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Kriminalistischer Alltag zu Beginn: Teamsitzung, Besprechung, Spurensuche, Laborbefunde, das Übliche. Hauptakteurin: Irene Huss, wie man längst weiß, eine "gute Polizistin mit langer Berufserfahrung." Aber dann nimmt eine gewiefte Autorin alle Fäden in die Hand, führt den Leser geschickt und souverän mal hierhin, mal dorthin, lässt Nebenschauplätze aufblitzen, weckt Interesse für gut ausgeklügelte Spuren, gaukelt glaubhaft logische Zusammenhänge vor, und doch erweist sich alles irgendwann als haltlos. Ein packendes Hin und Her, mehrmals scheint man der Lösung des Verbrechens schon so nah.
Warum sind Vater und Sohn besessen von der Suche nach Satanisten via Internet? Warum leiden Jacob und Rebecka wie auch die Mutter an Depressionen? Warum beschmiert der Mörder die PCs mit blutigen Pentagrammen, vernichtet alle Disketten und Festplatten? Manche Verdachtsmomente, manche Indizien und doch kommt es ganz anders -- eine geniale Story mit ausgesprochen viel Tempo! "Ein Glasteufel ist eine Person, in der das Teuflische durchsichtig ist, man bemerkt es ganz einfach nicht, obwohl es die ganze Zeit da ist." Ein Satz, der es in sich hat, den man aber erst zum Schluss verstehen wird, dann, wenn alles wie Schuppen von den Augen fällt und man ein kleines Stückchen Lehre und Mahnung ins tägliche Leben mitnimmt. Fesselnd! --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Von der ersten bis zur letzten Seite an Spannung nicht zu überbieten." (Bonner Gernalanzeiger)
Klappentext
Falu Kuriren
"Schweden hat eine neue Queen of Crime!"
Expressen
"Gut möglich, dass Helene Tursten die große Krimiautorin, ist, auf die wir in Schweden lange gewartet haben."
Vadstena Tidning
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Hier Sven. Ist Tommy bei dir?"
"Nein. Er verhört gerade den Festgenommenen im Speedy-Mord. Vor fünf ist er sicher nicht fertig."
Kriminalkommissar Sven Andersson schnaubte frustriert:
"Wenn er Asko Pihlainen mürbe machen will, hat er bei Gott zu tun. Wahrscheinlich ist er dann morgen früh um fünf noch nicht fertig!"
Irene Huss nickte zustimmend, obwohl ihr Chef sie nicht sehen konnte.
"Kann ich dir irgendwie helfen?", fragte sie.
Hoffnung keimte in ihr auf, dass sie den langweiligen Stapeln mit den Berichten doch noch würde entrinnen können. Unerklärlicherweise türmten sich die immer nur auf ihrem Schreibtisch. Möglicherweise hing das aber auch damit zusammen, dass sie Schreibtischarbeit verabscheute und sie vor sich herschob, wann immer es ging.
"Komm zu mir rüber, dann erzähl ich dir alles."
Der Kommissar hatte den Satz noch nicht beendet und die Wechselsprechanlage noch nicht abgestellt, da war Irene bereits aufgesprungen. Von ihrem Chef ließ sie sich bei Gott nicht zweimal bitten. Dass dabei der eine oder andere Bericht auf der Strecke blieb, war bedauerlich, aber nicht zu vermeiden.
Andersson sah nachdenklich aus. Er hatte sich in seinen Stuhl zurückgelehnt, der unter seinem Gewicht bedenklich ächzte. Er nickte Irene zu und bedeutete ihr, auf dem Besucherstuhl Platz zu nehmen. Lange saß er schweigend da. Offensichtlich wusste er nicht, wie er beginnen sollte. Allmählich wurde die Stille bedrückend. Vielleicht hallten seine asthmatischen Atemzüge auch deswegen so im Zimmer wider. Grübelnd presste er die Handflächen gegeneinander. Seine Gelenke knackten. Dann legte er sein Doppelkinn auf den Fingerspitzen ab und schien einen Punkt über Irenes Kopf zu fixieren. Schließlich knallte er die Handflächen auf den Schreibtisch, erhob sich ächzend und sagte:
"Da müssen wir wohl oder übel rausfahren."
Ohne weitere Erklärungen kam er hinter dem Schreibtisch hervor und nahm seinen Mantel vom Haken neben der Tür.
