Warum dieser Roman einen Preis gewonnen haben soll, ist mir völlig schleierhaft, weil die Autorin - von den letzten 10 Seiten abgesehen - es konsequent darauf anlegt, Spannung zu vermeiden. Ein Gutteil der Ereignisse wird aus der Retrospektive berichtet, d.h. statt spannender Dialoge lesen wir Grammatikübungen zur indirekten Rede ("er habe", "sie sei", "sie verschwänden jetzt besser"), tja, Frau Wyss beherrscht den Konjunktiv, und dann präsentiert sie uns mit ihrer Heldin auch noch eine Kopfgeburt aus Unwahrscheinlichkeiten und Klischees, eine promovierte, geschiedene Juristin mit einer New-Age-Tussi als Mutter und einem biederen Polizisten als Vater, die ihren Sohn wie eine Wölfin verteidigt und ansonsten supersexy und supermordern ist. Ich zitiere: "Weg mit den Stöckelschuhen, der Jacke, der gestreiften Bluse, mit Rock und Strümpfen; Umziehen heißt in jedem Fall Freiheit, Freizeit, Ferien. Der Sonnenstand löst einen Hormonschub nach dem anderen aus. Heute ist das Bad besetzt, also noch keine Dusche. Rasch in den Minirock, ich liebe es, hier oben in der Wohnung ein knappes Shirt unter einem leichten Hemd zu tragen, meine Zehen genießen die Espadrilles..." Liebe Frau Wyss, Sie schreiben wie ein Backfisch...