Bereits nach seinem Debüt "Karrieresprung" fragte man sich gespannt, ob und wie es mit dem jungen Anwalt Stephan Knobel weitergehen würde. Es geht weiter, zum Glück, und Klaus Erfmeyer ist gelungen, woran andere regelmäßig scheitern: "Todeserklärung" übertrifft seinen Vorgänger sogar noch.
Ohne Umschweife wird man in die Geschichte und damit das Leben Stephan Knobels geworfen. Man begleitet ihn bei seinen Versuchen, private wie berufliche Herausforderungen zu meistern. Dabei trifft man alte Bekannte wieder, die sich entwickelt haben und im Verlaufe des Buches weiter entwickeln. Spannend ist, dass keiner der Charaktere ohne Fehler ist; schwarz-weiß Malerei ist Klaus Erfmeyer fremd. Das gilt insbesondere für seine Hauptfigur. Hier gelingt es dem Autor, Sympathie zu wecken, indem er sie nicht zu einem Helden macht. Stephan Knobel zaudert, ist überfordert, grübelt und wägt ab und, so hat man das Gefühl, selbst dann nicht immer glücklich mit seinen Entscheidungen. Dass die private Seite dabei einen wichtigen Teil der Handlung ausmacht, macht die Figur noch lebendiger.
Man merkt, dass Klaus Erfmeyer mit Leib und Seele Rechtsanwalt ist. Dabei ist es weniger die ohne Zweifel überraschende rechtliche Finesse der Geschichte, die einen zu diesem Schluss kommen lässt. Vielmehr ist es der Blick für Details und die Beschreibung der Menschen im Umfeld einer Kanzlei, die der oft als "trocken" empfundenen Materie Leben einhauchen und die Figuren so lebendig erscheinen lassen.
Klaus Erfmeyer gelingt dabei die sprachliche Ausgewogenheit zwischen Lebendigkeit und Präzision, Beschreibung und Analyse. Rechtliches wird, wenn nötig, kurz und verständlich dargestellt, häufig gewürzt mit dem trockenen Ruhrgebietshumor des gebürtigen Dortmunders.
Das Kanzleiumfeld bildet den Rahmen für eine spannende und verzwickte Handlung, die Abzweigungen nimmt und, wie das echte Leben, Überraschungen bereit hält. Die Geschichte wird immer vorangetrieben und niemals kommt Langeweile auf, gleich, ob Stephan Knobel auf privatem oder beruflichem Terrain kämpft, was einen unwillkürlich zu dem einzigen Kritikpunkt gelangen lässt: Man kann das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Am Ende ist man traurig, Stephan Knobel schon verlassen zu müssen und es bleibt die vertraute Frage: Wie geht es weiter? In der Hoffnung auf eine schnelle Antwort sei dieses Buch wärmstens empfohlen.