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Ein Todesfall in der Familie. Roman [Rowohlt Jahrhundert 86]
  
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Ein Todesfall in der Familie. Roman [Rowohlt Jahrhundert 86] [Broschiert]

James Agee
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Produktinformation

  • Broschiert: 378 Seiten
  • Verlag: Rowohlt TB-V., Rnb. (Juli 1993)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499400863
  • ISBN-13: 978-3499400865
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.075.960 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Format:Gebundene Ausgabe
Knoxville in Texas, weit im Süden der USA gelegen, ist der Ort einer Handlung, die von der ersten Zeile an mit dramatischem Sog in ein schicksalhaftes Geschehen führt.

Atmosphärisch dicht und von tief innerlichen Gefühlen geprägt lenkt der Roman des bereits 1955 verstorbenen Autor James Agee die Aufmerksamkeit auf das Geschick einer jungen Familie, das fast in einer Art Kammerspiel dargeboten wird.
Umhüllt von heimeliger Dunkelheit und dem Sternenglanz kommen ein Vater und sein kleiner Sohn von einem Kinobesuch nach Hause. Das Leben zeigt sich friedlich, geborgen und trostreich. Die liebevollen Familienbande sind intakt und versprechen harmonische Idylle.
Catherine und Rufus, die beiden Kinder, gehen zu Bett.

Szenenwechsel: mitten in der Nacht schrillt das Telefon. Unruhig geht Jay, der junge Familienvater, ans Telefon. Jeder Ton und jeder Schritt wird verzeichnet, so dass eine untergründige Spannung entsteht.
In einem stockenden Telefonat berichtet der Bruder von Jay, dass der Vater erkrankt sei, wie schwer, ist kaum auszumachen. Zögerlich, zuletzt aber doch überzeugt, dass er besser gleich aufbricht, bereitet sich Jay auf die Nachtfahrt zu seinen Eltern vor. Liebevoll bereitet ihm Mary noch ein Frühstück und liebevoll ist der Abschied, fast, als wäre es für immer. Er denkt an die Kinder und versichert immer wieder, dass er schon morgen zurück sein werde.
Mary findet kaum Ruhe nach seiner Abfahrt. Sie hält Zwiesprache mit Gott, und aufmerksam hört man von einem Familienkonflikt, der das Glück überschattet: Mary ist fromm katholisch, Jay aber teilt ihren Glauben nicht. Sie fürchtet, dass die von ihr und ihrem Glauben geforderte katholische Erziehung der Kinder den Familienfrieden und den Zusammenhalt der Familie gefährden könnte.
Diese Szene ist grandios in ihrer dichterischen Aufbereitung.

In der Folge steigert James Agee die Spannung, denn erst spät am nächsten Vormittag kommt ein Anruf, in dem von einem Unfall die Rede ist, von dem Jay betroffen sei.
Das Protokoll einer Todesnachricht wird zu einem minutiösen Bericht des Unfallhergangs.

Wie die Verwandten sich um Mary scharen, was gesprochen, vermutet und befürchtet wird, das schwankt zwischen Hoffnung, ahnungsvollen Untergangsängsten, Glauben und Verzweiflung. Stimmungen und Gefühle, jeder Gang und jede Gebärde oder Verrichtung im Haushalt werden registriert. So entsteht ein genaues Abbild der Vorgänge, und man gelangt zu tiefen Einblicken in die Seelenzustände und Handlungen der Protagonisten. Der Zustand zwischen Realität und seelischer Befindlichkeit rührt an die Schmerzgrenze des Erträglichen.
Die eingeschobenen Reflexionen einzelner bieten den eigenartigen und faszinierenden Eindruck von lyrisch vorgetragenen Gedanken, die fast Gebeten gleichen.
Der vom Vater an die Tochter gerichtete Satz: "'Du musst immer daran denken, dass kein Mensch auf dieser Welt ein Vorrecht genießt. Jeden Augenblick kann die Axt auf den Nacken jedes Menschen niedersausen, ohne vorherige Warnung und ohne Rücksicht auf Gerechtigkeit" ' hinterlässt Schauer der Erschütterung mit seiner fast biblischen Weissagung.

Hinreißend ist die Beobachtung, wie ein Schmetterling aus dem versinkenden Sarg in den Himmel steigt. Symbolträchtiger geht es nicht, und symbolhaft beleuchtet er einen Religionskonflikt, der die Familiengeschichte durchzieht.

