Dieses Buch verdient meiner Meinung nach uneingeschränkt das Prädikat "packend". Die Geschichte um einen Skelettfund, der die Ermittler in verschiedene Richtungen recherchieren lässt, wird von Seite zu Seite interessanter und fesselnder.
Die Erzählidee, einen doppelten Handlungsstrang einzuflechten, ist nicht neu, wird vom Autor aber sehr gelungen umgesetzt: Indridason lässt in der Gegenwart die Ermittler um den rauen, etwas depressiv anmutenden leitenden Polizisten Erlendur den unterschiedlichen Hinweisen nachgehen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wessen Leiche in der Baugrube liegt und obwohl der Leser schnell einen Verdacht hat, wird dieser im Lauf der Erzählung immer wieder in Frage gestellt. Parallel dazu erzählt Indridason die Geschichte einer Familie, die vor einigen Jahrzehnten unweit des Skelettfundortes gelebt hat. Düster und ohne Schonung zeichnet der Autor das Bild von brutaler Unterdrückung und Gewalt in der Familie.
Die beiden Handlungsstränge nähern sich gegen Ende einander an, um schließlich miteinander zu verschmelzen.
Indridason hat mit "Todeshauch" ein Buch geschrieben, dessen Spannung sich allmählich aufbaut und ohne reißerische Effekthascherei auskommt. Es sind die ruhigen, langsamen Töne, die die Erzählung so fesselnd machen. Passend zum Inhalt gesellt sich die isländische Kulisse hinzu, welche düster, rau und unwirtlich geschildert wird und der Geschichte einen ebensolchen Rahmen gibt. Die handelnden Personen werden plastisch und detailliert charakterisiert, mit Ecken und Kanten, eigenen Sorgen und Nöten. Dies ist es, was den zusätzlichen Reiz des Buches ausmacht: Es lebt von seinen "menschlichen" Protagonisten, der eisigen und unwirtlichen Kulisse Islands und viel Gespür des Autors für subtile Spannung. Mit einem Wort: "packend".