Da hat sich der Verlag aber wirklich viel Zeit gelassen. Zwischen dem neunten und zehnten Teil lagen mal eben drei Monate und bei der Vielzahl an Büchern, die ich so lese, habe ich schon ein wenig gebraucht, bis ich wieder in die Geschichte reingekommen bin. Das trübt den Lesegenuss ungemein, aber meine Lieblingsbruderschaft hat mich dann doch recht schnell wieder völlig in ihren Bann geschlagen.
Noch immer im Mittelpunkt der Geschehnisse: Vishous und sein Fräulein Doktor. Oder doch nicht? Ich finde, zum ersten Mal ist die Liebesgeschichte wirklich arg in den Hintergrund gerutscht. Früher dominierten ja die Liebeleien und Bettszenen erheblich, in "Todesfluch" hingegen nehmen Personen wie Phury, Cormia und John mindestens den selbem Stellenwert ein. Ob das jetzt gut oder schlecht ist? Schwer zu sagen. Zumindest für den letzten Bruder in der Runde, Phury, war die Kürzung gut. Aber alles der Reihe nach...
Sextechnisch gesehen gehen Vishous und Jane ja gleich zu Anfang in die Vollen und ich dachte mir schon, dass V auch hinsichtlich einer möglichen Beziehung mit seiner Ärztin keine Abstriche in den Vorlieben machen muss. Schnell holt die beiden jedoch die Realität wieder ein und nach einigem Hin und her scheint die endgültige Trennung der beiden unausweichlich. Das ein gebundener Vampir aber ohne seine Shellan nicht kann, dürfte jedem BDB-Begeisterten sofort klar sein... leider muss ich sagen, dass mir V ein bisschen zu schnell zu weich geworden ist. Es ist fast schon ein wenig absurd, wenn ein 2 Meter Hüne von einem Mann, dessen Vorlieben in den letzten 300 Jahren harte SM-Spielchen mit Knebeln und Fesseln waren, plötzlich butterweich wird und seiner Liebsten alles von den Augen abschmachtet. Ansonsten war die Liebesgeschichte wie immer sehr schön :)
Zwei weitere Charaktere werden auch genauer unter die Lupe genommen: Phury und Cormia. Während er seiner neuen Rolle gerecht werden muss, muss sie erfahren, wie anders die Welt jenseits der Sphäre ist, in der sie bisher gelebt hat. Dabei darf man sich Cormia wie die einstige Marissa hoch zehn vorstellen. Null Ahnung von Männern bzw. im Umgang mit technischen Entwicklungen total planlos. Es bleibt abzuwarten, wie es mit den beiden Unerfahrenen weitergeht, aber ohne zu viel zu verraten, ist ja abzusehen, dass es da noch ordentlich knistern wird.
Und auch über John erfährt man als Leser viel Neues! Seine lang herbeigesehnte Transition läuft endlich von statten! Vielleicht bin ich ja die Einzige, aber in meiner Fantasie bleibt John wahrscheinlich für immer der 14-jährige Halbwüchsige- Transition hin oder her. Mag vielleicht an seinem Verhalten liegen, das teilweise wirklich noch sehr kindlich ist. Da kann die Autorin noch so oft von seiner Größe, Breite, Länge, etc. erzählen...
Dann noch eine Bemerkung zu den Lessern. Was ist denn da los? Die sind ja faktisch so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Wo bitte ist da noch die Bedrohung? Mal ganz abgesehen von dem einen Lesser, der dann noch das "Glück" hatte, diesen Volltreffer zu erlangen und damit ein völlig kitschiges und dermaßen unglaubwürdiges Ende einleitet, scheinen Omega und co. wirklich im Urlaub zu sein. Finde ich persönlich echt Schade.
Für mich war das Ende schließlich auch der Grund für die Punktevergabe. Eigentlich wollte ich erst drei Sterne geben, weil ich den Abschluss und die Auflösung der Plots einfach nur lächerlich fand. Die einen nennen es Gleichgewicht, ich denke da eher an Willkür. Insgesamt war es dann aber doch zu gut für nur ein Okay, deswegen vergebe ich vier Sterne. Spannung Pur wie immer und ich warte sehnsüchtig auf den nächsten Teil, denn die Autorin hat andeutungsweise mindestens noch zehn neue Handlungsstränge erworfen und ich platze fast vor Neugier darüber, wie es weitergeht. Fans der Serie werden wieder voll auf ihre Kosten kommen!