Mit absoluter Regelmäßigkeit veröffentlicht James Patterson ausserhalb seiner Serienklassiker rund um den Polizeipsychologen Alex Cross einerseits und den sogenannten Women's Murder Club mit seiner Hauptprotagonistin die Ermittlerin Lindsay Boxer andererseits für sich stehende Einzelthriller. Das besondere dabei ist, dass sie alle mit sogenannten Co-Autoren geschrieben wurden, aber unter Patterson's Namen im Buchhandel erscheinen. Manches mal kommen vorzügliche Thriller bei raus, manches mal allerdings auch eher absolute Fehltritte.
"Todesbote" liegt irgendwo dazwischen. Zum einen ist es ein hochspannender Roman mit einer irren Story im klassischen Pattersonstil (kurze, prägnante Kapitel und ein einfacher, aber gut lesbarer Schreibstil). Zum anderen aber zeichnet sich Todesbote durch die Beschreibung extremer und teilweise an der Grenze zum perversen stehender Gewaltexzesse aus und durch ein - zumindest für mich - eher unbefriedigendes Ende.
Im Mittelpunkt steht der Ex-Polizist und eher erfolglose Autor Ben Hawkins, der von seinem Verlag auf den Fall des verschwundenen Top-Models Kim McDaniels angesetzt wird. Dabei gerät er unvermittelt in den Wirkungskreis eines extrem brutalen, skrupellosen und eikalten Serienkillers mit dem Decknamen Henri, der seine Morde inszeniert, mitfilmt und sie dann einem erlauchten Kreis von Interessenten via Internet zur Verfügung stellt.
Während Ben versucht, über die verzweifelten Eltern von Kim Infos und Hinweise zum Verbleib des Models zu bekommen, hat Henri den Autor schon längst unter Beobachtung und beginnt ein perfides Spiel mit ihm, das darin gipfelt, dass Ben seine Biographie schreiben soll. Für Ben Hawkins beginnt ein gefährliches und todbringendes Unterfangen, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint, zumal auch seine Freundin von dem Serienkiller bedroht wird. Und Henri mordet derweil immer weiter.
Psychothriller sind Pattersons Stärke und zeichnen sich meist (wie vor allem in den Alex Cross Romanen) durch eine extrem charismatische Persönlichkeit und abgrundtiefe Bösartigkeit, gepaart mit extrem hoher Intelligenz und Cleverness aus. So auch hier in "Todesbote". Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Thrillern beschreibt Paaterson hier die Morde mit teilweise akribischer Genauigkeit und schießt für meinen Geschmack ein gutes Stück über das Ziel hinaus. Diese Überzogenheit macht für mich einen wesentlichen Makel des Thrillers aus und löst große Zwiespältigkeit aus. Einerseits macht sie den Roman besonders, andererseits stößt sie extrem ab. Der zweite große Makel ist das eher offene und damit doch unbefriedigende Ende des Romans. Zuvor wird extrem hohe Spannung aufgebaut und dann ist alles mit einem mal vorbei und zu Ende... unspektakulär und für mich vollkommen unbefriedigend. Aber sicherlich werden sich auch hierüber die Geister scheiden.
Nichts desto trotz ist "Todesbote" einer der besseren Thriller, die sich so im Psychothrillerbereich am Markt tummeln. Es ist gute Unterhaltung mit Pageturner-Qualitäten. Über den Schluß und die Gewaltszenen mag jeder für sich selbst urteilen. Mich hat beides gestört und daher gebe ich "nur" 3 Sterne.