Kommissär Hunkeler, sturer Dickkopf und Genussmensch weiß sich zu helfen. Seinen liebesbedingt entflammten Körper und seinen arbeitsbedingt rauchenden Kopf kühlt er sich in diesem heißen Sommer allabendlich im Rhein ab, damit er besser denken kann. Denn auch bei seinem vierten Fall vertraut der sympathische Ermittler lieber seiner Intuition als der Kriminaltechnik.
"Manchmal wäre er gern ein anderer gewesen. Einer, der seine Gefühle im Griff hatte, der sich vom Intellekt leiten ließ. Der nichts an seine Psyche heran ließ, was ihm nicht passte. Wozu hatte er denn einen Verstand? Doch wohl dazu, um ihn zu gebrauchen."
Sein vierter Fall führt Hunkeler in die Arztpraxis der bekannten Baseler Ärztin Dr. Christa Erni. Mit einem Fleischermesser traf der Mörder sie mitten ins Herz. Schnell ergeben sich Verdachtsmomente gegen eine Gruppe Drogenabhängiger, die von der liberalen Ärztin mit Methadon versorgt worden waren. Aber Hunkelers Instinkt für die Abgründe der menschlichen Psyche führt ihn untrüglich auf andere Fährten.
Im Zentrum des Geschehens steht die Aufklärung des Mordes an Hunkeler`s Hausärztin. Aber eigentlich ist die Suche nach dem Täter nur Nebensache. Vielmehr bietet die Form des Krimis Schneider die Möglichkeit, sich geistreich mit dem Baseler Drogenmilieu und der Liebe in all ihren Variationen auseinanderzusetzen. Da ist einmal die erstmals so richtig entfachte Liebe zwischen dem geschiedenen Familienvater Hunkeler und seiner Freundin Hedwig. Eigentlich wollten sie gemeinsam der sommerlichen Gluthitze in Basel entfliehen, doch Hedwig muß allein in die Sommerfrische ins Elsass aufbrechen. Hunkeler hat schließlich einen Mord aufzuklären. So kommt er nur zur gelegentlichen Stippvisite, die der Liebe aber keinen Abbruch tut. Und es geht um eine Liebe, die an der Leidenschaft, oder besser gesagt: an der fehlenden Leidenschaft zerbricht. Es geht um Liebe zwischen zwei Frauen und um das Thema, ob die Liebe den Menschen retten kann.
Schneiders gelassener Erzählstil hebt sich wohltuend vom hektischen Alltag ab und ist daher ideal geeignet für entspannende sommerliche Mußestunden. Seine atmosphärischen Schilderungen der Naturlandschaften am Rhein und des Rheinhafens sind stimmig. Dieser Hunkeler-Krimi ist daher mehr als ein simpler Kriminalroman, vielmehr ist er eine Hommage an Basel, die Dreiländergegend und die manchmal etwas skurrilen Personen, die dort leben.
Ich, als Ärztin, musste natürlich über den Titel des Buches stolpern. Ich musste wissen, wer mir potentiell ein Messer zwischen die Rippen rammen würde. Jetzt bin ich klüger! Wenn auch nur die These von Schneider bekräftigt wurde, daß Ärzte auch nur Menschen sind und außerdem nicht vollkommen. Nichtsdestotrotz bleibt, weiterhin nach Perfektion zu streben ...