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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Alles, nur kein Postmann mit Hut, 7. September 2009
Zum Inhalt zitiere ich aus dem Klappentext:
Wer sendet ihm Monat für Monat anonym ein leeres Blatt Papier als Einschreibe-Brief? Und was will ihm der Absender damit sagen? Gibt es etwa ein dunkles Geheimnis in seiner eigenen Vergangenheit oder in seiner Familie? Diese Fragen stellt sich der Gitarrist Julio, der seit Jahren davon lebt, Klassiker der Rockmusik für chinesische Schnellimbisse aufzubereiten. Julio beschließt, den Briefen auf den Grund zu gehen. Es wird eine Reise, die ihn auf sich selbst zurückwirft, sein Leben ordentlich durcheinander schüttelt.
Der Tod ist also ein Postmann mit Hut, vordergründig eine Quest nach dem Urheber der eingeschriebenen Drohbriefe, wobei die Briefe sind wohl ein Symbol für das Unaussprechliche oder Ungreifbare sind, das unser Leben nicht nur bedroht, sondern auch erst in Gang bringt (das hat mich ein wenig an Kafka erinnert, aber Kafka ist natürlich viel eindringlicher als der Autor). Es wird aber schnell klar, dass es auch die Geschichte einer Männerfreundschaft ist, die mich ebenso oft zum Lachen gebracht wie zu Tränen gerührt hat.
In den eigentlichen Roman ist noch eine Geschichte eingeschoben, in der das Thema der im Hinterhalt lauernden unbenannten Gefahr in einer ziemlich heftigen Boy-meets-Girl-Story variiert wird. Nachdem es mich am Anfang genervt hat, dass mit ihr der Handlungsfaden ständig unterbrochen wird, hat sie mich am Ende total fasziniert (ich finde sie jetzt sogar besser als den eigentlichen Roman).
Stil und Sprache dieses Buchs sind eloquent, fast schon melodisch. Trotzdem liest es sich herrlich leicht, wahrscheinlich weil der Roman bei aller Bedrohlichkeit auch richtig komisch ist. Der Autor wird wohl oft mit Wilhelm Genazino verglichen, was nicht ganz falsch ist, aber mich hat die Art, wie das Thema behandelt wird, eher an Paul Auster (Das rote Notizbzch). erinnert oder an Jonathan Safran Foer (Extrem laut). Wer dessen Romane liebt, wird sicher auch diesen lieben. (Punkteabzug vergebe ich allerdings für das Cover, das mir zu kitschig ist).
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gottlob trägt mein Postbote bestenfalls eine Baseballkappe..., 12. September 2009
Ich hatte Zweifel, als ich auf dem Umschlag las, das Buch sei vom dort zu Wort Kommenden in einem Rutsch durchgelesen worden. Aber solche Bücher gibt es. Und dieses ist eines davon.
Man weiß nicht, woran es genau liegen mag; aber das Buch vermag zu faszinieren, sei es durch seinen Erzählstil, in dem das Geschehene oft vom Erzähler lakonisch kommentiert wird, oder an der Zusammensetzung eigentlich alltäglicher Geschehnisse zu einem schlüssigen Gesamtbild. Ganz und gar unalltäglich ist allenfalls der Auslöser der Odyssee des Protagonisten, der in schöner Regelmäßigkeit per absenderfreiem Einschreiben ein leeres Blatt Papier zugeschickt bekommt. Eine kleine Irritation birgt die Kriminalakte, deren Lektüre durch den Protagonisten den eigentlichen Romanfluss immer wieder unterbricht, aber deren Sinn sich dem aufmerksamen Leser möglicherweise gegen Ende erschließen mag.
Besonders hervorhebenswert ist für mich daher - ohne allzuviel verraten zu wollen - das Ende der Geschichte. Ungleich anderen Romanen, die nach dem Abschluss einer spannenden Erzählung mit einem aufgesetzt erscheinenden Schluss ein gewisses Gefühl der Frustration hinterlassen, erscheint mir das Ende des "Postmann mit Hut" auf angenehm unaufdringliche Weise schlüssig und aus einem Guss mit dem Roman im Ganzen.
Fazit: Lesenswert.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Julio - ein moderner Held des Absurden, 1. November 2009
In seinem Roman "Der Tod ist ein Postmann mit Hut" lotet Martin von Arndt in stilistisch kunstvoller Sprache das existentialistische Spannungsfeld des Lebens zwischen Hoffnung, Einsamkeit und Tod aus. Sein Protagonist, der Gitarrist Julio, ist ein moderner Held des Absurden, wie Albert Camus ihn beschrieben hat. Durch die anonymen, leeren Einschreiben, die Julio jeden ersten Mittwoch im Monat bekommt, wird er plötzlich aus seinem bisher so vertrauten Lebenstrott gerissen. Diese leeren Blätter infizieren Julio mit dem Gefühl der Absurdität, sie entrücken ihn von seinem bisherigen Leben und stellen es in Frage. Julio ist von nun an ein Getriebener und er macht sich auf eine Reise, um das Rätsel der Einschreiben zu lösen. Doch als absurder Held muss er daran scheitern - sein lautes Rufen nach Antworten und Klarheit stößt immer wieder nur auf das irrationale Schweigen der Welt. Martin von Arndt hat mit den leeren, weißen Blättern ein treffsicheres Sinnbild für die Allgegenwart des Absurden, für dieses Schweigen der Welt gefunden, dem der Mensch nicht entfliehen kann. Auch der ungelöste Kriminalfall, der als Erzählung in den Roman eingebettet ist, reiht sich ein in das Motiv der zum Scheitern verurteilten Suche des Menschen nach endgültiger Klarheit.
Die einzige nicht in Frage stehende Realität seines Helden Julio ist der Tod, der in zahlreichen Motiven aufleuchtet. Kunstvoll gesetzt sind dabei die intertextuellen Verweise zu Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig". So etwa das Todesboten-Motiv des Hutes und natürlich Tadzio, der verliebte Cockerspaniel, der in Anspielung an den Jüngling in "Tod in Venedig" zum Symbol des Verheißungsvollen und zugleich des Todes für den Protagonisten wird. In der Schlussszene scheint es Julio so, "als ob das spielende Tier, das immer und immer den Kopf zu mir zurückwendet, mir zulächelte, als ob es hinausdeutete ins Verheißungsvolle." Wie Aschenbach macht sich auch Julio auf, seinem Tadzio zu folgen. Hier schließt sich die existentialistische Suche des Helden nach Antworten: Der Tod ist die unabwendbare Wahrheit, derer Julio sich auf seiner Reise bewusst wird, und er ist zugleich der Ursprung seiner neu gewonnenen Freiheit.
"Der Tod ist ein Postmann mit Hut" ist ein vielschichtiger Roman, spannend und rätselhaft und zugleich komisch und unterhaltsam erzählt. Es gelingt dem Autor, sich bei aller Ernsthaftigkeit des Themas eine erzählerische Leichtigkeit zu bewahren. Unbedingt lesenswert.
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