Wie schön, dass Andreas Dorau ein neues Album gemacht hat! Und wie gut es geworden ist! Es ist wirklich jammerschade, dass das deutsche Durchschnittsohr, weichgespült von der immergleichen Reißbrettkacke die auf Bayern/Hessen/SWR/ETC 3 dudelt, diesen bemerkenswerten Künstler seit Jahren überhört, und gnadenlos in den Regalen der Plattenläden liegen lässt. Ist es der Frust darüber, der Herrn Dorau bewogen hat, sein Album "Todesmelodien" zu nennen? Denn wer sich unter "Todesmelodien" ein düsteres, getragenes Album in Moll vorstellt, der irrt gewaltig. Sicher, bei nahezu allen Songs dieses Albums hängt thematisch irgendwie eine gewisse Verdrießlichkeit mit im Raum, die durch die Melodien allerdings schnell aufgelöst wird. Es kann sich wirklich niemand so charmant über Größenwahn, Neid, Trennung oder menschliche Inkonsequenz auslassen wie Herr Dorau, ohne dabei zu nerven (außer vielleicht auf dem Titel "Ausruhen", da hätte er vielleicht mal einen Schluck Wasser vor der Aufnahme trinken sollen). Der dorau'sche Sound hat sich auf "Todesmelodien" ein wenig verändert: weniger housig und elektronisch und keine Samples wie auf den Vorgängern, dafür etwas mehr "live"Sound mit Klavier, Schlagzeug, Gitarre... das mag dem Dorau-Fan im ersten Moment missfallen, klingt aber echt gut, und ist natürlich trotzdem Dorau: hier eine überraschende Harmonie, da eine etwas schief intonierte Melodie bei der man nicht das Gefühl hat, sie schon tausendmal vorher gehört zu haben, dann wieder fast schon banaler Tralala-Pop auf grooviger Bassline, ein paar Synthie-Sounds gibt es ja trotz allem noch, und auf einmal ertappt man seine Finger dabei, wie sie bei "Größenwahn" von alleine angefangen haben, mitzuschnippen. Kurz gesagt: Wer Andreas Dorau nicht kennt, hat was verpasst.
Anspieltipps: Größenwahn, Stimmen in der Nacht, Es war hell