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Jetzt hat Walser einen Roman geschrieben, der eine Variante seiner Königsfigur ins Zentrum der (man muss es immer wieder sagen: fiktiven) Handlung stellt. Und diesmal lehnte Schirrmacher den Vorabdruck unter dem Vorwurf "antisemitischer Klischees" kategorisch ab. Dünnhäutig sprach Reich-Ranicki gar von realen Mordfantasien Walsers gegen seine Person. In einer beispiellosen Literaturbeilagen-Kampagne schlug der (unterstellte) Rufmord an einem konkreten Kritiker in tatsächlichen Rufmord an Martin Walser um. Lesen Sie hierzu unseren Artikel zur "Walser-Debatte".
Dabei wird in Tod eines Kritikers niemand ermordet, auch Literaturpapst André Ehrl-König nicht. Der Fernsehstar der Bücher-Talkshow "Sprechstunde" hatte es gewagt, ein Buch des Schriftstellers Hans Lach publikumswirksam zu verreißen. Bei einer Party im Hause von Lachs Verleger treffen beide handgreiflich aufeinander. Als am nächsten Morgen Ehrl-Königs gelber Kaschmirpullover blutüberströmt, aber ohne menschlichen Inhalt, im Neuschnee liegt, gerät Lach unter Mordverdacht. Vorverurteilungen, auch seitens der Kriminalpolizei, sind die Folge. Nur der Münchner Historiker Michael Landolf will Lachs Unschuld beweisen. Bis plötzlich Ehrl-König unversehrt wieder auftaucht und sich alles entpuppt als groteske Liebesfarce -- und der vermeintliche Krimi als Possenspiel über die komischen Mechanismen öffentlicher Meinungsbildung.
Seit über 25 Jahren findet sich in Walsers Notizbüchern das Kürzel "T. e. Kr.", "Tod eines Kritikers", wieder. Beleg dafür, dass das eng mit seiner Beziehung zu Reich-Ranicki verknüpfte Thema den Autor schon seit langem quälte. Mit diesem Roman ("Für die, die meine Kollegen sind") hat er sich seine Wut über den absurden Literaturbetrieb von der Seele geschrieben, um selbst Opfer einer publizistischen Farce zu werden. Vielleicht hat sich Walser nur mit verbalen Mitteln gegen verbale Attacken zur Wehr gesetzt. Ob das letztlich ausreicht für ein gutes Buch, muss jeder für sich selbst entscheiden. --Thomas Köster
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Lesenswert,
Von Michael Tepel (Bodman-Ludwigshafen Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Tod eines Kritikers (Gebundene Ausgabe)
Wie immer, bei einem Walser, mit Lesegier verschlungen. Ein (nach Meinung der Kritiker) schlechter Walser ist, verglichen mit anderen Autoren, immer noch lesenswert. Wenngleich das Buch an seinen Vorgänger "Der Lebenslauf der Liebe" nicht herankommt.Der Wortwitz und die Walser'sche Sprachmacht kamen dort besser zur Geltung. Das Werk wäre doppelt so spannend gewesen, wenn im Vorfeld nicht so viel darüber diskutiert worden wäre. Der Ausgang war bereits bekannt. Mit Anitsemitisums hat Walser (auch in diesem Band) so viel am Hut wie die Toten Hosen mit Rex Gildo. Martin Walser rächt sich auf ironisch, witzige Weise am "Kulturbetrieb" und seinen Machern. Der polarisierende Selbstdarsteller Marcel Reich-Ranicki wird karikiert, als Mensch, nicht weil er Jude ist, und Herr Walser diese haßt. Auch Schriftsteller sind Menschen, und es tut weh, mit seinem Werk verurteilt zu werden, ohne sich wehren zu können. Man gibt mit jeder Veröffentlichung ein Stück seiner Selbst preis. So habe ich die Botschaft verstanden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein neuer, typischer Walser,
Rezension bezieht sich auf: Tod eines Kritikers (Gebundene Ausgabe)
Dass der "Tod eines Kritikers" antisemitische Züge tragen soll ist blühenster Unsinn. Zwar ist der Literaturkritiker Andre Ehrl-König, genau wie das "real-life Pendant" Marcel Reich-Ranicki Jude, doch spielt das nur ganz am Rande eine Rolle, streicht man die Stellen zusammen, in denen es um das Thema Religion/Judentum geht, so kann man nicht einmal von einer Kurzgeschichte sprechen.Vielmehr bietet Walsers Roman, obwohl es eben ein Roman ist, doch ein klein wenig Einblick in den Literaturbetrieb. Genau das ist der große Reiz dieses Buches, ein großer Schriftsteller, der auch schon mehr als einmal in der Kritik stand, schreibt einen Roman über einen großen Schriftsteller, der den Literaturpapst, der ihn öffentlich verrissen hat vermeintlich umgebracht haben soll. Bei all diesem "neuen" Stoff bleibt Martin Walser sich doch in seinem großartigen Stil treu. "Tod eines Kritikers" ist eine wunderbare Kritik eines großen Schriftstellers am Literaturkritikbetrieb, der meines Erachtens sowieso eine viel zu hohe Wertschätzung genießt! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Antisemitismusvorwurf ist Unsinn,
Von
Rezension bezieht sich auf: Tod eines Kritikers (Gebundene Ausgabe)
Walser hat eine scharfe Parabel auf die deutsche Medienscene verfaßt, deren Lektüre Konzentration erfordert, aber mit viel Amüsement über das Gelesene belohnt. MRR zieht sich zu Unrecht den Schuh an, er hätte mit viel mehr Humor und Souveränität reagieren können. Das Buch ist eine Eulenspiegelei sondergleichen.
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