstrum gewesen ist, auch wenn er - im Gegensatz z.B. zu Sobota, der mit "Minus-Mann" eine noch erschreckendere Gangsterautobiographie abgeliefert hat - versucht hat, gewisse ethische Mindeststandards jedenfalls gegenüber Personen, die nicht der Obrigkeit angehörten, einzuhalten. Soweit Mesrine durchklingen lässt, die Gesellschaft, insbesondere aber die Lebensumstände während seiner Haftverbüßungen, hätten ihn zum Monstrum werden lassen, belegt seine vita dies nicht wirklich. Eher scheint da schon der Algerienkrieg - zeitlich vor seinen Haftzeiten gelegen - eine gewisse Bruchstelle zu sein. Gleichwohl ist unabhängig von der persönlichen Schuld Mesrines dessen Kritik am kanadischen und insbesondere französischen Strafvollzug jener Zeit nur allzu berechtigt, was er durch ausführliche Beschreibungen der Haftbedingungen eindringlich belegt. Mesrine schreibt gegen Ende des Buches, wenn er nochmals die Freiheit erlange, werde er entweder frei bleiben oder getötet werden müssen. Er ist nochmals ausgebrochen und wurde wenig später von einem 50köpfigen Polizeikommando in seinem Auto sitzend erschossen. Mesrine hat also auch den Showdown gegen die französiche Staatsmacht gewonnen, die ihn nicht mehr lebendig fassen konnte oder wollte. Lesenswert ist ein Bericht über ein derartig konsequent gelebtes Leben allemal.
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