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Tod am Leuchtturm: Roman
 
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Tod am Leuchtturm: Roman [Gebundene Ausgabe]

René Appel , Gregor Seferens
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Ein Zeitungsartikel bringt Peter van Galen ins Grübeln. Die Befreiung der Niederlande von der deutschen Besatzung wird dort beschrieben. Plötzlich steht eine längst vergessene und verdrängte Zeit vor seinem inneren Auge wieder auf, die unmittelbare Nachkriegszeit, die Clique mit Henk, Johan, Sytze, Trudy und Ineke, ja, Ineke vor allem. Ihre geheimen Treffpunkte in der Fabrik und im Leuchtturm, das Rauchen und Trinken, die verhasste Schule, das gepflegte Außenseitertum ihrer kleinen Gemeinschaft und schließlich die Pistole, die Johan irgendwann organisiert hatte. Und der dunkle Fleck in dieser Jugendzeit wird ihm wieder bewusst, ein Ereignis, an das er sich partout nicht mehr erinnern kann -- oder will. Mit derPistole hat es zu tun und mit dem Leuchtturm. Trudy, die plötzlich tot in ihrem gemeinsamen Versteck lag - Sytze, der unter mysteriösen Umständen vom Leuchtturm zu Tode stürzte. Van Galen macht sich auf den Weg in die Kleinstadt seiner Jugend, um die Wahrheit und die Schuld zu suchen. Er macht seine früheren Freunde ausfindig und stellt beharrlich Fragen, deren Antworten sein bisheriges Leben verändern werden.

René Appel ist ein außergewöhnlicher literarischer Krimi gelungen, der seine Spannung vor allem aus der Konfrontation zweier Zeitebenen bezieht. Immer wieder unterbricht der Autor den Gang der Handlung durch Rückblenden, die das tatsächliche Geschehen jener Jahre dokumentieren. Dabei wird sehr deutlich, dass weder die Erinnerung an Vergangenes noch das tatsächliche Geschehen dieser Vergangenheit vor fünfzig Jahren Fragen nach einem Warum beantworten können. Appel zeigt die schier ausweglose Suche einer Gruppe von Jugendlichen nach Identität und eigenen Lebenswegen in einer uniformen Umwelt. Und er zeigt, wohin diese Suche führen kann. Ein großartiges, spannendes und wunderschönes Buch, das im Gedächtnis bleiben wird! --Ulrich Deurer

Pressestimmen

"Im kunstvoll verwobenen Wechsel zwischen Rückblende und Gegenwart erzählt der Autor von einer orientierungslosen Jugend: Kurz vor dem Schulabschluss verlieren sich die jungen Leute in den Ereignissen einer politischen Entwicklung, die sie nicht als ihre begreifen. Appel zieht seine Leser mit frappierender Lakonie in den Bann einer Kriminalgeschichte dieser ersten no-future-Generation." Die Märkische, 22.04.2000

Kurzbeschreibung

Als Peter van Galen nach vierzig Jahren seine Schulfreunde wiedersieht, will er endlich die Wahrheit über die schrecklichen Ereignisse wissen, die sich damals zugetragen haben. Wie kam es zu dem Tod am Leuchtturm? Bis zum heutigen Tag überschattet er das Leben seiner ehemaligen Freunde. Doch schließlich muss van Galen erkennen, dass auch er mitschuldig ist an einem Drama, dem damals zwei junge Menschen zum Opfer fielen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

