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Um es vorwegzunehmen, der "Tod am Zollhaus" ist genauso stark wie die anderen Bücher der Reihe ("Der Sommer des Kometen", "Die zerbrochene Uhr", ...), unterscheidet sich von diesen aber in einigen Details. Man spürt, dass Petra Oelker hier noch am Stil für ihre historische Krimireihe feilt. Die Personen sind noch etwas weniger "fertig", ihre Typen etwas weniger ausgeprägt, so als wären bei einem Gemälde die Konturen noch etwas weicher gezeichnet (im Vergleich zu den anderen Werken der Reihe).
Allerdings spielt die Autorin schon hier die ganzen Stärken ihres Entwurfs einer Krimireihe aus dem historischen Hamburg aus. Das Kaufmannsmilieu kann da ebensowenig fehlen wie das künstlerische. Hamburg hatte immerhin das erste öffentliche deutsche (und auch deutschsprachige, beim damaligen Siegeszug der italienischen Oper durch Europa nicht unbedingt dasselbe!) Opernhaus, für das u.a. der junge Georg Friedrich Händel seine ersten Opern komponierte. Petra Oelker gelingt es hervorragend, diese Stimmung zwischen Neuem (Theater) und Altem (Hanse), zwischen Aufbruch und Konservatismus herzustellen, in deren Spannungsfeld sich die Protagonisten bewegen. Dass dabei nicht nur die Sonnenseit des damaligen Hamburg zur Geltung kommt, ist dem Roman nur zuträglich. Es ist dieses menschlich und psychologisch schlüssige Gesamtbild, das Frau Oelker von anderen Autoren historischer Romane abhebt. Dabei sind ihre Erzählungen immer spannend und interessant auch in den Details.
Ich empfehle dieses Buch jedem Liebhaber historischer Romane und Biographien. Es gelingt einschlägigen Autoren nicht immer so wie hier, eine Epoche realistisch heraufzubeschwören, ohne dabei ins Vulgäre oder in die Langeweile abzugleiten.
Eine bunte Schar liebenswerter Charaktere - die Beckersche Komödiantengesellschaft insbesondere die mutige Schauspielerin Rosina, genauso wie der etwas steife Hamburger Kaufmann Claes Herrmanns und seine unkonventionelle Tante Augusta - wuchs mir beim Lesen zunehmend ans Herz. Sobald ich das Buch zugeklappt hatte, freute ich mich schon auf ein weiteres Abenteuer mit ihnen.
Der Roman ist eine nette, leichte Unterhaltung, gewürzt mit viel Hamburger Stadtgeschichte und einer Prise Spannung. Er eignet sich besonders als Geschenk für Hamburg-Fans.
Der Krimi kommt ein bisschen schwer in Gange, ist dann aber recht spannend und flott zu lesen. Die letzte Begeisterung ist aber zumindest bei mir nicht aufgekommen. Das liegt wohl daran, dass immer eine gewisse Distanz zu den Hauptpersonen gewahrt bleibt. Untypisch ist der Krimi aus meiner Sicht, weil es keinen Kommissar, Privatdetektiv oder ähnliches gibt. Die Ermittlungen laufen aus zwei Richtungen aufeinander zu, sind aber geschickt miteinander verknüpft. Ermittlungen allerdings in Anführungsstrichen. Darunter darf man sich keine spaktakulären Untersuchungen vorstellen. Vielmehr nutzen die Hauptpersonen im wesentlichen ihren gesunden Menschenverstand, um mit Nachdenken und gezielten Fragen an den richtigen Stellen der Intrige auf die Spur zu kommen.
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