Mit der Formation Utopia beschritt das musikalische Chamäleon erstmals Progrockgefilde. Rundgren, nach eigener Einschätzung 'A wizard, a true star' (Titel einer seiner Platten), hat im Laufe seiner Karriere viele Musikstile adaptiert und dem Resultat eigentlich immer seine eigene Handschift aufgedrückt: oft mit poppigem Appeal, ohne echt kommerziell zu sein - manchmal schwülstig, aber nie wirklich peinlich oder aufgeblasen.
So auch hier bei Utopia's Erstling.
Wie es sich für richtigen Prog gehört, sind die Stücke (mit der Ausnahme des kurzen Vierminüters Freedom Fighters) zwischen 10 und 30 (!) Minuten lang. Im Zeitalter der Compact Disc sind Megastücke von 30 und mehr Minuten keine Seltenheit mehr, aber damals, als alles noch auf Vinyl gepresst wurde, war T.R. jedoch die ungeteilte Aufmerksamkeit sicher.
Ohne sich zu wiederholen oder endlose Improvisationen aneinanderzureihen stehen auf Utopia stets die Komposition und Rundgren's alles beherrschende Stimme im Vordergrund.
Beginnend mit dem live eingespielten äusserst rockigen Utopia Theme, das über ein langes Intro zum hymnenähnlichen Thema gelangt über das schrullige Freak Parade und den (damaligen)Seite 1 - Rausschmeisser Freedom Fighters kommt man zum Höhepunkt der Platte, dem 30 1/2 - minütigen The Ikon; das Stück ist unglaublich: selten habe ich so viele Tempi- und Themenwechsel innerhalb eines Titels erlebt wie hier! Kaum hat man sich in einen Teil hineingehört, wird man bereits zum nächsten 'eskortiert'. Man merkt, das es den beteiligten Musikern sichtlich Spaß gemacht hat, die musikalische Energie überträgt sich 1 : 1 auf den Zuhörer, Spannung ohne Ende.
Utopia's Erstling gehört zusammen mit 'Ra' (ebenfalls Utopia) zu meinen Lieblingprogscheiben der Mitt-/Endsiebziger Zeit. Ein musikalisches Feuerwerk ohnegleichen, unbedingt reinhören!