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Todesarten: Über Bilder der Gewalt
 
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Todesarten: Über Bilder der Gewalt [Gebundene Ausgabe]

Wolfgang Sofsky
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 271 Seiten
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin; Auflage: 1 (Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3882215577
  • ISBN-13: 978-3882215571
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 15,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 343.197 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Mit behutsamer, poetischer Sorgfalt wird herausgearbeitet, was gesehen werden kann.« --Thomas Macho, NZZ, 8. Oktober 2011

»Ein Meisterwerk!« --Lorenz Jäger, FAZ, 23. November 2011

»Glänzend geschrieben und von Matthes & Seitz hochwertig veredelt, gehört Todesarten in das Bücherregal eines jeden kunsthistorisch Interessierten. … Ein großartiger Essay über den Keller der menschlichen Psyche, den man nicht mehr aus der Hand geben will – große Empfehlung.« --Patrick Kilian, IKONEN, November 2011

»Selten hat man so präzise und einfühlsame Bildbeschreibungen gelesen.« --Bernhard Schulz, Der Tagesspiegel, 13. Februar 2012

»Sofsky hat eine feines Auge, das Kleinigkeiten mit Sensibilität erfasst und oft genug so formuliert, als könnten sich die Medien von Bild und Schrift verschwistern im Versuch, einer Erfahrung zum Ausdruck zu verhelfen. Das Auge Sofskys zeigt jene sympathetische Humanität, die seine düstere Weltsicht in Abrede stellt. Dieser fast zerreißende Widerspruch macht die Spannung und den Wert dieses Buches aus.« --Hartmut Böhme, Literarische Welt, 11. Februar 2012

»Sofsky begibt sich hinein in eine verstörende Bilderwelt, um sie mit erstaunlich kunstwissenschaftlichem Sachverstand, gepaart mit literarischem Feingefühl zum Sprechen zu bringen...Wolfgang Sofskys Buch ›Todesarten‹ mit seinen Essays über die Bildermacht des Schreckens und der Gewalt liest sich wie aus einem Guss, kommt ganz ohne Fußnoten aus, ist mit vielen Abbildungen versehen und lehrt den Leser eine Ästhetik zu entziffern, die Menschen zeigt ›zwischen der Begierde des Tötens und der Ohnmacht des Sterbens‹«. --Angela Gutzeit, SWR2, 29. Januar 2012

»Kaum einer in Deutschland versteht mehr von einer Soziologie der Gewalt als Sofsky; vor allem aber hat er eine Technik ihrer beschreibenden Beobachtung entwickelt, die auch das Versteckte und Verborgene sichtbar macht. [...] Man sieht immer mehr und man sieht genauer, wenn man die Bilder unter Sofskys Anleitung betrachtet.« --Herfried Münkler, Süddeutsche Zeitung, 7./8. Januar 2012

»›Todesarten‹ ist ein Buch von erlesener Sprache und haptischer Einfühlung. [...]Das anatomische Detail ist für Sofsky immer wichtiger als die symbolische oder allegorische Bedeutung. Ihn interessiert das geschundene Individuum in seiner finalen Situation so sehr, dass bei der Lektüre eine ausgesprochen intime Atmosphäre entsteht.« --Arno Orszessek, Deutschlandradio, 2. Januar 2012

Kurzbeschreibung

»Die größte Kunst führt einen immer wieder zurück an die Verletzlichkeit der menschlichen Existenz.« (Francis Bacon) Bildliche Darstellungen von Gewalt können erschrecken und verzaubern, verstören und erfreuen, ihre zwiespältige Wirkung verdanken sie auch der Distanz zum Dargestellten. Gewaltbilder stellen grausame Szenen vor Augen und bieten dem Betrachter die Möglichkeit zur sinnlichen Anschauung, zur meditativenVersenkung und zur intellektuellen Erkenntnis. Stets konfrontieren sie uns mit der Frage, wer wir sind und wie wir uns selbst verstehen müssen.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Wenn sich der Privatgelehrte und Essayist Wolfgang Sofsky zu einem Thema im Zusammenhang mit Gewalt äußert, ist seit fast zwei Jahrzehnten für den kritischen Leser anspruchsvolle und erhellende Lektüre garantiert. Sein neues Buch "Todesarten. Über Bilder der Gewalt" macht hier keine Ausnahme. Eine Kulturgeschichte über Bildgewalt und Gewaltbilder.

