"Und weiter geht die Mär von einem, der früher dick im Geschäft war, und heute nur noch dick ist: Seagals neuester Film "Today You Die" ist hierzulande auf DVD erschienen.
Bereits der Auftakt der Geschichte um den Meisterdieb Harlan Banks (Steven Seagal) zeigt uns, dass der Aikidomeister nicht mehr soviel selbst kämpft wie in "Submerged" und "Into the Sun", aber mehr als in "Out of Reach" und "Clementine" - und auch besser gedoubelt wird als in den beiden letztgenannten Filmen. Wenn Harlan zur Einstimmung ein paar rivalisierende Einbrecher verdrischt und abknallt, dann macht das richtig Laune und ist recht schick inszeniert.
Harlan will sich zur Ruhe setzen, lässt sich aber zum berühmten letzten Coup überreden, der natürlich schief geht (*gähn*). Ein angeblich legaler Fahrdienst entpuppt sich als Fluchtfahrerjob, an dessen Ende Harlans Verhaftung sowie das Verschwinden der Beute steht. Die Jagd wurde aus Sidney J. Furies "Showdown" gemopst, aber immerhin recht geschickt eingebaut. Ansonsten bleibt der einzige weitere Einsatz die finale Explosion aus "Code of Conduct", die auch in "Today You Die" den Showdown abrundet.
Im Knast sinnt Harlan auf Rache, während diverse Parteien ausgerechnet von ihm wissen wollen, wo die Beute ist. Harlan verbündet sich mit dem Gangster Ice Kool (Anthony 'Treach' Criss), entkommt mit ihm aus dem Gefängnis und räumt unter seinen Widersachern auf...
"Today You Die" ist nach "Submerged" wieder eine Enttäuschung, aber immerhin besser inszeniert als "Out for a Kill". Bis auf den Stock Footage Klau leistet sich die Regie kaum Schnitzer und auch das geringe Budget sieht man "Today You Die" selten an. Etwas nervig ist das Gangsta-Gehabe von Ice Kool, aber immerhin bilden er und Harlan ein halbwegs erträgliches Buddyduo, das auch gelegentlich ein paar nette Wortgefechte abfeiern (z.B. die Sprüche über Anger Management).
Von der Plotseite her bekleckert sich "Today You Die" allerdings nicht gerade mit Ruhm: Bis Harlan endlich aus dem Knast frei ist, ist fast schon der halbe Film um, danach folgt ein etwas konfuser Racheplot plus etwas Verschwörung. Letztere ist etwas unglaubwürdig erdacht, aber nicht allzu wirr, nur leider schafft "Today You Die" es nie, das Abfertigen der verschiedenen Widersacher so kurzweilig und spannend wie in Seagals Frühwerken zu gestalten. Da hilft es dann auch nicht, dass die Szenen im Klischeeknast, in dem das sich gegenseitige Abstechen mal wieder das Lieblingshobby aller Insassen ist, etwas zu lang geraten sind und den Film noch zusätzlich bremsen.
Leider kann auch die Action hier soviel reißen, da sie einfach zu wenig von der Menge her ist. Erst im letzten Drittel geht es etwas mehr rund, doch die Fights und Ballereien sind schick in Szene gesetzt. Bei den blutigen Einschüssen suppt es recht ordentlich, Seagal hat immer noch fixe Handarbeit drauf und sein Stuntdouble sorgt auch für etwas spektakulärere, aber nie unglaubwürdige Moves (im Vergleich zu "Belly of the Beast"). Etwas enttäuschend ist jedoch der Showdown mit seinem niedrigen Bodycount.
Großartig gefordert ist Steven Seagal auch in dieser Rolle nicht, spielt seinen Part jedoch halbwegs überzeugend, freilich ohne das Charisma vergangener "Zum Töten freigegeben"-Tage zu erreichen. Treach ist eher mäßig und nervt stellenweise auch, während man in Nebenrollen halbwegs bekannte Namen wie James Lew, Jerry Trimble, Nick Mancuso und Lesley Anne-Down zur Unscheinbarkeit verdammt.
Somit ist "Today You Die" ein weiterer unterdurchschnittlicher Seagalfilm, zwar ordentlich inszeniert und mit ein paar netten Actionszenen, aber auch mit lahmen Plot und zu geringer Actionmenge.
--- Nils Bothmann (McClane)"