Menschenhandel, illegale Adoptionen, Prostitution und weitere Verbrechen. Eine erschütternde, brutale Mischung, die Michael Robotham in seinem Thriller Todeskampf" (Originaltitel: The Night Ferry") aus dem Jahre 2007 verarbeitet. Natürlich kennt man diese Themen aus den Medien und doch wurde selten mit solcher Eindringlichkeit darüber erzählt, wie in diesem Buch.
Das hochspannende und dramatische Geschehen entwickelt sich mit einer gehörigen Portion Action und rasantem Handlungsgeschehen. Schonungslos konfrontiert Robotham den Leser mit den Schrecknissen und Schicksalen, denen illegale Einwanderer ausgesetzt sind und gewährt Einblick in die Machenschaften skrupelloser Geschäftsleute und Verbrecher.
In "Todeskampf" beschreibt Robotham auf brillante Weise, wie die junge Londoner Polizistin, Detective Constable Alisha Barba, den Mord an ihrer besten Freundin Cate versucht aufzuklären, die sich auf einem Klassentreffen, kurz vor ihrem Tod, noch verzweifelt und hilfesuchend an sie gewendet hatte, ehe sie auf tragische Weise ums Leben kommt. Alle glauben an einen Unfall, doch in diesem Fall ist nichts so, wie es scheint.
Schockiert über die nur vorgetäuschte Schwangerschaft der in ihren Armen gestorbenen Freundin, macht sich die Ermittlerin, gegen den Willen ihrer Vorgesetzten auf eigene Faust auf den Weg nach Amsterdam, der Hochburg der Prostitution. Zu erschütternd war das, was sie in London herausgefunden hat, als das sie von diesem Fall, der für sie eine sehr persönliche Bedeutung erlangt hat, ablassen kann. So geht es noch tiefer in den Sumpf des Verbrechens und seine schlimmsten Auswüchse wie Kinderhandel, das Schleusen von Menschen und Mord.
Im niederländischen Asylantenmilieu lernt Alisha die junge, mit Zwillingen schwangere, Afghanin Samira kennen, deren Leben durch mysteriöse Umstände plötzlich mit dem ihren verknüpft ist. Nur dieses Mädchen scheint die Antworten auf Alishas Fragen zu kennen. Doch noch bevor sie diese erfährt, ist Samira verschwunden. Als Alisha sie schließlich wiederfindet, liegt Samira in den Wehen und zwei Killer sind ihnen auf den Fersen. Ein dramatischer Wettlauf beginnt.
An Alishas Seite ist der mittlerweile pensionierte Detective Inspector Vincent Ruiz, nicht nur ihr ehemaliger Vorgesetzter, sondern mittlerweile auch ein guter Freund. Der wortkarge aber dennoch liebenswerte, manchmal undurchschaubare alte Mann tauchte schon in den ersten beiden Büchern von Michael Robotham auf (Adrenalin" und Amnesie"). Nur ist er diesmal nicht der Hauptprotagonist, wie im Vorgängerbuch, sondern eine Nebenfigur, die aber dennoch enorm wichtig für das Buch ist.(Eine wirklich interessante und gelungene Idee Robothams, Figuren aus früheren Büchern immer wieder in unterschiedlichster Konstellation und Bedeutung auftreten zu lassen. So hat man das Gefühl in jedem neuen Buch immer auch etwas über liebgewonnene Gestalten aus vorangegangenen Werken zu erfahren.) Ruiz stürzt sich mit Alisha in die Ermittlungen und riskiert nicht nur Kopf und Kragen, sondern auch buchstäblich sein Leben.
Der Thriller hat alles, was nötig ist, um sich auf großartige Weise unterhalten zu lassen und einige wunderbare Stunden voller Spannung zu vollbringen.
Michael Robotham läßt seine Protagonistin als Ich-Erzählerin auftreten, was ihm erstaunlich gut gelingt. Man fühlt und leidet mit der Heldin und ist immer wieder verblüfft, wie unverblümt und voller Zynismus sie mit allem fertig wird, was das Leben ihr an Widrigkeiten in den Weg stellt. Die Einblicke in die Lebensweise der indischstämmigen Gemeinschaft in London ist dabei erfrischend humorvoll und doch gleichzeitig eine genaue Milieuschilderung. Ob sich Alisha nun gegen ihre Brüder durchsetzen muss oder sich den Versuchen ihrer Eltern erwehrt, die sie unbedingt zu einer anständigen Sikh-Ehefrau machen wollen. Auch die Sitten und Gebräuche der indischen Einwanderer finden Platz in der Erzählung und machen die Geschichte so glaubhaft. Kleine Details, wie die Sammelleidenschaft Alishas für Elefanten, ihre Entschlossenheit, ihre innere Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen zu stehen, sind es, welche es dem Leser möglich machen, die Hauptperson so ins Herz zu schließen.
Durch seine eigenen, umfangreichen Recherchen gelingt es Robotham, seine Leser noch anschaulicher durch die Straßen von Amsterdam, der Stadt auf den unzähligen Pfählen, wandeln zu lassen und zeigt dabei nicht nur die Sehenswürdigkeiten und die schönen Seiten, sondern taucht auch ein in die dunklen Gassen und das berüchtigte Rotlichtviertel.
Das alles verleiht der Geschichte unheimliche Tiefe und Intensität.
Bisher auf Deutsch von Michael Robotham erschienen:
1. Adrenalin (2004) Originaltitel: "The Suspect"
2. Amnesie (2005) Originaltitel: "The Drowning Man" auch unter dem Titel
"Lost" veröffentlicht
3. Todeskampf (2007) Originaltitel: "The Night Ferry"
4. Dein Wille geschehe (2008) Originaltitel: "Shatter", auch unter dem Titel
"The Sleep of Reason" veröffentlicht
Bislang nur auf Englisch von Michael Robotham erschienen:
5. Bombproof (2009)
6. Bleed for Me (2010)
Fünf Sterne für ein Buch voller Spannung, Atmosphäre, Glaubwürdigkeit und Tiefgang. Kein Buch, das den Leser kalt lässt und ganz sicher eines, dass lange in Erinnerung bleibt. Man darf gespannt sein auf die nächsten Bücher dieses großartigen Autors.