Zu allen Zeiten haben die Bilder die tatsächliche Gewalt sozusagen entmachtet, ihr die sinnliche Substanz geraubt und ihre sonst überwältigende Kraft. Auf Bildern zu allen Zeiten, die in diesem Buch in großer Zahl vorgestellt und interpretiert werden, ist die Gewalt nur sichtbar, aber nicht mit den Sinnen erfahrbar. Die bildliche Darstellung von Gewalt schafft Distanz und bietet dem Betrachter in der Möglichkeit der Anschauung und Versenkung ein neues Potenzial zur Überwältigung.

In zwanzig Essays zu den großen Gewaltbildern der Kunstgeschichte zeigt Wolfgang Sofsky immer wieder überzeugend die Stimmigkeit dieser Interpretation. Ob christliche Martyrien, heroische oder brutale Kampfszenen, existenzielle Überlebenskämpfe oder mythologische Urbilder - überall tritt ein Netz der Macht und der Gewalt an die Oberfläche.

Das Gewaltbild spricht nicht von den Erfahrung des Schmerzes, sondern veranschaulicht die Begierde des Tötens und die Ohnmacht des Sterbens, der Betrachter wird angezogen, abgestoßen, erregt, verstört. Mit diesem Buch geht der Leser wie durch eine Schule des Sehens und er wird am Ende die Bilder mit anderen Augen betrachten(können).
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wenig Analyse, viel Geraune 11. Januar 2012
Von NikLas
"Todesarten' nennt Wolfgang Sofsky sein neues Buch, Untertitel: "Über Bilder der Gewalt'. Das überrascht erst einmal nicht, seine vorherigen Werke heißen etwa 'Das Buch der Laster', 'Zeiten des Schreckens' oder 'Die Ordnung des Terrors'. Doch klingt der jetzige Rückgriff auf den Titel von Ingeborg Bachmanns unvollendeten Romanzyklus fast so, als wolle der einstige Soziologieprofessor sich und den Leser nach den Traktaten über Konzentrationslager, Terror, Irakkrieg und Amoklauf vom kalten Wind angreifbarer Gegenwartsdiagnosen abwenden und in der Ursuppe bildungsbürgerlichen Kunstverstandes ein wenig aufwärmen; als wolle er Distanz gewinnen im althergebrachten kulturellen Großen und Ganzen.

Nun ist die gelehrte Betrachtung von Bildern kein weniger heißes Theorie-Eisen als etwa die Operation mit dem Begriff der Macht, wobei Elias Canetti übrigens auch im neuen Buch überall diskret als Hilfsgeist voranschwebt. Sofsky nennt sein Buch einleitend einen Essay, der sich 'ausgewählten Einzelfällen' widme, 'in denen sich das Allgemeine zeigt'. Ein bisschen mehr als traditionelle Hermeneutik hätte man sich schon gewünscht, andererseits: Wer wollte nicht die 'Wahrheit' (wie er sie beschwört) über die Gewaltbilder um uns herum erfahren?

'Wer Bilder verstehen will', meint Sofsky, 'kann nur hinsehen'. Stimmt genau. Er erwähnt zwar, dass Bildbetrachtung stets auch Projektion sei, schreibt dann aber ein unantastbares Absolutes herbei. Die Empfindungen, Gedanken und Stimmungen des Betrachters hätten mit 'der Wahrheit, dem Wert und der Bedeutung eines Bildnisses ebenso wenig zu tun wie die Absichten, Launen und Gepflogenheiten des Künstlers'. Man will es ja kaum aufschreiben, aber es ist tatsächlich so, dass in den nun folgenden sechs Kapiteln über 'Tiere und Menschen', 'Menschenopfer', 'Qualen und Strafen', 'Freitod', 'Mord und Kampf' und 'Krieg' nun hauptsächlich genau diese im Mittelpunkt stehen: Empfindungen, Gedanken und Stimmungen des Betrachters, nebst suggestiven Auslassungen über die Absichten und Befindlichkeiten der Dargestellten sowie des jeweiligen Künstlers.

Man geht, taucht oder springt also relativ todesverachtend hinein in dieses Buch - bei dieser Gelegenheit vergisst man ja oft, wie entbehrlich Gliedmaßen für solches Gehen, Tauchen oder Springen sind - und glaubt am Anfang noch, sich das Grässliche vom Leib halten zu können. Da wirbt der Autor in einem gewohnt aphoristisch glitzernden Diktum für den kühlen Blick auf die wohl schlichteste Wahrheit der Trägermedien: Gewaltbilder seien 'harmloser als es den Anschein hat', denn 'Pixel oder Pinselstriche bluten nicht'. Inwiefern Bilder deshalb auch schon die Gewalt 'entmachten', wie er schreibt, bleibt im Diffusen. Abgetrennte Gliedmaßen sind hierzu wie zum müden Gruß arrangiert: Jean Louis André Théodore Géricaults 'Fragments anatomiques". Schön liegen Hand und Fuß im Halbdunkel, schön beschreibt sie Sofsky, sie stören nicht und sie verstören auch nicht. Eleganter Einfall, sie als Einleitung zu einem bewusst fragmentarischen Aufsatz hinzudrapieren.

