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Vargas Llosa schreibt ein spannendes Buch, einen Kriminalroman, der aber nicht einfach Kriminalroman ist, sondern auch eine Milieustudie der einfachen Arbeiter und Bauern in den Andenprovinzen Perus, eine Aufarbeitung der Jahre von Gewalt und Gegengewalt zur Zeit des Sendero Luminoso. Aber vor allem ist dieses Buch auch ein ganz allgemeiner Beitrag zum Thema Terrorismus und der Frage, wie irrsinnig Menschen agieren koennen, die sich einer fundamentalen Ideologie angeschlossen haben.
Ein paar Worte zur Milieustudie: Ich weiss nicht, wie genau mein Vorredner Peru wirklich kennt. Ich will nicht behaupten, dass ich das Andenhochland von Peru und seinen Nachbarstaaten nach 2 1/2 Monaten Reise auch in entlegene Winkel, in die sonst keine Touristen kommen kenne. Aber als ich mit Bus, LKW und Collectivo durch die Berge von Ancash und Junin, Ayacucho und Andahuaylas gereist bin, konnte ich mir durchaus vorstellen, wie dieses Bergvolk, skeptisch gegenueber dem Kuestenland und v.a. Lima mit seiner Arroganz und Verachtung alles indianischen, wie diese einfachen Menschen, denen oft selbst elementare Bildung vorenthalten wird, sich in einer solchen Katastrophe, wie sie durch die willkuerliche Gewalt des Leuchtenden Pfades und die Gegengewalt des Staates ueber sie hineingebrochen ist, verschliessen zu einer verschworenen, ja unheimlichen Gemeinschaft, wie Vargas Llosa sie darstellt.
Hier will ich noch erwaehnen, dass die Meinung des Autors nicht uebereinstimmen muss mit der seiner Protagonisten. Das Buch ist geschrieben aus der Perspektive eines Kuestenbewohners, mit all seinen abfaelligen Vorurteilen, wie sie leider nun einmal Fakt sind in Peru. Das dann als Revanche fuer eine verlorene Wahl zu deuten, halte ich fuer eine recht masslose Unterstellung - und selbst wenn sie wahr waere, wuerde sie die Qualitaet des Buches nicht schmaelern.
Nun vielleicht noch ein paar Worte zu meiner eingangs erwaehnten BEmerkung, das Buch sei eine Studie des Terrorismus, noch lange vor 9.11.
In wenigen exemplarischen Szenen gelingt es Vargas Llosa meisterhaft, die absurde Selbstgerechtigkeit aller gewalttaetigen Ideologen zu umreissen. Da werden die linken Rucksacktouristen gesteinigt, die Umweltschuetzerin, die sich fuer die Rechte der Indios einsetzt und in gewisser Weise mit den Ideen der Terroristen sympathisiert. Alles was irgendwie suspekt ist, weil es nicht der Ideologie entspricht, wird verdammt und zerstoert und der Leser bleibt fassungslos erschuettert. Ich halte diese Darstellung fuer sehr realistisch, weiss ich doch aus Diskussionen nach dem 11. September, wie verfuehrerisch die Selbstgerechtigkeit ist, wie gerne auch intelligente Menschen den Tod unschuldiger als Opfer in einem gerechten Kampf instrumentalisieren und missbrauchen. Dieses zu illustrieren gelingt Vargas Llosa wunderbar...
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