Pierre Magnan als Autor zu entdecken, dies ist nun nicht mehr nur französischen Lesern/Leserinnen (und jenen, die im Original lesen) vorbehalten. Mit seinem eine düstere Grundstimmung schaffenden Roman, in der eine weit zurück liegende Liebes- und Leidenschaftsgeschichte viel später erst durch den etwas seltsamen Kommissar Laviolette geklärt wird, habe ich als begeisterte Leserin von Kriminalliteratur einen französischen Krimiautor kennen gelernt. Dessen Schreibqualitäten können mit Simenon, aber auch mit Verfassern aus dem englischen Sprachraum konkurrieren. Kennt man die Provence selber und liebt man diese Region und ihre Besonderheiten so wie ich, so bietet die Landschaftdarstellung im Roman interessante Einblicke in provenzalisches Leben zu einer Zeit, die freilich nicht mehr die heutige ist. Der Kommissar, selber gegen Schluss in die mörderische Handlung miteinbezogen, was überraschend,aber auch etwas konstruiert anmutet, ist eine skurille und unkonventionelle Figur, die - wie der bekanntere Maigret - Profil und Eigenleben im Lauf der Handlung gewinnt. Man möchte ihn dann gerne lesend in anderen Romanen des Autors näher kennen lernen.
Der Weg über die Figurenzeichnung der verdächtigen Protagonistin bis zur Klärung des Falles schlägt einige Haken, aber das gehört zu einem guten Kriminalroman. Was mich am meisten fasziniert hat während der Lektüre, das ist freilich die Schilderung der Provence selbst, ihres herben Reizes, der sich nicht nur im sonnendurchglühten Sommer erschließt. Pierre Magnan ist ein Könner des Faches Kriminalroman mit interessanten zeitgeschichtlichen Bezügen und ein Kenner seiner Heimat, der Hoch-Provence.