Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Fischtopf lief über..., 7. September 2009
...und die Suppenbestandteile schwammen auf dem Ceranfeld. Der 16-jährige Sohn wurde von mir in einem tranceähnlichem Zustand zur Freundin gefahren, da ich mittlerweile schon beim Protokoll des Gregor B. angekommen war und unbedingt weiterlesen wollte. Die Tochter habe ich finanziell unterstützt, damit sie mit dem Zug nach Freiburg zur Freundin konnte, mein 18-jähriger Sohn war selbst nicht ansprechbar, da er in der Geschichte des Jakobs steckte ( Jakob, der Lügner von Jurek Becker) und meine bessere Hälfte habe ich vertröstet und um Verständnis gebeten: habe gerade den neuen Roman von Martin von Arndt vor mir, der gebietet keinen Aufschub mehr, der muss weitergelesen werden. So habe ich mich also verzogen, in die hinterste ruhigste Ecke.
Und jetzt bin ich durch und bin immer noch in einer Art Schwebezustand.
Martin von Arndt hat mit unendlich viel Gefühl und Spannung seinen neuen Roman ausgestattet. Er hebt die Wechselbeziehung und die Innen-und Außenansichten seiner verschiedenen Phänotypen unter genauer Beobachtung hervor: sei es die Ines-Julio-Beziehung , die gespaltene Mutter-Sohn-Beziehung und was mir ganz besonders gut gefiel, die Beziehung Julio-Grandler ( für mich sehr viel wichtiger als die 25-jährige Beziehung/Ehe des Pärchens). Der Grandler, ein Urgestein, ein pensionierter Kriminalist, ein Eigenbrödler, ein Herz und eine Seele. Dazu der eingeschobene Krimi, spannend, und auch hier ein männlicher Protagonist, der auf der Suche nach dem Ich" ist ( echt gelungen!).
Als LeserIn spürt man hautnah die unendliche "Leere" am Beginn der Erzählung von Julio ( die monatlich wiederkehrenden leeren Einschreibebriefe, die täglich aufs neue seelisch empfundene Leere Julios; selbst eine Taube versteckt ihren Kopf unter ihrem Gefieder, sie kann das alles nicht mehr mit ansehen).
Und am Schluß, im letzten Kapitel, die massive Fülle, es läuft über voll optischer, akkustischer und olfaktorischer Eindrücke, man wünscht Julio aus ganzem Herzen, dass er das Tunnelende erreicht.
Wilhelm Genanzino, ein beachteter und vielfach ausgezeichneter Schriftssteller, erzählt Geschichten von traurigen Helden. Martin von Arndt ist in meinen Augen das 25 Jahre jüngere Pendant dieses hochgeschätzten Autors.
Wer einen Roman sucht, der mit der Wirklichkeit korrespondiert, der dabei philosophische Einblicke zulässt, der einen unverkennbaren "Martin-von-Arndt-Stil" aufweist, der/die muss "Der Tod ist ein Postmann mit Hut" lesen.
Volle Punktzahl und mindestens drei Zusatzpunkte für endlich einmal wieder schöne Literatur in unseren Landen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gottlob trägt mein Postbote bestenfalls eine Baseballkappe..., 12. September 2009
Ich hatte Zweifel, als ich auf dem Umschlag las, das Buch sei vom dort zu Wort Kommenden in einem Rutsch durchgelesen worden. Aber solche Bücher gibt es. Und dieses ist eines davon.
Man weiß nicht, woran es genau liegen mag; aber das Buch vermag zu faszinieren, sei es durch seinen Erzählstil, in dem das Geschehene oft vom Erzähler lakonisch kommentiert wird, oder an der Zusammensetzung eigentlich alltäglicher Geschehnisse zu einem schlüssigen Gesamtbild. Ganz und gar unalltäglich ist allenfalls der Auslöser der Odyssee des Protagonisten, der in schöner Regelmäßigkeit per absenderfreiem Einschreiben ein leeres Blatt Papier zugeschickt bekommt. Eine kleine Irritation birgt die Kriminalakte, deren Lektüre durch den Protagonisten den eigentlichen Romanfluss immer wieder unterbricht, aber deren Sinn sich dem aufmerksamen Leser möglicherweise gegen Ende erschließen mag.
Besonders hervorhebenswert ist für mich daher - ohne allzuviel verraten zu wollen - das Ende der Geschichte. Ungleich anderen Romanen, die nach dem Abschluss einer spannenden Erzählung mit einem aufgesetzt erscheinenden Schluss ein gewisses Gefühl der Frustration hinterlassen, erscheint mir das Ende des "Postmann mit Hut" auf angenehm unaufdringliche Weise schlüssig und aus einem Guss mit dem Roman im Ganzen.
Fazit: Lesenswert.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Alles, nur kein Postmann mit Hut, 7. September 2009
Zum Inhalt zitiere ich aus dem Klappentext:
Wer sendet ihm Monat für Monat anonym ein leeres Blatt Papier als Einschreibe-Brief? Und was will ihm der Absender damit sagen? Gibt es etwa ein dunkles Geheimnis in seiner eigenen Vergangenheit oder in seiner Familie? Diese Fragen stellt sich der Gitarrist Julio, der seit Jahren davon lebt, Klassiker der Rockmusik für chinesische Schnellimbisse aufzubereiten. Julio beschließt, den Briefen auf den Grund zu gehen. Es wird eine Reise, die ihn auf sich selbst zurückwirft, sein Leben ordentlich durcheinander schüttelt.
Der Tod ist also ein Postmann mit Hut, vordergründig eine Quest nach dem Urheber der eingeschriebenen Drohbriefe, wobei die Briefe sind wohl ein Symbol für das Unaussprechliche oder Ungreifbare sind, das unser Leben nicht nur bedroht, sondern auch erst in Gang bringt (das hat mich ein wenig an Kafka erinnert, aber Kafka ist natürlich viel eindringlicher als der Autor). Es wird aber schnell klar, dass es auch die Geschichte einer Männerfreundschaft ist, die mich ebenso oft zum Lachen gebracht wie zu Tränen gerührt hat.
In den eigentlichen Roman ist noch eine Geschichte eingeschoben, in der das Thema der im Hinterhalt lauernden unbenannten Gefahr in einer ziemlich heftigen Boy-meets-Girl-Story variiert wird. Nachdem es mich am Anfang genervt hat, dass mit ihr der Handlungsfaden ständig unterbrochen wird, hat sie mich am Ende total fasziniert (ich finde sie jetzt sogar besser als den eigentlichen Roman).
Stil und Sprache dieses Buchs sind eloquent, fast schon melodisch. Trotzdem liest es sich herrlich leicht, wahrscheinlich weil der Roman bei aller Bedrohlichkeit auch richtig komisch ist. Der Autor wird wohl oft mit Wilhelm Genazino verglichen, was nicht ganz falsch ist, aber mich hat die Art, wie das Thema behandelt wird, eher an Paul Auster (Das rote Notizbzch). erinnert oder an Jonathan Safran Foer (Extrem laut). Wer dessen Romane liebt, wird sicher auch diesen lieben. (Punkteabzug vergebe ich allerdings für das Cover, das mir zu kitschig ist).
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