Dies ist nun schon der dritte Band in der Anthologien-Reihe von Harris und Kelner.
Nachdem die beiden zunächst Geschichten rund um paranormale Wesen und Geburtstage (Happy Bissday) und dann rund um Weihnachten (Werwölfe zu Weihnachten) gesammelt haben, so wurde dieses Mal das Thema Urlaub verarbeitet.
Auch diese Anthologie folgt wieder dem bekannten Aufbau. Ein zum Glück knackiges Vorwort stimmt auf das Buch ein, während am Ende wieder kurze Informationen über die jeweiligen Autoren zu finden sind.
Mit den beiden vorigen Anthologien hatte ich viel Spaß, vor allem weil sie eine gute Möglichkeit waren neue Autoren kennen zu lernen. So verdanke ich den Vorgängern meine Bekanntschaft mit Donna Andrews, Kelley Armstrong, Tanya Huff, Jim Butcher und Carrie Vaugn. Was wären mir Wochen an Lesevergnügen entgangen, wenn ich von diesen Autoren nie etwas gelesen hätte!
Insgesamt bin ich mit dieser Anthologie wieder sehr zufrieden! Während es gerade bei „Werwölfe zu Weihnachten“ viele Geschichten gab, die so gar nicht meinen Geschmack trafen, so fand ich die Qualität diesmal erfreulicherweise durchgehend gut. Nur eine Geschichte hat mir überhaupt nicht gefallen!
1. Harris: Zwei Blondinen ++
Gleich zur Einstimmung erwartet einen eine weitere Geschichte aus dem Southern Vampires-Unviersum rund um die die kellnernde Telepathin Sookie Stackhouse.
Da ich die Reihe liebe, freute ich mich schon besonders auf diese Geschichte!
Und ich wurde zum Glück nicht enttäuscht.
Sookie wird von Pam zu einem gemeinsamen Wochenende in Tunica, Mississipi überredet. Dort wimmelt es nur so vor Spielcasinos und Bars.
Schnell wird klar, dass der „kleine Auftrag“, den sie nebenher für den neuen König erledigen sollen, gar nicht so ungefährlich ist. Es kommt, wie es kommen muss: Pam und Sookie geraten in richtig große Schwierigkeiten und das auch noch in einem Stripclub!
Diese kleine Sookie-Geschichte hatte wieder alles, was ich an der Reihe liebe. Sie war spannend, etwas irrwitzig und sehr humorvoll.
Eindeutig einer meiner Favoriten in dieser Anthologie!
2. Smith: Die Jungs gehen fischen ++
Hier erwartet den Leser zur Abwechslung von den „normalen“ paranormalen Wesen mal eine richtige Superheldengeschichte.
Allerdings geht es hier um einen desillusionierten, lebensmüden Superhelden, der auf einem Angelausflug japanischen, talentierten Teenies etwas beibringen soll.
Obwohl in Gegenwartsform geschrieben, beschäftigt sich die Erzählung doch sehr viel mit der Vergangenheit und so entsteht ein interessanter Kontrast. Zusätzliche Kontraste entstehen durch die Konfrontation von Alt und Jung, Sterblich und Unsterblich und klassischer Superheld gegen moderne Manga-Kultur.
Dabei durchzieht die ganze Geschichte eine sehr melancholische Grundstimmung, die gut zur Handlung passt.
Eine ungewöhnliche Geschichte, die mir aber sehr gut gefallen hat!
3. Frost: Ein schweres Erbe +
Einen weiteren Ausflug in eine bekannte Buch-Reihe beschert uns J. Frost mit dieser Kurzgeschichte um ihre erfolgreichen Helden Cat und Bones.
Wie die Romane bietet auch diese Geschichte viel humorvolle Action. Für Fans der Reihe ein Muss, aber auch andere Leser werden hier ein kurzweiliges Lesevergnügen finden.
Wie in der Kurzgeschichte von Charlaine Harris spielt diese Erzählung jedoch recht spät in der Night Huntress-Reihe. Ich warne hiermit also spoilerempfindliche Leser, die die Reihe noch lesen wollen!
4. Stashower: Unterdessen weit über dem Kaspischen Meer +
In dieser Erzählung wusste ich zu Beginn nicht, wohin uns der Autor eigentlich führen möchte. Es beginnt mit einem jungen Mann, der in einem Verlag für Sachbuchreihen angestellt wird, er erzählt von seinen Kollegen und seiner Arbeit.
Schön für ihn, aber warum soll ich das lesen?
Den Clou der Geschichte werde ich hier natürlich nicht verraten, aber die plötzliche Wendung fand ich gelungen und witzig. Der runde Abschluss und inwiefern der Autor es noch schafft das Thema Urlaub mit einzubringen, sind elegant gelöst.
5. Martinez: Pension Innsmouth +
Hier gründen zwei New Yorker in einem winzigen Dorf eine Frühstückspension und bekommen es bald mit ein paar ganz besonderen Gästen zu tun.
In gewisser Weise ähnelte diese Geschichte der vorigen Erzählung, denn mit den ersten zweieinhalb Seiten konnte ich nur wenig anfangen (auch wenn ich die Abneigung gegen Briefkästen gut nachvollziehen kann). Dennoch waren mir gerade die Formulierungen zu Beginn zu theatralisch und übertrieben.