René Appel, geboren 1945 in Hoogkarspel, Holland, studierte Niederlandistik und war 1976 bis 1986 Rezensent für die niederländische Tageszeitung NRC-Handelsblad. Er arbeitet heute als Sprachwissenschaftler an der Amsterdamer Universität. René Appel erhielt mehrere Auszeichnungen und ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren der Niederlande.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Plötzlich zog Johan etwas unter seinem Pullover hervor. Ineke dachte zuerst, es handele sich um eine Flasche, doch dann sah sie das matte, dunkle Metall. Obwohl Johan ihnen die Waffe natürlich schon früher gezeigt hatte, stockte ihr der Atem, und in ihrem rechten Knie fing irgendetwas an zu zittern. Jetzt, hier im Bunker, nach allem, was passiert war, schien alles anders zu sein. Diese jähe Spannung jagte ihr einen warmen Schauer durch den Körper. Johan sagte kein Wort, aber präsentierte die Pistole auf seiner geöffneten Hand, so als wolle er damit etwas sagen. "Verdammt", sagte Henk. "Warum hast du das Ding wieder mitgebracht?" "Sechs Kugeln sind noch im Magazin", sagte Johan. "Sechs Kugeln ... das kann doch kein Zufall sein?" Ineke beobachtete, wie das Wasser in endloser Bewegung gegen die Basaltblöcke schlug. Das würde ewig so weitergehen, solange das Meer nicht zugeschüttet würde. Es musste schon fast halb neun sein. Jemand näherte sich auf der Hafenmole, ein großer, schlaksiger Mann in einem weiten Regenmantel, dessen Schöße um seine Beine flatterten. Er setzte sich neben sie auf die Bank. Sie kannte ihn nicht. Als sie zur Seite sah, bemerkte sie, dass er sie anstarrte. In einem seiner Augen war ein Äderchen geplatzt. Plötzlich legte der Mann eine Hand auf ihr Bein. Eigentlich ähnelte die Hand mehr einer Klaue. Sie war mager, die Finger waren lang und krumm. "Kommst du mit?", fragte der Mann. "Dann können wir schön miteinander rammeln." Er sprach das R nicht richtig aus, und es klang mehr wie "wammeln". Starr vor Angst saß sie da, unfähig, irgendetwas zu sagen. Endlich nahm sie allen Mut zusammen und stand auf, doch der Mann drückte sie zurück auf die Bank. Durch ihren Rock spürte sie, wie sich seine Nägel in ihren Oberschenkel bohrten. Der Mann legte seinen anderen Arm um ihre Schultern, und mit seinem Mund suchte er ihr Gesicht. Er roch nach Alkohol. Sie versuchte sich zu wehren, aber der Mann, der leise, brummende Geräusche von sich gab, war stark und unnachgiebig. Sein Mund kam immer näher. "Du hast schon Brüste", sagte er, "schöne, junge Brüste. Die werde ich streicheln ... die Brustwarzen küssen. Und dann werde ich dich ..." Aus den Augenwinkeln sah sie, dass sich jemand der Bank näherte. Peter blieb einen Moment stehen und stürzte sich dann auf den Mann. Der verpasste Peter eine und machte sich aus dem Staub. Keuchend ließ sich Peter neben sie auf die Bank fallen. Ineke weinte, die Tränen schossen ihr aus den Augen. So saßen sie da, minutenlang. Er versuchte sie zu umarmen, doch sie wehrte ab. "Warum bist du so spät gekommen?" "Mein Vater." "Was ist mit deinem Vater?" "Verdammt, mein Auge tut weh. Morgen hab ich garantiert ein Veilchen." Sie wollte ihre kühle, tröstende Hand auf sein Auge legen, vermochte es aber nicht. "Was ist mit deinem Vater?" "Der ist weg ... abgereist." "Weg? Wohin?" "Zu Verwandten ... irgendwo im Achterhoek ... Winterswijk." "Wieso?" "Meine Mutter ... das Kind", stieß er mühsam hervor. Er saß neben ihr, den Kopf in die Hände gestützt, die Ellbogen auf den Knien, ganz nah bei ihr und doch unerreichbar weit weg. "Er kommt doch wieder?", fragte sie. Fast unmerklich schüttelte Peter den Kopf. 29 Als ich aus dem Bahnhof kam und, vorbei an den Strichjungen und ihren potenziellen Kunden, den Heroinhuren, den halben und ganzen Pennern, auf den Vorplatz trat, da quoll mir Amsterdam in all seinem schmierigen, orangen, verschwenderischen Chaos entgegen. Auf dem Bürgersteig stand ein etwa acht Jahre altes Mädchen und spielte Blockflöte. Das jedenfalls musste man annehmen, denn wegen des elektronisch verstärkten Lärms, den andere Musiker machten, war sie nicht zu hören. "Mit irer Spände kan ich mein Musikunterichd Bezalen", stand in großen, kindlichen Filzstiftbuchstaben auf einem Karton, der an ihrem Notenständer befestigt war. Schlau von den Eltern. Vor allem die Rechtschreibfehler waren rührend und würden zusätzliche Einnahmen bringen. Vielleicht hatten sie das Schild sogar selbst geschrieben, zumindest aber hatten sie dem Kind die Wörter Buchstabe für Buchstabe diktiert. Ich wusste, dass ich mir keinen schlechteren Tag als ausgerechnet den Geburtstag der Königin hätte aussuchen können, aber es war der einzige Tag, an dem ich so kurzfristig einen Termin bei dem Anwalt bekommen hatte. Es war der gleiche, der uns auch geholfen hatte, das Konkursverfahren abzuwickeln. Astrid war schließlich doch damit einverstanden gewesen, die Scheidung rasch über die Bühne zu bringen. "Ich möchte mich mit Ineke unter vier Augen unterhalten", hatte sie gesagt, nachdem wir zunächst zu dritt unbehaglich zusammengesessen hatten. Ich legte mich oben mit meinem Buch aufs Bett, aber zu lesen war mir natürlich unmöglich. Nicht einmal die traumatischen Erlebnisse von Gordweil schafften es, mich abzulenken. Nach einer halben Stunde, die mir wie eine Ewigkeit erschien, kam Ineke hoch. Mir war, als hätte ich eine Prüfung abgelegt, ohne selbst anwesend zu sein. "Alles o.k.", sagte Ineke. Astrid war bereits gegangen. Oben auf dem Treppenabsatz hatten wir uns umarmt. Jetzt konnte mir nichts mehr etwas anhaben. Das dachte ich jedenfalls. Die Straßenbahnen fuhren nicht, und am Bahnhof standen keine Taxis. Ich würde erst ein Stück laufen müssen. Schwitzend und fluchend kämpfte ich mich durch die Menge. Überall präsentierten sich "lebende Standbilder". Händler boten nachgemachte Antiquitäten, Fanartikel von Ajax Amsterdam, CDs und T-Shirts an. Von einem Moment auf den anderen hörte Amsterdam in jeder Hinsicht auf, meine Stadt zu sein, und das war nicht nur eine Folge des hässlichen Plunders, der in den Straßen feilgeboten wurde. Ich betrachtete die Häuser, die Straßen, den Verkehr, als wäre ich ein Tagesausflügler aus der Drenter Heide. Wie hatte ich hier leben können, ohne verrückt zu werden?
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