Nur drei Tage umfasst der Bericht, mit dem fast im Zeitlupentempo eine Aussage gelingt über das, was in den Empfindungen und Köpfen der einzelnen Familienmitglieder vor sich geht.

Wiewohl der Roman zur modernen amerikanischen Klassik gezählt wird, würde ich ihn aus der Menge der Neuerscheinungen als einen der besten dieses Frühjahrs herausheben.

James Agee wirkte in den vierziger Jahren als einflussreicher Drehbuchautor, Filmkritiker und Journalist in den USA. Sein unvollendet gebliebener Roman wurde in Deutschland 1962 zum ersten Mal auf Deutsch veröffentlicht. Nach seinem Tod wurde der Autor posthum mit dem Pulitzerpreis geehrt.
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Von Andreas Schröter TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Nach zwei Romanen von John O'Hara hat der C.H. Beck-Verlag nun einen weiteren Klassiker der modernen amerikanischen Literatur neu herausgebracht: "Ein Todesfall in der Familie" von James Agee aus dem Jahre 1957. Es geht um eine Familie in Knoxville, Tennessee, die den plötzlichen Autounfalltod des Vaters verkraften muss.

Herausragend an diesem Buch ist, wie genau und psychologisch stimmig Agee die Gefühlsregungen jedes einzelnen Familienmitglieds herausarbeitet, ohne dabei weinerlich oder sentimental zu werden oder sich in Klischees oder Allgemeinplätzen zu ergehen. Zentrale Figur ist der sechsjährige Rufus, der mit seinem Vater am Abend vor dessen Unfallfahrt ins Kino geht und eine große Sympathie für ihn empfindet. Nach dem Tod des Vaters zerfließt Rufus jedoch nicht in Tränen, sondern versucht aus der Situation Kapital zu schlagen: Gegenüber den anderen Jungen in Knoxville hat er nun etwas, das ihm Respekt einbringt - das sonst niemand anderes erlebt hat. Der Autor verarbeitet mit diesem Buch auch selbst Erlebtes: Als James Agee sechs Jahre alt war, verunglückte sein Vater Hugh James Agee ebenfalls bei einem Autounfall tödlich.

Das Positive an diesem Buch ist zugleich das Negative: Der Roman schreitet nur sehr langsam voran, weil Agee dem Innenleben seiner Figuren einen solch breiten Raum gibt. Handlung gibt es so gut wie keine. Überdies entwickelt sich das Thema "Tod und Trauer" zum harten Lesebrocken, wenn es sich über hunderte von Seiten erstreckt. Eine gewisse Zähigkeit ist die Folge, die dem Leser einiges an Durchhaltevermögen abverlangt.

Erwähnenswert ist die Einleitung, die auf wenigen Seiten ein atmosphärisch äußerst dichtes Stimmungsbild des Städtchens Knoxville im Jahre 1915 entwirft. Diese Passage ist von geradezu poetischer Schönheit.

Ein Subthema in "Ein Todesfall für eine Familie" ist Kritik an Kirche und Frömmigkeit. So verweigert der Pastor dem toten Familienvater einen Teil seiner Gebete, weil dieser nicht getauft ist. Einige Familienmitglieder ärgern sich über die ergebene Gottes-Fürchtigkeit der Ehefrau des Toten, Mary.

James Agee (geb. 1909), der auch als Journalist, Drehbuchautor und Filmkritiker arbeitete, erlebte die Veröffentlichung seines Buches nicht mehr. Er starb 1955 nur 45-jährig an einem Herzinfarkt. "Ein Todesfall in der Familie" war damals noch unvollendet. So war den Herausgebern unter anderem nicht klar, an welchen Stellen der Autor zwei längere Sequenzen einpassen wollte, die nicht zur erzählten Zeit der Geschichte gehörten. Sie haben diese Stellen im Buch in Kursivschrift gesetzt, so dass der Leser sie sofort vom übrigen Text unterscheiden kann.

Fazit: Einen großen Wert dürfte das Buch für alle Leser haben, die selbst gerade einen Trauerfall zu verkraften haben. Für alle anderen ist dieser Text ein harter Brocken, dessen literarische Qualität jedoch unbestritten bleibt.
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