"Los geht's", verkündete er über die Schulter.
Irene sprang auf und eilte in ihr Zimmer, um ihre Jacke zu holen.
Ich bin genau wie Sammie, dachte sie selbstironisch. Er muss nur mit der Leine schwenken und schon komme ich angehechelt, ohne auch nur zu fragen, wohin die Reise geht.
"Erst wollte ich eine Streife schicken, aber es ist ja heutzutage fast unmöglich, eine aufzutreiben. Und sie dann auch noch in die Wälder am Norssjön rauszuschicken|... nein, da kümmere ich mich doch lieber gleich selber drum", sagte Kommissar Andersson, als sie im Auto saßen und auf die Ausfallstraße Richtung Borås zufuhren.
Irene wollte ihn schon darauf hinweisen, dass sie ihm ja zur Seite stand, aber sie kannte ihren Chef nur zu gut und behielt die Bemerkung deswegen lieber für sich. Sie wollte ihn nicht unnötig reizen, denn sie mochte den Kommissar.
"Ich sollte das Ganze vielleicht erklären", sagte Andersson plötzlich.
"Ja, bitte", erwiderte Irene in der Hoffnung, nicht allzu ironisch geklungen zu haben.
Offensichtlich hatte es Andersson aber nicht so aufgefasst, denn er fuhr fort:
"Mein Cousin hat mich angerufen. Er ist hier in der Stadt Rektor an einer Privatschule."
Es war eine Überraschung für Irene, dass Sven Andersson einen Cousin besaß. Fast fünfzehn Jahre lang waren sie nun schon Kollegen, und nie hatten sie über seine Verwandtschaft gesprochen. Sie hatte ihn immer für vollkommen allein stehend gehalten. Geschieden, ohne Kinder, ohne nähere Angehörige, ohne nennenswerte Freundschaften. Eigenbrötler, dieses Wort fiel ihr ein, wenn sie an ihren Chef dachte.
"Georg, also mein Cousin, ist sehr besorgt. Einer seiner Lehrer ist seit gestern nicht zur Arbeit erschienen. Ans Telefon geht er auch nicht. Bei seinen Eltern hebt auch niemand ab. Georg macht sich Sorgen, denn dieser Lehrer hat offensichtlich schwere Zeiten hinter sich und gelegentlich unter Depressionen gelitten. Ich weiß nicht, aber ich hatte den Eindruck, er befürchte, der Bursche könne Selbstmord begangen haben."
"Aber das ist doch noch lange kein Grund, zwei Leute vom Dezernat für Gewaltverbrechen loszuschicken? Eine Funkstreife zu rufen, wäre irgendwie angebrachter gewesen", meinte Irene.
Sie warf einen Seitenblick auf Andersson und sah, wie sich eine hastige Röte auf seinem Hals und seinen runden Wangen breit machte.
"Hier entscheide immer noch ich, was angebracht ist oder nicht", bellte er gereizt.
Demonstrativ wandte er sich ab und schaute durchs Seitenfenster. Irene verfluchte innerlich ihr loses Mundwerk. Jetzt war er sauer und würde kein Wort mehr sagen.
Das Schweigen hielt an. Nur das leise Geräusch der Scheibenwischer war zu hören. Es sah nicht so aus, als wolle der Regen, der in der Nacht begonnen hatte, bald schwächer werden. Schließlich meinte Irene:
"Weißt du, wo wir hinmüssen?"
"Ja. Bieg Richtung Hällingsjö ab. Nach ein paar Kilometern steht auf einem Schild Norssjön. Da biegst du wieder ab, und dann zeige ich es dir."
"Wieso kennst du den Weg so gut?"
"Ich war dort mal auf einem Krebsfest."
"Bei dem Lehrer?", fragte Irene erstaunt.
"Nein. Bei seinen Eltern."
Sie hatte geahnt, dass irgendetwas nicht stimmte. Jetzt wusste sie es. Warum auch immer ihr Chef sich so seltsam benahm, eins war sicher: Er war selbst irgendwie in die Sache verstrickt.
Auf einem Krebsfest bei den Eltern|... Plötzlich tauchten sogar Freunde des Kommissars auf! Er hatte also ein Privatleben und besuchte sogar Feste. Alle Achtung! Falls es nicht sogar Verwandtschaft war. Irene beschloss, nachzuhaken.