Das ist also das zweite Abenteuer der "Corporation", die sich auf dem schwerbewaffneten und mit Technik vollgepackten Quasi-Hilfskreuzer OREGON angesiedelt hat und unter Leitung ihres einbeinigen Kapitäns Juan Cabrillo haarsträubende Abenteuer in aller Welt erlebt.
Wenn ich jetzt etwas Lobendes über das Buch finden wollte, würde ich anführen, das ich es an einem einzigen Tag durchgelesen habe. Und es 500 Seiten dick ist.
Das ich kaum davon trennen konnte, liegt allerdings daran, das ich es schlichtweg einfach hinter mich bringen und zu meinen ganzen anderen Cussler-Titeln ins Regal stellen wollte. Und die 500 Seiten führe ich an, weil ich bei vermutlich 700 (wie manche frühere Cussler-Titel hatten) vermutlich irgendwann vorher aufgehört hätte.
Denn: Ich mag Clive Cussler als Autor sehr gern. Oder hätte ich sonst all seine bisherigen Bücher? Aber die Idee, aus den in "Höllenflut" erstmals auftretenden seefahrenden Ex-Agenten und Super-Söldnern und ihrem Wunderschiff eine neue Serie zu machen, hätte er besser umgehend wieder in den Papierkorb befördert.
Was bei dem großen Vorbild Mission Impossible (deutsch: Kobra, übernehmen sie) in einer dreiviertelstündigen Fernsehserie zusammengepackt gut genießbar sein mag, wird als Buchtitel zur schlichten Farce.
Eine einzige Aneinanderreihung kleinerer und größerer Pannen dient dazu, massenweise Verfolgungsjagden zu inszenieren. So kann man dann auch die Übermenschlichkeit der viel zu zahlreichen Helden hervor heben, die mit schlichtweg allen Aufgaben problemlos zurecht kommen, endlos viele Stunden ohne Schlaf verbringen sowie nur so vor Geld und guten Beziehungen strotzen.
Und für die Bürokratie und hinderliche Gesetze seltsamerweise immer nur dann existieren, wenn für das Autorenduo Cussler/Dirgo gerade wieder Bedarf besteht, ihnen einen hinderlichen Stein in den Weg zu legen.
Diese Darstellung bringt nebenbei auch noch mit sich, das Menschen außerhalb der USA zu dumm und unfähig sind, terroristischen Bedrohungen Einhalt zu gebieten.
Zur Handlung: Die raffiniert verdrillten Plots früherer Dirk Pitt-Bücher, bei denen historische Ereignisse als Startpunkt dienen und im Buch geschickt Fäden gesponnen werden, die am Ende zurück zum Geheimnis führen, gehören leider der Vergangenheit an.
Ich stelle ja auch keine großen Ansprüche an die Intelligenz der Autoren, so lange nur eine halbwegs unterhaltsame "Räuberpistole" rausspringt.
Aber die Story um einen radioaktiven Meteor, dem später noch ein weitaus größeres Geheimnis hinzu gefügt wird, eine russische Atombombe in den Händen von islamischen Fanatikern und den noch sinisteren Plänen eines amerikanischen Milliardärs ist nun wirklich platter als ein Bierdeckel. Genauso flachgedrückt sind die Charaktäre in den Reihen der Guten und nicht mal Juan Cabrillo erhält den Ansatz eines menschlichen Privatlebens.
Dafür bleibt bei der Aneinanderreihung von Verfolgungs- und Kampfszenen, Reisen um die halbe Welt und stets so gut wie ohne Streit ablaufenden Auftragsbesprechungen ja im Buch auch gar keine Zeit.
Wer jedoch allein auf Action steht und sich an einer absolut gnadenlosen Glorifzierung des American Way of Life nicht stört, kann mit dem Buch vielleicht glücklich werden.
Absolut unverdrossene Cussler-Fans freut es dafür sicherlich, das schon wieder der absolut ausgelutschte Running Gag mit dem Auftauchen von Cussler persönlich vorkommt. Der prompt als göttlicher Fingerzeig fungiert....
Doch jetzt mein Fazit:
Ich selbst hätte nicht gedacht, das es nach dem zumindest als passabel einzustufenden "Der goldene Bhudda" mit dieser neu begonnenen Serie so stark bergab gehen würde. Geschweige denn, das ich in meiner allerersten Online-Rezession einen Clive Cussler gnadenlos verreißen würde. So grottenschlecht war wirklich kein anderes Buch von ihm zuvor.
Und auch wenn er selbst es leider niemals lesen wird:
Lieber Clive, gönn dir deinen fleißig erschriebenen Wohlstand, fahr ein paar von deinen Oldtimern spazieren und schick gleich noch Juan Cabrillo und seine millionenschwere Crew in Frührente.