Zum Glück legt sich das dann schnell und ab der Supermarktszene hatte ich viel Freude an dem Geschehen.
Die überraschende Wendung ist auch hier sehr witzig, allerdings wirkt die Geschichte ein klein wenig unrunder als „Unterdessen weit über dem Kaspischen Meer“.
6. Abbott: Gesund und munter 0
In welche Richtung sich diese Geschichte um eine gewissenlose, ehrgeizige Sensations-Journalistin entwickeln wird, war mir von Beginn an klar. Die Lösung des Ganzen ist nicht sonderlich innovativ, aber der Epilog hat mir gefallen auch sonst liest sich die Erzählung flott und angenehm.
7. Banks: Ich sehe was, was Du nicht siehst ++
Besonders originell oder gar spektakulär fand ich diese Geschichte rund um eine junge Hellseherin und Werwölfe zwar nicht, aber dafür besticht sie durch andere Qualitäten. Der Erzählstil lag genau auf meiner Wellenlänge, die Protagonisten waren sympathisch und das, zusammen mit der niedlichen (Liebes-)Geschichte, machte diese Erzählung zu einem meiner Highlights in dieser Anthologie!
So ist Banks einziger (auf Deutsch erschienener) Roman, trotz der beiden vernichtenden Amazon-Kritiken, auf meinem Wunschzettel gelandet.
8. MacAlister: Effrijims dämonische Abenteuer +
Wie ich recherchieren konnte, gehört auch diese Geschichte zu einer Reihe (Dragon Love).
Wer (wie ich) jedoch noch nie etwas von Katie MacAlister gelesen hat, dürfte dennoch keine Verständnisprobleme haben. Ich hatte jedenfalls keine, trotz der doch anscheinend komplexen paranormalen Welt, in die man als Leser hineingestoßen wird.
Hier erzählt der Dämon Effrijim, der am liebsten in Hundegestalt auf der Erde wandelt, von seinem missglückten Urlaub.
Jim ist ein sympathisches Schlitzohr, das durch eine gemeine Intrige in die bizarrsten Situationen gerät.
Die Erzählung ist reichlich abgedreht und man muss sich auf diese verrückte Art von Humor einlassen können. Ich hatte jedenfalls viel Spaß mit dem gebeutelten Dämon!
9. Golden: Dünne Wände 0
Tim befindet sich auf einem Nostalgietrip in Gedenken an seine Frau. Im letzten Hotel auf seiner Reise haben die Zimmer extrem dünne Wände und so bekommt er unfreiwillig mehr von den Geschehnissen im Nachbarzimmer mit, als er eigentlich will.
Eine Alltagssituation in vielen Hotels: Was tut man, wenn die Wände so dünn sind, dass man aber auch wirklich ALLES hört, was im Nebenzimmer geschieht? Tim hat jedenfalls so seine Schwierigkeiten damit. Und die kann wohl jeder nur zu gut nachvollziehen!
Als Leser wird einem jedoch schnell klar, dass da noch ganz andere Dinge passieren. Eine etwas originellere Lösung und ein spannenderes Ende hätten der Erzählung jedenfalls gut getan.
10. Saintcrow: Was das Herz dir sagt +/++
Auch Lilith Saintcrow ist eine, in Deutschland bekannte, Fantasyautorin (Dante Valentine und Jill Kismet-Reihen). Ich denke aber nicht, dass die Geschichte in eine ihrer bekannten Reihen einzuordnen ist. Ganz sicher kann ich da aber nicht sein, da ich noch nichts von ihr gelesen habe.
Nach dieser Geschichte wird sich das aber sicher bald ändern!
In ihrer Erzählung baut die Autorin, trotz aller Kürze, ein ganz eigenes Universum um Gut und Böse auf. Protagonist ist ein Gargoyle, der nur mal kurz zum Supermarkt wollte um Flipflops für seinen anstehenden Strandurlaub zu kaufen, aber dann in große Schwierigkeiten gerät.
Der namenlose, hässliche Held der Geschichte wächst einen sofort ans Herz und man muss diese nette Geschichte einfach mögen!
11. Grabenstein: Der Dämon in den Dünen 0
Hmm. Zuviel will ich auch hier vom Clou der Geschichte nicht verraten.
Die Botschaft am Ende ist für mich in Ordnung, kommt mir jedoch etwas zu aufdringlich daher! Mit dem moralischen Holzhammer habe ich immer so meine Probleme.
Es geht um einen Teenager, der mit seinen coolen Freunden am Strand ein paar College-Mädchen trifft.
Die typische Sommer/Strand-Stimmung wird lebendig beschrieben, aber dann wurde mir die ganze Erzählung doch etwas zu krude und unausgewogen. Immerhin bietet sie ein überraschendes Ende, das ich so nicht erwartet hätte.
12. Newmann: Willkommen in der Heimat -
Der Flop überhaupt für mich!
Vorhersehbar mit unsympathischen Protagonisten.
13. Kelner: Pirat Daves Supkbucht +/++
Zum Abschluss erwartet einem als Leser zum Glück noch mal ein Highlight und kann so den letzten negativen Eindruck wieder wett machen!
Die beschwingte Geschichte rund um eine junge Werwölfin, einen Vampir und einen Vergnügungspark macht einfach Spaß!