Das Buch ist ein unbedingtes Muss für jeden Polizeibeamten, um ihn für diese Thematik zu sensibilisieren, aber auch für "Nichtinsider" uneingeschränkt zu empfehlen. Es ist m. E. kein fiktiver Fall, wie der Autor versichert oder versichern muss. Daher sollte die Aufarbeitung des Buches fester Bestandteil polizeilicher Ausbildung sein.
Beim Lesen stellt sich immer wieder ein "Gänsehautgefühl" aber auch Wut und letztlich die Erkenntnis ein, wie ohnmächtig der einzelne Polizeibeamte bzw. die Poliziebeamtin der Behördenleitung ggü. steht. Dass es durch Kumpanei sowie Verdrehung und Erfindung von angeblichen Tatsachen sogar möglich ist, einen SEK-Einsatz zu iniziieren, um die Polizistin Hanna einer "Nervenklinik" zuzuführen, ist schockierend. Dies setzt sich in der Erstellung von polizeiärztlichen Gutachten über die Psyche der Betroffenen fort, die fern jeder Objektivität sind, um sie aus dem Polizeidienst zu entfernen. Erschütternd ist auch, dass selbst die Staatsanwaltschaft und die zuständigen Gerichte die Tragweite und Problematik nicht erkennen bzw. erkennen wollen, denn was nicht sein darf, ist auch nicht. Das Buch vermittelt aber auch die Erkenntnis, dass solche Machenschaften nur möglich sind, wenn Mitarbeiter und Kollegen wegschauen, das Mobbingofper also alleine dasteht, was ein wesentliches Indiz für Mobbing ist. Bei allen Emotionen, die beim Lesen unweigerlich aufkommen, darf aber nicht unbeachtet bleiben, dass es sich hier um Einzelfälle handelt und nicht jede sachliche Kritik (insbesondere wiederholte Kritik), als Mobbing zu bewerten ist.
Eine weitere Hauptperson des Buches, die Kriminalhauptkommissarin Bianca Müller (alias Sabrina Neudeck), hat sich im April 2005 im Alter von 50 Jahren bedauerlicher Weise das Leben genommen, da sie die ständigen Anfeindungen nicht mehr ertragen konnte. Dies zeigt, wie wichtig ein offensiver Umgang mit diesem Thema ist.