Nicht völlig ohne inneren Zusammenhalt montiert der Autor seine Auswahl von gut zwei Dutzend Malereien, Reliefs, Skulpturen und Fotografien von den Höhlenmalereien in Lascaux über Donatellos 'Opferung Isaaks' bis zu den Verschwundenen auf Paul Lowes Foto 'Grozny 1994', von denen nur Fußspuren auf blutigem Schnee geblieben sind: In allen Bildnissen tut sich ein trostloses Nichts als letzte Grundierung auf. Wer Sofskys Thesen kennt, mag damit schon gerechnet haben. Der Mensch ist und bleibt bei ihm im Innersten schlecht, jederzeit kann er zum sachlichen Tötungs-Arbeiter oder zum entfesselten Meuchel-Mob werden, wie es im Kapitel über die Apostelmartyrien von Stefan Lochner aufscheint. Das ist freilich nicht die schlechteste Lektion in einer Gegenwart, die ihre Vorstellbarkeiten von Gewalt aus dem 'Tatort' herleitet und sich dann wundert, wenn jemand jahrelang in aller Ruhe eine Mordserie begehen kann.

Es fragt sich allerdings bei voranschreitender Lektüre, ob hier der Gattungsbegriff Essay als Freibrief für eine intransparente Quellenarbeit dienen soll; unklar bleibt auch, woher Sofsky seinen offenbar rein intuitiven Glauben an ein Allgemeines nimmt und auf welchen Begriff er dieses bringen möchte. Verstörend sind nicht so sehr die letztlich thesenfrei aufgeführten Bilder, wenngleich der bildlesende Nachvollzug zu ein paar Nachdenklichkeiten anregt, etwa über die von Nietzsche diagnostizierte christliche 'Wut der Ausdeutung' oder die Strukturanalogie von Analysieren und Zergliedern (die Sofsky übersieht). Verstörend ist eher das bewusstlos expressive Pathos, das vor allem im Kapitel 'Die Löwenjagd von Eugène Delacroix' über den Leser hereinbricht. Abgesehen davon, dass die Überschriften (auch schön: 'Die Enthauptung des Johannes von Caravaggio'; wer ist eigentlich dieser Johannes von Caravaggio?) Werk und Künstler grafisch nicht unterscheiden: Hier schmiegt sich Sofskys Sprache bis zur Peinlichkeitsgrenze konvulsivisch an das Gesehene. Da erblickt er 'das Antlitz kalter Zerstörung', da erscheint ihm 'der heilige Ritter auf dem stolzen Ross', da hat 'die Majestät der Bestie (...) ihn bereits auf die Knie gezwungen'. Und wenn er später die 'Marodeure' auf Corinne Dufkas Foto 'Monravia 1996' keine Krieger nennen möchte, weil 'jeder Krieger, der den Namen verdient', auch gegen seine eigene Angst kämpfe und 'Mut' und 'Tapferkeit' besitze, sagt das weniger über das Bild aus als darüber, dass Sofsky offensichtlich trotz allem noch über eine intakte romantische Vorstellung von dieser Gewaltausübung verfügt.

Warum verleibt sich ein Autor im 21. Jahrhundert solche schwülen Begriffe ein? Statt auch nur ansatzweise solche Aneignungen als Teil eines Gewaltaktes zu reflektieren, hantiert er mit einer irrlichternden Spur von Vorausdeutungen und Echos: Neben der von Canetti inspirierten "Verwandlung" und einem rätselhaften dritten Zustand zwischen Leben und Tod, Passion und Ratio dient ihm als eine Art roter Faden die 'Imagination', er stellt aber nichts Weiterführendes damit an. Der in fast jedem Bild entdeckten Vermischung von Mensch und Tier entspricht lediglich die zu vermutende Hybridisierung des eigenen mit fremden Texten. Wörter bluten nicht? Hier schon. Und so verharrt im Ominösen, ja Okkulten, was im nur scheinbar grellen Licht einer medialen Allgegenwart sichtbar zu machen wäre.
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